Die Trauerfeier fand am Samstag, dem 28. Februar 2009,
in der Aussegnungshalle am Nordfriedhof in München, um 10.30 Uhr statt.




"Limbo" von Ludovico Einaudi ist u.a. als Download unter: http://www.7digital.de/ zu beziehen.


 

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Abschiedsrede für Hajo Banzhaf am 28.02.2009 in der Trauerhalle am Nordfriedhof in München

 

Liebe Familie Banzhaf, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte.
Geschätzte Kollegen und Mitarbeiter aus dem Astrologie- und Tarotbereich, verehrte Gäste dieser Abschiedsfeier!

Sie alle grüße ich herzlich in dieser nahezu unbegreiflichen Situation.
Hajo Banzhaf ist nicht mehr in der vertrauten Weise unter uns und ich vermute, für die meisten von uns ist diese Vorstellung noch immer fern jeder Realität, kaum nachvollziehbar, denn vor kurzem war noch alles in der gewohnten Ordnung.

Wir sind heute hier, um mit ihm in unserer Mitte ein letztes Mal sein irdisches Leben, seine Verdienste und vor allem sein unverwechselbares Wesen zu feiern und auch, um ihn ein Stück in sein neues Leben im Licht zu begleiten und ihn dorthin zu entlassen. Die Musik, die wir zu Beginn gehört haben, wird uns durch die Feier begleiten. Sie entstammt dem Album „I Giorni“ von Ludovico Einaudi und war in den letzten Wochen Hajos ständiger Begleiter, bei all seinen Tätigkeiten.

Hajo wäre am 15. Mai dieses Jahres 60 Jahre alt geworden - und dieser Tag war auch schon von ihm bis ins Detail geplant. Eine Kunstführung hätte es sein sollen und dann eine schöne Feier beim Italiener mit ihm lieben Leuten.  Große Reisen wurden geplant. Doch dazu wird es leider nicht mehr kommen. Stattdessen lassen wir jetzt sein Leben Revue passieren und erinnern uns an schöne Momente und Hajos ganz eigenes, besonderes Sein.

Er wurde 1949 als 5. Sohn seiner Eltern Johannes und Hertha in Gütersloh/Westf. geboren. Es war die Zeit des aufbrechenden Wohlstandes nach dem verheerenden Krieg. Hajo konnte in einer vergleichsweise paradiesischen Situation in sein Leben starten.

Ein Glücksfall für ihn war, dass seine Eltern beim fünften Sohn deutlich gelassener in der Erziehung waren, was ihm beneidenswerte Freiheiten schenkte. Er wurde ein lieber, braver, folgsamer und frommer Knabe, den seine Brüder einen Milchbubi nannten – der Mutters Sonnenschein und Großmutters Liebling war.

Es folgte die Internatszeit in Petershagen an der Weser. Hier, fern vom pietistisch geprägten Gütersloh fand der einstige „Milchbubi“ rasch Gefallen am “richtigen“ Leben mit Taback, Alkohol und den Reizen des anderen Geschlechts; ein Halbstarker, wie man damals sagte, der so richtig auf die Pauke haute.

Dies blieb dem Direktorium nicht verborgen, weshalb die Eltern zu einem Sprechtag gebeten wurden. Weil aber der Vater mit Grippe darniederlag, wurde
Dieter, zufällig aus München in Gütersloh angekommen, beauftragt, ihn zu vertreten. Kaum war der Wagen am Internathof geparkt, da stürzte, bevor noch die Mutter aussteigen konnte, ein zotteliger, langhaariger Hajo auf seinen Bruder zu, mit den Worten „>Mach jetzt bloß kein Scheiß!< , ich wohne mit einem Mädchen zusammen, rauche, trinke gerne Alkohol und gehe abends auf Parties – damit Du Bescheid weißt!“ (Die Beiden hatten sich lange nicht gesehen). Die Sprechstunde verlief offenbar ohne ernste Folgen – dieser Tag aber war der Beginn einer tiefen Freundschaft zwischen Hajo und seinem elf Jahre älteren Bruder.

Später studierte Hajo Sprachen in Frankreich und Philosophie in Münster statt in München weil zu jener Zeit ein „preußisches“ Abitur in Bayern nicht anerkannt wurde.

Er zog zu seinem Bruder in die Wohnung nach München und irgendwann ging es in langer Diskussion um die Berufswahl:

„Lieber Hajo, ich arbeite in einem Verlag und bekomme Bücher billiger. Wer in einer Brauerei arbeitet, bekommt Bier billiger. Was möchtest du billiger bekommen?“ Hajo’s spontane Antwort: „Geld! möchte ich billiger bekommen.“

Damit begann er seine Laufbahn bei der Thurn und Taxisbank in München, machte innerhalb kurzer Zeit eine steile Karriere, was nicht nur seiner schnellen Auffassungsgabe und dem inhaltlichen Verständnis zu verdanken war, sondern vor allem seiner offenen Art, die ihm das Vertrauen aller wichtigen Leute schenkte. Obwohl jüngster Mitarbeiter in diesem Traditionsunternehmen, genoss er bald großes Ansehen. Seine Meinung war gefragt, weil er klug, immer unparteiisch und unbeeinflußbar war.

Nach einem Asienurlaub folgte eine für Hajo schwere Zeit. Er wurde sehr krank und stand der Krankheit völlig hilflos gegenüber. Niemand, kein Arzt, konnte ihm so recht sagen, was er hatte, aber er war so kraftlos, dass er aufhören musste zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt war er ungefähr 26 Jahre alt und einer der Ärzte empfahl ihm, sein Testament zu machen; denn das 30. Lebensjahr würde er wohl nicht erreichen.

Zu Hause, ans Bett gefesselt, versuchte er, sich mit Lesen abzulenken. Er graste – seinen vielfältigen Interessen entsprechend – sämtliche Bereiche der bestehenden Literatur ab und stieß dabei auf ein Tarotbuch - das ihn wie ein Blitz im Innersten berührte und traf.

Er fing an, sich in der geistlich-spirituellen Richtung weiter zu entwickeln, Meditationsseminare zu besuchen und befasste sich grundlegend mit  Esoterik.
Dies gab ihm Mut, trotz seiner Krankheit. Medizinisch gab es keine neue Erkenntnis, keine Hilfe. Irgendwann spürte er wieder innere Kraft kommen – und nach einem Meditationswochenende stand er eines Sonntagabends von seinem Kissen auf und sagte: „Ich bin gesund.“ Zurück in München, bekam tatsächlich die medizinische Bestätigung dafür.

Tarot, Astrologie und Esoterik waren hinfort seine neue Welt, in der er sich wohl und zuhause fühlte, wie ein Fisch im Wasser. Er hat sich ein immenses Wissen erarbeitet, es aber nie einseitig oder fanatisch vertreten, sondern immer fundiert präsentiert. Er war auch nie missionarisch, hat Interessierte aber gern an seinem Wissensschatz teilhaben lassen. Aus der Liebe zum Tarot und später auch zur Astrologie hat sich eine Karriere entwickelt, mit dem Resultat unzähliger Seminare und Vorträge und mit Büchern, die ihn zum bekanntesten Tarotautor Deutschlands machten. Allein sein „Arbeitsbuch zum Tarot“, ist in 20 Sprachen erschienen. So entwickelte sich ein riesiger Freundeskreis und daraus gewachsene tiefe Freundschaften.  Nie hat er von oben herab auf seine Zuhörer eingeredet – stets hielt er auf gleicher Augenhöhe mit ihnen Kontakt; es war ihm fremd, über andere Menschen zu urteilen.

Ich muss Ihnen nicht erzählen, wie viele Menschen er in seinen Vorträgen zum Lachen brachte, gerade auch bei Themen wie Geld. Man wußte manchmal nicht so recht, wie ernst er sich selber nimmt? Die meisten von Ihnen haben das sicher selbst erlebt. Begeisterung erzielte er auch durch seine gepflegte Sprache, die ohne jeden modischen Slang auskam, nie abgehoben war, sondern immer klar und eingängig. Das ist besonders in diesem Metier selten. Er neigte auch nicht zur Überheblichkeit, hatte stets Anerkennung für sein Gegenüber und Nachsicht für dessen Schwächen.

Mit seiner Frau Brigitte, die wir vor über einem Jahr hier verabschieden mussten, baute er die Astrologie- und Tarotschule aus und erweiterte sie durch zahlreiche Fortbildungen. Hajo ist Gründer des ersten deutschen Tarotverbandes.

Unzähligen Menschen kennen ihn als Autor und Seminarleiter , seine Homepage wird von Besuchern geradezu überschwemmt, wie auch das aktuelle Kondolenzbuch. Er war geliebt und geschätzt aufgrund seiner Beratungen und doch sahen fast alle Menschen eher einen Freund in ihm als einen bekannten, renommierten Mann. Er war Vielen gegenüber sehr großzügig und hilfsbereit und besaß immer eine ausgeprägte Gutgläubigkeit. Niemals kam er auf die Idee, dass ihm irgendjemand absichtlich schaden wollte. Er wurde mit dieser Einstellung auch nie wirklich enttäuscht.

Sein enger Freund Wolfgang beschreibt Hajo auch deshalb als so außergewöhnlichen Menschen, weil er sich schon in frühen Jahren als junger Mann dem plumpen Karrieredenken entzog. Er hatte immer eine menschlich herzenswarme Ausstrahlung und keinerlei egoistische Züge. Seine Interessen waren so bodenständig, dass er nie abhob. Er liebte Fahrradtouren, Skifahren und Pilze sammeln. Ein Mann, der mit großer Lebenslust das Leben liebte.

Weil er für sich selbst immer eine Lösung brauchte, war er auch allen anderen immer ein väterlich behutsamer Ratgeber, der stets mit hilfreichen Tipps zur Stelle war. Um es mit Wolfgangs Worten zu formulieren: „Hajo war ein zweibeiniges Lagerfeuer, an dem man sich ein Leben lang wärmen kann.“

Für viele war er der Inbegriff vom Fels in der Brandung, doch das war nur das  Bild, das er nach außen zeigte. Als seine Frau im Sterben lag und auch in der Zeit nach ihrem Tod zeigte sich Wenigen ein sehr verletzlicher, ohnmächtiger und weicher Hajo, für den vor allem die direkte Konfrontation mit dem Tod eine schwierige Herausforderung war. Aber er hat sich tapfer gestellt und ist nicht daran zerbrochen, sondern gewachsen. Er hat das erfahren, was die meisten von uns jetzt in Bezug auf ihn erfahren werden:

„Wenn du einen Menschen verlierst, den du geliebt hast und der dir ein wichtiger Wegbegleiter war, dann geht immer auch ein Stück von dir mit ihm.

Aber wenn du dir etwas von dem bewahrst, das sich dir durch ihn an innerem Reichtum erschlossen hat, wird er in dir gegenwärtig und durch dich hindurch lebendig sein.“

Dieser so authentische und in sich ruhende Mensch bemerkte bei Vorträgen und auch sonst, dass er zunehmend Probleme mit dem Sehen und dem Gleichgewicht bekam. Nach Untersuchungen stellte sich heraus, dass er sich aufgrund eines Aneurysmas einer Operation am Gehirn unterziehen müsste. Eine OP, vor der er großen Respekt hatte und durchaus damit rechnete, nicht wieder aufzuwachen. Doch die Ärzte stellten ihm sehr gute Chancen in Aussicht.

Er hatte große Zukunftspläne und war trotz allem sehr positiv gestimmt und blickte großen Wünschen entgegen. Entsprechend seiner Persönlichkeits- und Wesenskarte, dem „Triumphwagen“ freute er sich auf das Neue und hatte bereits neue Ziele vor Augen. So wollte er mehr Sport treiben, abnehmen und mit Wolfgang auf den Jakobsweg gehen.

In dieser Zuversicht begab er sich am 10. Februar in die Hände der Ärzte und war am Tag nach dieser Operation wider Erwarten so fit und ohne jede Einschränkung, dass er schon auf die Normalstation verlegt werden konnte, bereits erste Telefonate führte. Über diese Entwicklung selbst so überrascht und auch dankbar, machte er schon wieder Termine für Seminare und Vorträge fest.

Am Mittwoch, den 11. Februar starb er dann völlig überraschend am Arm der Schwester auf dem Weg ins Bad an einer Lungenembolie und folgendem Sekundenherztod. Nach seiner Einäscherung wird Hajos Urne hier am Nordfriedhof seine letzte Ruhestätte finden und Sie können dort sein Grab besuchen.

Lieber Hajo:

In Erinnerung an deine Leidenschaft, Sprüche zu sammeln, hier noch ein letzter für Dich, stellvertretend für alle, die dir ins Kondolenzbuch geschrieben haben, für alle, die jetzt hier versammelt sind und für alle, die durch dein Gehen großen Schmerz verspüren:

„Ein einziger Mensch fehlt, und alle Welt ist leer.“

Aber wir wissen dennoch, wie Thomas Carlyle sagt:

„Das, was wir Tod nennen, ist in Wahrheit der Anfang allen Lebens.“
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Ich darf Sie alle nun herzlich einladen im Anschluss an Hajos Familie eine Kerze für ihn zu entzünden, damit uns allen deutlich sichtbar wird: Ja, Hajo ist auf dem Weg ins lebendige Licht...


Foto aus http://www.br-online.de...