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 Betreff des Beitrags: Neptuns lange Reise.
BeitragVerfasst: 14. Dez 2015, 15:57 
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Einleitung.

Neptuns lange Reisen.

Hallo liebe Freunde! Zeit wird es, damit ich ein wenig aus meinem Nähkästchen plaudere, gibt es doch so viel zu berichten! Ich bin der Neptun und sicher kennen mich viele unter den bekannten Namen Poseidon, als Herrscher und Beschützer der Weltmeere. Aber vieles liegt wohl in den Nebeln um mich immer noch verborgen! Offiziell heißt es, dass mich ein gewisser Herr Namens Gottfried Galle und Herr Heinrich Louis d'Arrest am 23. 9.1846 entdeckt haben sollen. Damals stand ich rückläufig auf etwa knapp 26 Grad im Wassermann, war sozusagen auf den Weg zur Rückkehr in mein eigenes, von mir beherrschtes Tierkreiszeichen. Aber da habe ich meine Einwände, da mich bereits ein gewisser Galileo Galilei am 28. Dezember 1612 entdeckt, und auch wieder im Januar 1613 mich in seinen Aufzeichnungen erwähnt hat! Damals war ich rückläufig in der Jungfrau, und kurz vorher bildete ich eine Opposition zu Saturn in den Fischen. Passt auch sehr gut. Aber was machen schon 150 Jahre für mich schon einen Unterschied? Mag belanglos sein, aber so Mitte des 19. Jahrhunderts mache man in meinem Sinne viele Erfindungen, obwohl dies natürlich mehr für meinem Kollegen Uranus steht. Aber in dieser Zeit kam durch das Telefon auch die drahtlose Kommunikation zustande, ein gewisser Sigmund Freud und Carl Gustav Jung beschäftigten sich mit der Psyche der Menschen. Eigentlich war es eine Wiederbelebung, da schon die Griechen 2000 Jahre vorher so etwas wie Traumdeutung betrieben. Auch das Orakel von Delphi zeigt an, dass man damals vielleicht mehr zu den Ebenen der Götter Kenntnis hatte , als heutzutage die Psychologen das Unbewusste kennen. Ja, und die Röntgenstrahlen wurden auch in dieser Zeit entdeckt. Auch fingen die Menschen an sich wieder mehr mit der Astrologie zu beschäftigen und auch die Anthroposophen versuchten die menschlichen Urquellen wieder ins Leben zur rufen. Und am Ende des 19. Jahrhunderts tauchten in einem Male alte Kartendecks wieder auf und schufen das Tarot.

Ich brauche sehr lange für eine ganze Runde um den Tierkreis, beinahe 165 Jahre! So verweile ich beinahe 14 Jahre in einem einzigen Tierkreiszeichen, eine lange Zeit für den Menschen. Schaue ich auf das von mir behütete Mondenkind, sehe ich, dass er nur 30 Stunden für die Durchwanderung benötigt. Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass Zahlen und Zeit für mich keine bedeutende Rolle spielen. Vielmehr fühle ich mich der Ewigkeit verbunden, und die Zeit ist ohnehin relativ und existiert in der wirklichen Wirklichkeit gar nicht. Ich habe noch zwei andere Kollegen, welche auch zeitlich lange um den Tierkreis die Runde machen: Pluto und Uranus. Wir treffen uns nicht so oft, aber trotzdem regelmäßig und tauschen uns aus. Zusammen erleben wir ständig, wie sich der jeweilige Zeitgeist der Menschen auf der Erde ständig entwickelt und verändert. Aber ich selbst bin nicht besorgt um die Menschen, man soll mich schon ein wenig suchen und sich bemühen, damit ich gefunden werden kann! Mit Wut und Aggression kann ich leider gar nicht umgehen! In solchen Fällen ziehe ich mich zurück mit dem Wissen, dass sich solche Wolken auch wieder auflösen und wieder Friede der Fall ist.

Manchmal laufe ich noch langsamer als der gute Pluto, jedenfalls von Mutter Erde aus gesehen! Das liegt daran, weil mein Kollege eine mehr ovale Umlaufbahn um die Erde beschreibt, und ich daher manchmal der langsamere bin. Hier geht es unter uns nicht um die Frage, ob Pluto oder ich stärker sind, oder auch der gute Uranus! Vielmehr sind wir eine Einheit und dazu da, den Kontakt mit der göttlichen Welt herstellen zu können. Wir sind Transformationsplaneten. Aber in erster Linie will ich von mir berichten und auch von der Begegnung mit den anderen Planeten. Man nennt mich auch den Gott der Meere, was sicher nicht falsch ist, da ich ohnehin im Zeichen der Fische herrsche und im 12. Haus, da, wo sich Anfang und Ende treffen. So möchte ich eine ausgiebige Reise durch den Tierkreis beschreiben und beginne da, wo die bekannte kosmische Spalte steht, an dem Ort, wo die Seele in den Körper rein- oder rausschlüpfen kann. So saß ich vor der kosmischen Spalte, und hier beginnt Bekannter weise ein Lebewesen sich in einen Körper zu manifestieren! Aber langsam, alles der Reihenfolge nach. Ich begleite ebenso jede Mutter, bin dabei, sobald sie schwanger wird. Ich sorge für dieses beinahe mystische Heranwachsen, ob in einem Mutterleib, oder in einem Ei oder einem Samenkorn. Ich sorge sozusagen für das Leben, welches an sich ein Wunder darstellt. Meine Motivation war schon vor allen Anfängen in der Transzendenz begründet, und ich kann mich auf Ebenen wiederfinden, wo Zeit, Anfang und Ende keinerlei Rolle spielen. Ich habe in diesem Sinne kein Ego oder Ich, vielmehr gehöre ich zu den Ursachen aller Ursachen. So gesehen bin ich zusammen mit meinen Brüdern Pluto und Jupiter für die Schöpfung mit all deren Polaritäten zuständig. So schaffe ich alle Keime des Lebens, lange bevor sie sich manifestieren können.

Ich bin ein unzertrennlicher Teil göttlicher Liebe und Gnade. Ich sorge in den Paradiesen für Licht und Ekstase. Doch bin ich selbst schon inkarniert hervorgetreten, habe die Polaritäten erfahren, um durch diese gemachten Erfahrungen den Weg zur Erlösung beschreiben zu können. Ich weiß, dass es durch die Bedingtheit vom Stirb und Werde das Rad von Tod und Wiedergeburt in Schwung gesetzt worden ist. Und ich helfe gerne, sobald ein Wesen diesen Kreislauf durchbrechen lernt und dadurch wahrlich erlöst werden kann. Sicher, ich kann mich wie viele meiner Kollegen in alles verwandeln, aber das wäre zu wenig gesagt, um meine wirkliche Natur zu beschreiben. Nicht so einfach, da ich überall und nirgendwo zu finden bin. Jedes noch so kleines Atom ist mit mir von Anfang an unzertrennlich verbunden, und so kann ich jedes Schaf zu seinem Hirten zurückbringen! Jetzt sitze ich im Licht der Liebe, in meinem Reich und aus jeder Himmelsrichtung lasse ich rote Herzen sprießen, welche, sobald sie aufgegangen sind, ein Meer von Blumen der Liebe herabregnen lassen. Hier bin ich, es gibt nichts zu tun. Also werde ich mich inkarnieren und eine Reise durch den Tierkreis machen, beginnend beim vom Mars beherrschten Widder im ersten Haus!

Ich schloss die Pforte vom Tor des Himmelreichs, vom Nirwana ab und näherte mich der kosmischen Spalte. Kurz vor dem Aszendenten spürte ich, wie ich in einen dunklen Tunnel hineingezogen wurde. Ich hatte in meinen Träumen vergessen, als was und wann und wo ich zur Welt kommen möchte. Und so sorgte der Zufall dafür, dass ich zu einer Zeit das Licht der Welt erblickte, wo Vulkanausbrüche und Unruhen auf dem Planeten Erde der Fall waren. So erblickte ich bald als Knabe das irdische Licht dieser Welt, sich im Zeichen des Widders wieder findend. Da lag ich nun, in einem geflochtenen Korb aus biegsamen Holz, nackt und ungeschützt. So war ich auf meine Mutter angewiesen und ich kann mich genau erinnern, wie sie mich liebevoll aus dem Korb hob und mich an ihre Brust führte. Dabei streichelte sie mir über mein noch lichtes Haar, summte Lieder und schaukelte mich liebevoll hin und her. Um zu Kräften zu kommen, saugte ich wie ein kleines Raubtier an der Brust meiner irdischen Mutter. Sie badete und wusch mich, hüllte mich in kuschelige Decken ein und ging mir vor das Haus. Draußen graste eine Herde Widder und Männer mit funkelnden Helmen und Schwertern schienen sich laut zu unterhalten. Ich war ein Säugling, aber mein Unbewusstes war ununterbrochen mit meiner Urquelle verbunden. Anscheinend war ich im Zweistromland zur Welt gekommen, in Uruk, das zwischen den Flüssen des Euphrat und des Tigris liegt. Ich erkannte, dass ich in Sumer zur Welt gekommen war. So verbrachte ich meine frühe Kindheit in der Obhut meiner Eltern, begleitete sie auf ihre Felder, wo sie gerne Wassergräben zogen, damit alles bewässert werden konnte. Wasser, da war ich schon immer ein sehr großer Freund davon! Ich war nicht passiv wie mancher Fisch, vielmehr quirlig, risikofreudig und auch ein kleines Stehaufmännchen, so dass mir meine Eltern den sumerischen Namen Simutu gaben, was sumerisch „der Tiefrote, also Mars bedeutet.

Teil eins.

Die Reise durch den Widder.

Einige Zeit konnte ich mich in der Keilschrift üben, da mein Vater damit bewandert war. Als ich neun Jahre alt war, las mir mein Vater auf einer großen Steintafel die Legende um Gilgamesch vor, einen sehr mutigen und beseelten Mann. Mitten unter der Vorlesung kamen Krieger in meines Vaters Werkstatt und sagten, dass die Krieger von Babylon uns den Krieg erklärt haben. So brachten mich meine Eltern in Sicherheit. Eine lange Reise nach dem schon damals legendären Aratta stand bevor. Sie lag weit nördlich von Uruk in einem Gebirge mit sieben Höhenketten. In der Nacht bepackten meine Eltern einige Esel mit Proviant und Decken, denn die Nächte in den Bergen waren sehr kalt und unwirtlich. Kurz vor der Morgendämmerung machten wir Rast und blickten in das schon weit entfernte Uruk zurück. Feuerschwaden zogen gegen den Himmel, Rauchwolken verhüllten den Tag, und anscheinend hatte der Krieg ganze Arbeit geleistet. Noch lange hörten sie das Kampfgeschrei der kriegerischen Parteien, Todes- und Hilfeschreie. Ich fühlte mich sehr betroffen, und zugleich war es mir recht, dass meine Eltern mit mir bald aufbrachen, um den Schergen Babylons entgehen zu können. Zunächst verlief unser weiterer Weg sanft ansteigend. Brennnesseln säumten den Weg. Als es steiler wurde, wucherten rundum aus dem steinigen Boden Disteln und dornige Pflanzen. Mein Vater ging an erster Stelle und hielt ein scharfes Schwert in der Hand. Und so konnte er uns den Weg von hinderlichem Gestrüpp freimachen. Obwohl wir schon ein gutes Stück an Höhe gewonnen hatten, spürten wir die Mittagsglut der Sonne. Alles schien ausgetrocknet, dürr und wartete auf ersehnten Regen. Feuersalamander und so manche Schlange sonnten sich auf dem heißen Gestein.

Plötzlich hörten wir ein verdächtiges Rascheln aus den Büschen, ein Scharren und bedrohliche Laute. Es war kein Krieger, ein Widder drang durchs Gebüsch mit mächtigen Hörnern und verstellte uns den Weg. Mein Vater wollte sein Schwert auf den Widder richten. Aber ich sprang von meinem Esel und ging ganz unbeirrt auf das mächtige Tier zu. Ich sagte: „Hast du Angst, oder soll ich Angst haben lieber Widder?“ Der Widder schabte den Boden, bückte sich tiefer, als wollte er unmittelbar angreifen! So blieb ich stehen, ging nicht näher. Aber ich streckte meine Hand zu ihm und fragte: Hast du vielleicht kleine Kinder, wo du so besorgt um sie sein könntest und daher so angriffslustig bist?“ Der Widder verstand was der kleine Simutu ( löwenmutiger Neptun ) zu ihm sagte und entgegnete: „Ich kenne dich nicht Jüngling, doch hält dein Vater eine für mich lebensbedrohliche Waffe in der Hand! Ja, ich habe Kinder, acht an der Zahl und sie sind noch so klein und bedürfen meines Schutzes!“ Simutu: „Aber mein Vater ist friedlich! Er hat nur Angst vor deinen mächtigen Hörnern und deiner Stärke. Ich rede mit ihm, er wird dir sicher nichts antun wollen!“ Simutu wandte sich seinem Vater zu und sagte: „Kann ich mir aus einem der Säcke frisches Gras nehmen, um des den Widderkindern geben zu können?“ Sein Vater war ganz angetan von den diplomatischen Künsten seines Sohnes und gab ihm einen ganzen Sack voll frischem Gras. Simutu öffnete den Sack und warf ein großes Büschel von dem duftenden Gras vor dem Widder. Vorsichtig näherte sich das Tier der Nahrung. Aber er fing nicht zu fressen an, sondern machte kehrt, um im kurzen Moment mit Frau und Kindern wieder aus dem Gestrüpp zu kommen. Hungrig stürzten sich die Tiere auf das frische Gras und ließen keinen einzigen Halm zurück. Der Vater war ganz angetan von seinem Sohn und sagte zu ihm: „Mit Klugheit, Mitleid und Liebe hast du den aggressiven Widder milde gestimmt, ihn gezähmt! Simutu lachte und freute sich über das Lob des Vaters, vor allem weil alles ohne Gewalt vor sich gegangen war. Die Gemahlin des Widders, Frau Schaf, ging auf Simutus Vater zu und sagte etwas verlegen: „Ihr tragt ein Schwert mit scharfer Klinge! Daher bitte ich euch uns etwas Wolle von unseren Fellen zu nehmen, auch als Dank für die wohl schmeckenden Gräser!“ Kurz darauf stopfte der Vater mit seinem Sohn den leeren Sack voll mit kostbarer Wolle. Der Widder hob seine Nase gegen den Wind und witterte andere Menschen und sagte zu Simutu: „Besser ist es, wenn ihr weiterzieht. Ich habe in Weite Menschen vernommen und es ist besser, wenn sie uns alle zusammen nicht zu sehen bekommen!“ Die kleine Familie zog mit ihren Eseln weiter ins Gebirge, um bald den ersten Pass erreichen zu können. Doch der Widder folgte der kleinen Gruppe und ging zielsicher voraus. So führte er sie an einer Biegung seitlich. Kurz darauf vernahmen sie das Geräusch eines Wasserfalls. Der Widder ging darauf direkt zu und verschwand hinter der spritzenden Gischt des Gebirgsbaches. Sie folgten ihm und fanden sich in einer geräumigen Höhle wieder. Die Höhle war nach oben wie ein Krater etwas offen, und so konnte das Licht der Sonne für kargen Bewuchs sorgen. Sie sammelten etwas Holz und entzündeten ein Feuer, damit sie in der kalten Nacht nicht frieren mussten. Simutus Mutter fertigte aus der Wolle warme Decken an. Die Schafe blieben in der Höhle und suchten nach etwas Nahrung. Der Widder: „Hier findet uns niemand hinter diesen Wasserfällen! Ich komme immer hierher, sobald Gefahr in der Luft liegt. Außerdem könnt ihr morgen über einen anderen Höhlenausgang den beschwerlichen Weg über den Pass ersparen!“ Allmählich waren sie ob der Strapazen dieses Tages müde geworden und schliefen um das Feuer herum ein. Am nächsten Morgen wachten sie kurz nach der Dämmerung auf. Der Widder und seine Familie waren aufgebrochen. So packten sie ihre Sachen zusammen. Und als der kleine Neptun die Säcke ordnen wollte, funkelte aus einem Sack ein kleines, goldenes Vlies hervor. Der Rest des frischen Grases hatte sich in goldene, seidene Fäden verwandelt! Sie machten sich auf den Weg, verließen die schützende Höhle auf der ihnen beschriebenen Seite. Nach einiger Zeit mussten sie wieder durch einen Wasserfall durch. Dahinter führte der Pfad sanft in das Tal der Stiere.

Aus der Stille des 12. Hauses beobachteten währenddessen Pluto und Marduk ( sumerisch Jupiter ) aufmerksam das Geschehen in Uruk. Jupiter: „Der Widder wurde schon oft von Jägern verfolgt und die Gefahr war sehr groß, dass er unsere kleine Gruppe töten hätte können! Aber durch die Sanftmut unseres inkarnierten Simutu sieht man, wie sehr er seinen esoterischen Herrscher Gu.ud.Gud.ud (sumerisch: der Springende; Name für den Planeten Merkur. Der auch „Stier der Sonne“ genannte Merkur steht im Helden – Epos synonym für den die Welt umwandernden Gilgamesch. Ausserdem wurde dem Gott Gu.ud. die Erfindung der sumerischen Keilschrift zugeschrieben – Anmerkung von Bruno Huber) bereits integriert hat! Er hat liebevoll sein diplomatisches Geschick dem Widder gegenüber genutzt und sogar noch Wolle, sowie ein kostbares Flies erhalten!“ Pluto nickte zustimmend und fuhr fort: „Wahrlich, schon jetzt hat Simutu gezeigt, dass er ein echter Krieger der wahren und göttlichen Liebe ist, und er hat großen Mut bewiesen, Geschick gezeigt! Sind wir gespannt, wie es mit seiner Reise durch die Tierkreiszeichen weiter gehen wird! Sie befinden sich bereits auf den Weg zum Stier!“
Teil zwei.



Der Stier.

Die Esel freuten sich, da das Gras zunehmend saftiger und wohlschmeckender wurde. Das Tal lag südlich vom hohen Gebirgspass, und so konnten Wasser und Licht an dieser Stelle die Natur in ihrer blühenden Pracht gedeihen. So konnte der junge Simutu sehen, wie sich die Vegetation ausbreitete und bisher nie gesehene Pflanzen den Weg säumten. Frühlinghafter Duft bereicherte die klare Luft, die farblichen Facetten blühender Blumen war eine Pracht sie anzusehen. Sanft schlängelten sich die Pfade in das Tal wie in einem paradiesischen Ort hinein. Von der weite konnten sie Strukturen von Feldern erkennen und Scheunen, in denen man anscheinend Vorräte einlagern konnte. Doch mit einem Schlag durchdrang die Stille ein bedrohliches Geräusch! Eine Herde stampfender Stiere kam auf sie zu. Dabei brüllten die Tiere und hatten ihre Nacken gebeugt zum Angriff gerichtet. Simutus Vater zog sein Schwert und stellte sich mutig vor seine Familie und den Eseln. Doch Simutu hatte des Weges einen wunderschönen Blumenkranz gebunden, lief unter den Füßen seines Vaters hindurch und auf das Leittier der Herde zu! Kurz bevor er auf ihn traf, machte er einen mächtigen Salto und landete unbeschadet auf dem Rücken des schnaubenden Stiers! Dabei drehte er sich den Ohren des Stiers zu, stülpte ihm den Blumenkranz um den dicken Nacken und flüsterte ihm ins Ohr: „Oh, lieber Taurus, mächtiger Stier, wir kommen in friedlicher Absicht und wollen euch nichts antun!“ Der Stier hielt inne und sagte: „Ich vertraue dir kleines Menschenkind. Aber verstehe uns, da wir von den Menschen nicht selten gejagt werden und wir so immer auf der Hut sein müssen! Aber im Grunde genommen renne ich so unkontrolliert durch die Gegend, weil mir mein linkes Vorderbein so schmerzt! Simutu sagte zu dem Stier, nachdem sich dieser sichtlich beruhigt hatte: „Vielleicht kann ich dir helfen? Sei so gut und lege dich zu Boden, dann kann meine Mutter schauen, ob dir etwas fehlt!“ Der Stier legte sich hernieder und sogleich sahen alle, dass sich der Stier einen langen Dorn in sein empfindsames Huf eingetreten hatte! So nahm der Vater sein Schwert und handelte mit der Spitze den dicken Dorn aus dem Huf. Sogleich ließ bei dem gepeinigten Tier der Schmerz nach und ein entspanntes Schnauben war laut hörbar.

So luden die Stiere die kleine Gruppe um Simutu ein ihnen zu folgen. Simutu stieg wieder auf das Leittier auf und war dabei ganz vergnügt und heiter. Nach einigen Stunden kamen sie an einem von Palisaden umsäumten Ort. Der Taurus und seine Herde waren glücklich und freuten sich, endlich bei gutem Stroh im gesicherten Schlafstall die Sicherheit zu finden und den Schutz, den sie in diesen Zeiten wirklich benötigten! Überall konnten Wilderer und Jäger auftauchen, nur davon beseelt Beute zu machen. Aber hier gab es sichere und feste Strukturen. Seine Frauen gaben Milch und weideten das Gras der Weiden ab. Er selbst sah sich eher als sinnlich beschaulicher Taurus und hielt sich am liebsten unter dem Schatten der Bäume an den mit Blumen übersäten Wiesen auf. Simutu war erstaunt, geordnet watschelte eine Gruppe von Gänsen über das Feld, zusteuernd auf ein mit Leitern versehendes Holzhaus, und gegenüber gackerten Hühner, dazu krähte ein sehr stolzer Hahn. Auch sah er Schweine, welche anscheinend zahm waren und lebensfroh grunzten. Eine sanft ansteigende Holztreppe führte zu einem Haus, mit Blumen an den Fenstern umrankt. Vor dem Haus saß eine Frau auf einen komfortablen Sessel und streichelte auf ihrem Schoß zwei junge Katzenkinder. Auf ihrer Schulter saß eine alte Eule und ihr Gewand war mit einer goldenen Spange versehen. „Sei gegrüßt junger Mann!“ sagte die Frau, als Simutu auf sie zusteuerte. „Wer seid ihr und was führt dich und deine kleine Gruppe zu mir?“ Simutu sagte: „Wir sind wohl durch das Leittier eurer Rinderherde hierhergekommen. Wir sind sozusagen auf Durchreise und wollten euch nicht stören liebe Frau! Man nennt mich Simutu liebe Frau, und darf ich fragen wie ihr Name ist?“ Die Frau: „Gerne junger Mann, mein Name ist Inanna (Nin.dar.an.na, babylonisch: „Bunte Herrin des Himmels“. Der ursprüngliche und vollständige Name der Inanna ( Venus als Abendstern – so Bruno Huber ). Simutu: „Erlaubt mir zu bemerken, dass ihr wie ein wunderschöner Stern ausseht!“ Nun trat der Taurus aus seinem Stall heraus und berichtete von der guten Tat, wie ihn Simutu von seinen Qualen erlöst hatte. Inanna war sehr erfreut und rief zum Haus hin nach jemanden. Nach kurzer Zeit trat ein älterer Mann vor die Türe, und man sah, dass er mit einem Bein nachhinkte. Inanna: „Da bist du ja Vulkano, auch Hephaistos genannt. Der junge Mann hier hat mich mit seiner Hilfsbereitschaft und seiner Grazie tief beeindruckt, und daher sei so gut und fertige meinem Freund ein Geschenk für ihn an!“ Vulkano nickte mit dem Hinweis, dass es dauern könnte. Inanna: „Mein lieber Simutu, sagt mir doch den Grund eurer Reise.“ Und so berichtete er über die Flucht seiner Familie und den Umständen des herrschenden Krieges in seiner Heimat. Inanna ging zu einem tiefen Brunnen. Und da die Dämmerung eintrat, spiegelten sich auf dem Wasser des Brunnens die Sterne; so, als wenn man den Himmel noch besser betrachten könnte. Sie schwieg und sagte zu Simutu nach einiger Zeit: „Ich habe meine Freundin Ishtar befragt, was es mit Uruk auf sich hat. Und sie sagte, es sei gefahrlos, aber auch notwendig, sobald Simutus Eltern zurückkehren. Die Felder müssen bestellt und manches Haus wurde zerstört und benötigt den Wiederaufbau. „Aber du mein junger Freund sollst weiterziehen und das legendäre Aratta wieder finden! Du musst wissen, dass diese Stadt bereits 7000 Jahre vor Sumer, Assyrien und Babylon existiert, und dein Volk wahrlich deren Wissen und Kultur weitergeführt haben! Finde die Stadt, denn dort kannst du viele Geheimnisse finden und offenbaren. Soviel kann ich dir noch sagen: Die Stadt hat einen Durchmesser von über 20000 Fuß, und in der Mitte findest du den Palast des Königs, der in seinen Seitenlängen über 245 Fuß misst!“ Simutu war ob der Worte total gefangen und antwortete: „Mein Vater hat mir sehr viel über Gilgamesch berichtet, und Aratta hat er auch des Öfteren erwähnt. Er sagte, dass man sieben hohe Gebirgsformationen überschreiten muss, um dort hinzugelangen. Viele hatten es bereits versucht, hatten sich aber bereits wie in einem Labyrinth von spiegelnder Sonne verirrt. Und so sind die meisten wieder umgekehrt, oder nicht mehr zurückgekommen!“ Inanna: „Da der Weg sehr gefährlich und lang ist, schlage ich vor, dass dich Taurus, mein liebster Stier, dich bin an die Grenzen meines Reiches begleiten soll! Aber jetzt labe dich an meiner Tafel und genieße all das, was Mutter Natur uns zu bieten hat!“

Der Taurus kam auch hinzu und bekam eine extra große Portion bestes Heu von der Inanna dargereicht. Dabei fiel Simutu auf, dass der Stier auf seiner Stirn einen Stern aus purem Gold trug. Simutu fragte neugierig: „Lieber Taurus, wo hast du diesen an deiner Stirn funkelnden, sechseckigen Stern her?“ Taurus antwortete: „Letzte Nacht bekam ich heftigen Durst. Aber der Wassertrog war leer. So verließ ich den Stall und ging zum großen Brunnen, der ja stets gut gefüllt ist. So beugte ich mich in das Wasser, damit ich den Durst stillen konnte. Dabei muss wohl ein Sternlein an meiner Stirn, genau zwischen meinen Hörnern steckengeblieben sein!“ Inanna:“ Liebster und geschätzter Taurus, ihr seid den Dingen auf den Grund gegangen, habt nicht unseren jungen Gesellen angegriffen, sondern ihm zugehört! Der Stern ist eine Belohnung der Götter für dich, macht dich heilig und weise! Begleite unseren Simutu über die gefährlichen Gebirge, so dass er sicher nach Aratta gelangt“ Der Stier sagte, dass er wie ein Fels in der Brandung Simutu schützen und begleiten werde, damit er sicher und ohne Gefahren seinen Weg fortsetzen könne. So gingen alle kurz nach dem Einbruch der Nacht in ihre Lager, um ausgeruht für den kommenden Tag zu sein.

Schon am frühen Morgen leitete ein krähender Hahn den Tag ein. Simutu wollte sich verabschieden, aber Inanna rief nach Vulkano und bat um etwas Geduld. Nach einiger Zeit kam Vulkano aus dem Keller des Hauses heraus. Im Keller hatte er eine kleine Schmiede, stellte beste Klingen für die Schwerter her, perfekte Pfeile, welche der Flugbahn genau folgten, sowie Schmuck und allerlei Kunstwerke! Ganz feierlich überreichte er Inanna eine große Schatulle. Inanna öffnete sie und entnahm daraus einen glasklaren geschliffenen Stein, sowie einen Beutel voller Samen. Inanna fuhr fort: „Liebster Simutu, verteilt immer wieder auf euren Weg diese Samen, damit die Natur sich besser ausdehnen und entfalten kann! Dieser kleine Stein aus Glas, haltet ihn vor ein Auge, und ihr kennt Dinge erkennen, die man normal nicht sehen kann! Zudem könnt ihr den Stein in der Nacht reiben, dann kommen kleine Feen und leuchten euch den Weg aus!“ Simutu war sehr erfreut über dieses magische Glas, hielt es an sein linkes Auge und sah weit entfernt seine Eltern auf die Höhle des Widders zugehen, der anscheinend auf ihre Rückkehr gewartet hatte. „Liebste Inanna“ fuhr Simutu fort, „Du hast mir ein wunderschönes Geschenk überreicht, und daher möchte ich dir auch etwas schenken.“ Er holte aus dem Sack das kleine goldene Vlies hervor und überreichte es Inanna. Sie zierte sich und wollte es zunächst nicht annehmen, da dieses Gold selten und kostbar war und sie ihm lediglich einen Glasstein schenkte, wenn auch magischer Natur. Dankend nahm sie das goldene Vlies an und übergab es just dem Vulkano, damit er es sicher aufbewahren konnte.

Simutu nahm auf den breiten Rücken seines Stiergefährten Platz und zog mit seiner kargen Habe weiter in Richtung Aratta. Der Taurus grub sich förmlich mit seinen Hufen in die steilen Hänge der felsigen Berge ein, und sein schnaubender Atem war durchaus gut hörbar. Er kannte die Gegend, da er über die Jahre immer wieder seine ausgedehnten Runden drehte und schaute, ob eine Bedrohung für das ausgedehnte Revier der Inanna vorhanden war. Er war der, der für Stabilität, Bewahrung und Sicherheit sorgte, so dass alles zur Blüte und Reife gelangen konnte.

Im zwölften Haus war inzwischen auch der Uranus eingetroffen, und er sagte zu Pluto und Marduk: „Ich habe den Stern in den Brunnen geworfen, damit der Stier seine ihm gebührende Belohnung bekommen hat! Er hat die gesamte Situation samt seinem Schmerz im Huf überschaut und sehr klug und weise, auch bedächtig gehandelt!“ Marduk: „Ja, und mir gefiel es sehr gut, weil Simutu selbstlos das wertvolle goldene Vlies an Inanna als Geschenk übergeben hat. Zudem scheint er um die wahren Reichtümer zu wissen! So ist er reich im Geiste und bedarf keiner irdischen Güter!“ Pluto nickte zustimmend und sagte: „Simutu zelebriert wahrlich eine Nächstenliebe göttlicher Eigenschaft und überwindet damit wohl alle Schwierigkeiten völlig kampflos! Beobachten wir weiter das Geschehen. Vielleicht macht er tatsächlich Entdeckungen in dieser uns längst bekannten Stadt?“

Teil drei

Die Zwillinge.

Inzwischen kam der Taurus und Simutu ein gutes Stück voran. Der Taurus schien behäbig und schwerfällig in seinen Bewegungen, aber er trabte ununterbrochen über das Gestein und kam so doch rasch voran. Innerhalb eines Tages konnte er einen Pass überqueren. Sobald es dunkel wurde zog Simutu seinen kleinen Glasstein aus seiner Tasche, rieb ihn zwischen seinen Händen, und so leuchteten viele kleine Feen dem Gespann den Weg. Zur Rast suchte der Taurus einem ihm bekannten alten Bergstollen von Vulkano auf, da er sicher und geschützt war. Dort entfachten sie ein kleines Feuer, um gewärmt die Nacht verbringen zu können. Der Stollen hatte unzählige Abzweigungen. Doch der Taurus kannte sich aus, markierte trotzdem mit seinen Hufen und Gescharre den Weg. Und so konnte er immer die Richtung finden, wo er hergekommen war. Simutu hatte sich bereits an den Taurus gewöhnt, der ein außergewöhnlich, strahlend weißes Fell am Körper trug. Anmutig spiegelte das Mondlicht den Taurus in der dunklen Nacht. Der Taurus sagte zu Simutu: „Die vielen Stollen hier hat Vulkano in langen Jahren gegraben. Er ist immer auf der Suche nach seltenem Gestein und hat schon viel Zeit hier verbracht. Manche behaupten, dass er hier vor einigen Jahren den Stein der Weisen gefunden haben soll. Ein Stein, der alles Wissen in sich birgt. Aber das dürfte eine Legende sein, da Vulkano diesen Stein noch nicht entdeckt hat. Oder er besitzt ihn vielleicht doch und hütet sein Geheimnis, damit er nicht in falsche Hände gelangen kann!“ Simutu hörte gespannt den Worten des Stiers zu und schlief bald müde, aber selig ein.

Nach einigen Tagen der anstrengenden Reise erreichten sie den letzten Gebirgspass. Oben angekommen war die Zeit gekommen, um sich von dem weißen Stier zu verabschieden. Der kleine Sack mit Samen war fast leer und Simutu hob sich noch einige davon auf. Zügig schritt er talwärts voran und betrat eine weite Ebene, welche schützend durch die Gebirge abgegrenzt wurde. Aus der Ferne konnte Simutu keine mächtigen Stadtmauern erkennen. Vielmehr schien die Natur die alte Stadt überwuchert zu haben. Aber er ging unbeirrt immer weiter in das fruchtbare Tal hinein. Nach einiger Zeit sah er eine alte, überwucherte Grabstätte aus dem Sand hervorragen, überwachsen mit Wildwuchs und Laune der Natur. Vorsichtig und behutsam wischte er den Sand von dem Stein und sah, dass es tatsächlich ein Grab war. Nach kurzer Zeit sah er weitere Stellen, an welchen offenbar Gräber waren. Simutu dachte nach, und dabei fiel ihm ein, dass in seiner Heimat Uruk die Toten immer am Stadtrand beerdigt wurden und ihre letzte Ruhe fanden. Simutu holte sein Glas aus der Tasche und erkannte in der Ferne eine Anhebung, welche gut 5000 Fuß weit entfernt von ihm lag. So ging er langsam auf den Hügel zu.

Der Hügel erhob sich sanft, aber stetig steigend, und als er kurz davor stand, sah er aus dem Sand mächtige Steintreppen hervorragen. Käfer krabbelten durch die Ritzen, und Eidechsen hatten hier wohl ihr Zuhause gefunden. Simutu hatte Zeit und Muse. Und so schaute er sich von allen möglichen Seiten diese Steine an. Plötzlich sah er einen, der anscheinend mit Schriftzeichen versehen war. Ihm wurde klar, dass schon 7000 Jahre vor Uruk mit Symbolen versehene Steine existierten. „ Diese Stadt muss tatsächlich existiert haben!“ sagte er sich und sah sich dabei um. Er konnte von hier in jede Richtung alles erblicken. Nur eine weitere, nicht so große Anhöhe lag höher und trennte diese Bereiche sichtbar ab. Simutu ging weiter aufwärts und sah nun mächtiges Mauerwerk unter den wuchernden Pflanzen verborgen. Sie umspannten eine Fläche mit jeweils 250 Fuß, im Viereck angerichtet. „Das muss der große Tempel von Aratta gewesen sein!“ war sich Simutu sicher. So ging er bis zum höchsten Punkt. Auch hier grub er den Boden um und erkannte den Palast der damaligen Könige. Die bearbeiteten Steine zeugten von Kunst und hohem geistigen Vermögen, von Anmut und Pracht! Der Palast war nicht so groß, aber er wurde auf dem höchsten Punkt des weiten Tales gebaut, man total in allen Richtungen erkennen und somit auch kontrollieren konnte. Simutu traf als auf einer der ältesten Kulturen der Menschheit, lange vor Sumer und Babylon.

„Wieso ist das alles hier wieder untergegangen?“ dachte er nach. Und er kam zu dem Schluss, dass es ein Vulkanausbruch, oder ein heftiger Klimawandel für den Untergang von Aratta gesorgt haben musste. Denn, die Stadt war so groß und mächtig, lag verborgen und geschützt inmitten der Berge. Als er wieder in die Bereiche ging, wo die Stadt selbst gelegen haben muss, fand er einige ausgetrocknete Kanäle. Simutu schaute sie näher an und sah, dass hier wohl ein Netz an Kanälen vorhanden gewesen sein muss; genauso wie in seiner Heimat Uruk. Auch fand er die Töpfe damaliger Händler. Darauf waren Bilder von Fischen und Meerestieren. Demnach musste damals ein Wasserweg bis hin zum Meer existiert haben, auf einer Länge von gut 500000 Fuß!

Pluto, Uranus und Marduk schauten die ganze Zeit fortwährend zu, beobachteten den Jüngling ständig. Pluto: „An dem Beispiel vom Untergang von Aratta kann man gut nachvollziehen, dass sogar die mächtigsten Paläste und Kulturen dem Stirb und Werde unterworfen sind! Ich glaube, dass auch Erdbeben und Klimaschwankungen dafür gesorgt haben, dass Aratta untergehen musste. Aber die damaligen Menschen wanderten weiter, bis sie eine lebensfreundlichere Gegend antreffen konnten!“ Simutu trug ähnliche Gedanken in sich und folgerte, dass die Menschen hier sicher weiterziehen konnten. Zumindest solche, welche Vulkanausbrüchen oder Erdbeben entkommen konnten. Vielleicht änderte sich damals nach langer Zeit stets das Klima, so dass die Ernteerträge nicht mehr gesichert waren, und sich so langsam die Stadt auflöste. Aratta war eine Hochkultur, ein Reich mit großer Ausdehnung für die damalige Zeit. Im Banne erfahrener Eindrücke machte sich Simutu auf den Weg. Zurückgehen wollte er nicht, da er die Gegenden bereits kannte. Und so ging er weiter und entfernte sich Tag für Tag immer weiter von dieser so mystischen Stadt. So wanderte Simutu des Nachts den Sternen folgend. Das Klima wurde sehr warm, beinahe drückend. Die sandigen Dünen häuften sich und so befand er sich in einer kargen Wüste. Tagsüber brannte die Sonne gnadenlos auf den Sand, doch Simutu ging unbeirrt seinen Weg. Am Horizont schien die Luft alles zu verzerren und er war sich nicht sicher, ob dort tatsächlich sich eine Karawane mit Kamelen bewegte. Der Schein täuschte nicht. Tatsächlich waren es Beduinen auf dem Weg zu einem Basar. Die Karawane kam näher und Simutu ging beherzt auf die Kaufleute zu: „Mein Name ist Simutu, und ich bin froh nach so langer Zeit Menschen anzutreffen! Darf ich euch ein Stück begleiten?“ Der Anführer der langen Karawane entgegnete: „Gerne, nur zu, wir haben noch ein Kamel frei, und da kannst du gerne mit uns kommen! Mein Name ist Biibbu (Merkur – Bi.ibbu, sumerisch: Schaf, frühester bekannter Name für den Planeten Merkur (um 2400 v. Chr. – Bruno Huber). Wir sind kurz vor einer Oase. Sie liegt nicht mehr als eine Stunde entfernt von hier! Dort gibt es frisches Wasser, sowie Feigen und Datteln für den Hunger!“

Nach einiger Zeit wurden die Kronen unzähliger Palmen am Horizont sichtbar. Die Menschen brachten ihre Tiere als erstes zur Wasserstelle, und der Durst der Kamele schien kein Ende zu nehmen. Simutu füllte seine Wasserflasche auf, stillte den Durst und badete freudig im Wasser. Inzwischen bereitete Biibbu auf einer großen Pfanne eine wohlschmeckende Mahlzeit zu. Zelte wurden aufgebaut für die Rast, und nach einer kurzen Zeit saßen alle um das Lagerfeuer herum. Biibbu: „Du sollst wissen lieber Simutu, dass wir Kaufleute sind und immer wieder die Seidenstraße nach Osten hin bereisen. Davon leben wir, von den vielen Gütern. Wir bringen hier Salz und Silber hin und holen dort Seide und kostbare Myrre, Tierfelle und vieles andere. Durch unsere ausgedehnten Wege trafen wir auf viele Kulturen und Menschen, auch Sumer ist uns bekannt. In Babylon errichten sie im Moment eine hängende Gartenanlage und das Haupttor besticht durch sein tiefes Blau bereits aus der Ferne! Durch die Kriege haben wir die letzte Zeit diese Gegend gemieden. Wir ziehen langsam in Richtung des großen Nil, um dort unsere Güter austauschen und auch verkaufen zu können.“

Simutu war über die Gesprächsbereitschaft der Kaufleute sehr erfreut und hörte ihren Worten andächtig zu. Als es Nacht wurde, sah Simutu einen Stern am Himmel, und er glaubte den Stern des Stiers zu sehen! Der Nachthimmel war mit Sternen übersät und immer wieder zogen kleine Sternschnuppen über das Firmament hinweg. Das Wasser der Oase kühlte die Luft angenehm ab, so dass zum Morgengrauen hin ein leichter Dunst die Raststätte umgab. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Brotfladen und Kräutertee packte die bunte Truppe alles sorgfältig ein und setzte ihre Reise fort. Die Kamele schaukelten dahin, wobei sie nicht unbequem waren und rasch vorankamen.

Uranus sah mit seinen Freunden aus dem 12. Haus zu und sagte zu Marduk und Pluto: „Bald kommen sie am Delta des Nil an, und die Ägypter glauben, dass ich mit meinem Krug die Quelle des Nil speise! Es sieht auch von Alexandria aus so aus, als wenn ich dieses Quellwasser vom Himmel auf die Erde weiterreiche. Daher nennt man mich auch den Wassermann!“ Nach Tagen erreichten sie eine Pyramide stattlicher Größe. Simutu hatte solches noch nie zuvor gesehen und war tief von dieser Baukunst beeindruckt. „Ja, die Ägypter sind ein beinahe mystisches Volk! Der Nil sorgt jedes Jahr mit seinen Überschwemmungen für fruchtbare Felder und hohe Erträge an Getreide! Den Mars kennen sie als Osiris und seine Frau, die Venus nennt sich hier Isis. Sie haben hervorragende Architekten und verstehen sich perfekt im Anrühren mancher Farben. Sie halten sich Katzen, weil sie sehr weise Tiere sind, versorgen und verwöhnen sie. Dafür halten sie die Felder von Nagern und anderem Getier frei, damit alles wachsen und gedeihen kann! Die Ägypter sprechen in Symbolen und Bildern, kennen nicht die Schriftkenntnisse aus Sumer. Aber es sieht sehr gut aus, sobald sie Säulen ihrer Tempel farbig bemalen. Auch halten sie es mit den Toten anders, balsamieren sie ein und legen ihren Gräbern Schmuckgaben und Nahrung bei, damit sie auf der Reise nach dem Tode bequemer ihre Seele erreichen können, welche natürlich unsterblich ist!“ sagte einer der Kaufleute.

Als sie endlich das legendäre Alexandria erreichten, bot sich ein unglaublicher Anblick dem Besucher. Überall wimmelte es von Menschen und große Märkte boten alles, was das Herz nur begehrte. Wie in seiner Heimat feilschten und boten die Händler ihre Waren preis. Dazwischen lag der Duft von Weihrauch und geräuchertem Fisch, von frischem Gemüse und Gewürzen in der Luft. Ein Gewirr an Sprachen war zu hören, so, als wenn aus allen Ländern der Erde Menschen die Stadt aufsuchten. Simutu ging auf einen Kräuterstand zu und überreichte einige Samen aus seiner Heimat dem Händler. „Daraus wird sicher etwas wachsen, das ich immer gut brauchen kann!“ sagte der Händler und bedankte sich mit einer würdevollen Verbeugung. Der Kaufmann fuhr fort: „Aber ich möchte an dieser Stelle auch dir ein kleines Geschenk geben, da deine Saat sehr wertvoll sein dürfte. Und daher überreiche ich dir ein kleines Kästchen, deren Inhalt alle möglichen Farben ist. Dazu eine bildhafte Anleitung für dich, um die Farben richtig mischen zu können!“ Der Händler nahm ein Rohr vom Tisch und bat Simutu darum, an dem kleineren Ende durchzuschauen. Neugierig nahm der das Rohr. Und als er durchsah, sah er ein buntes Spektrum in allen möglichen Mustern und Farben. „Dies ist ein Kaleidoskop lieber Freund, und mit den Farben und der Anleitung kannst du dir selber eines basteln!“ Außerdem schenkte er Simutu eine kleine Rolle aus Papyrus, auf welcher genau der Verlauf des Nilstromes eingezeichnet war, mit Ansiedlungen und Tempelstätten. Simutu bedankte sich für die Geschenke und kehrte vor die Stadt zurück, wo die Beduinen ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Dort verabschiedete er sich und zog bald darauf stromaufwärts dem Nil entgegen.

Teil vier.

Krebs.
Am Hafen der Stadt traf er auf einen jungen Mann, der anscheinend vorhatte, mit seiner Barke stromaufwärts zu fahren. Sein Name war AL.LUL (sumerisch der Flusskrebs).Allul sah Simutu auf sich zukommen und fragte ihn:“ Fremder Mann, wenn du bei mir mitkommen möchtest, bräuchte ich deine Hilfe. Ich führe viele Warengüter mit mir und muss meine Barke noch beladen!“ Simutu war froh, da er in diese Richtung seine Reise fortsetzen wollte. „Ich stehe dir gerne zu Diensten“ sagte er und fing bereits an Kisten aus Holz und gefüllte Körbe auf das kleine Schiff zu tragen. „Ich heißte Simutu und du?“
„Und mich nennt man Allul, weil ich bei den Strömen des Nil aufgewachsen bin!“ sagte der junge Mann. So beluden sie die Barke und legten am frühen Nachmittag ab, der Stadt Luxor entgegen. Allul: „Ich bin froh das Treiben dieser Stadt verlassen zu können! Hier kommt mir manches zu kühl und auch verstandesmäßig vor. Die Menschen denken nur ans Geschäft, und viele versuchen einen übers Ohr zu hauen! Sie bauen Monumente, schmücken sie mit den Göttern. Aber viele Menschen haben in ihrer Oberflächlichkeit den Zugang zu ihrem ureigenen Wesen verloren. Dagegen in meiner Heimat, wo ich aufgewachsen bin, sind die Menschen noch mit ihrem Urgrund absolut verbunden! Sie halten in ihren kleinen Dorfgemeinschaften zusammen und sind vom Glauben an die Götter beseelt. Wir stehen früh am Morgen auf und gehen bald nach Untergang der Sonne zu Bett. Zudem sind wir immer noch mit unserer Seele verbunden. Wir leben mit der Natur, weil wir erkannt haben, dass wir von Anfang an Teil davon waren. Die Menschen in der Stadt dagegen haben leider den Bezug dazu verloren! Gut, es mag noch einige Priester geben, die ihren Zugang über die Ketten voriger Priester haben. Aber es werden immer weniger und auch unser Pharao scheint von Eitelkeit und Größenwahn durchdrungen zu sein! Erst kürzlich hat er eine Pyramide bauen lassen, die alle anderen um vieles übertrumpft; so groß ist sie, und ihre Spitze dürfte 300 Fuß in den Himmel ragen. Ich war zeitweise als Ausstatter dabei und lieferte kostbares Elfenbein, welches ich auf einen Elefantenfriedhof im fernen Ostafrika gefunden hatte!“

Simutu: „Was trägst du da für eine schöne Kette um den Hals?“ Allul antwortete: „Das ist ein kleiner Skarabäus, den mir mein geschickter Vater aus Jade angefertigt hat!“ Die türkisenen Farben spiegelten sich unter dem Licht der Sonne und hatten regelrechte Strahlkraft. Simutu fragte nach: „Spielt bei euch dieses Tier eine besondere Rolle lieber Allul?“ Er antwortete: „Ja der kleine Krabbelkäfer taucht immer kurz vor der Nilschwemme auf und zeigt uns an, dass das fruchtbringende Hochwasser aus den Gebirgen von Äthiopien in Anmarsch ist! Ich muss dabei immer darauf achten, dass ich rechtzeitig in einen gesicherten Hafen zusteuern kann. Denn die Wasser treten weit über die Ufer und benetzen unsere Felder sehr reichlich. Man kann zusehen wie sich die Pflanzen unter den fruchtbaren Wassern wohl fühlen und rasch wachsen!“ Als die Nacht anbrach sah Simutu, wie sich über den Himmeln im fernen Osten scheinbar die Wasser aus dem Sternbild Aquarius die Quellen des Nils füllen konnten. Der Skarabäus fühlte bereits Wochen vorher die nahenden Wassermassen und zog es vor, mehr ins Landinnere zu ziehen und die Ufernähe zu verlassen. Die Flut stand noch bevor und so konnte Allul gemütlich stromaufwärts schippern.

Der Weg nach Luxor lag noch weit vor den zweien und so legte Allul in einen der vielen Dörfer an, welche den großen Fluss säumten. Jeder Halt war etwas Besonderes und die Fischer und Bauern waren sehr freundlich, beinahe ein wenig vereinnahmend und manchmal sogar aufdringlich. Aber hinter allem steckte eine gute und wohlgemeinte Absicht. Allul war mit all den Menschen bekannt und innerlich verbunden. Schließlich waren sie Mitbewohner dieser großen Heimat, so dass man meinen konnte, dass alle irgendwie untereinander Verwandte wären. Das Essen wurde wie bei einer kleinen Zeremonie aufgetragen und nachgefragt, ob es auch gut schmeckt. Die Familien waren sehr kinderreich, und sobald die Eltern auf dem Feld oder beim Fischen waren, passten deren Eltern auf die Kinder auf und spielten mit ihnen. Oder sie brachten ihnen spielerisch so manche Fertigkeit bei. Die Hütten und Häuser waren aus Lehm und Holz gefertigt, aber in ihrem Inneren waren sie angenehm kühl und boten Schutz vor der Hitze des Sommers. Immer wieder kamen uns größere Barken entgegen, beladen mit kostbaren Frachten für die Städte. Aber Simutu sah auch wunderschöne Segelschiffe, auf denen Musik gemacht wurde und Töchter aus dem Adel sich zu Wasser die Zeit vertrieben. An den Flachufern lauerten viele Krokodile auf Beute und schienen versteinert zu sein. Allul: „Hier auf den Wassern des Nils komme ich immer wieder zur Ruhe und fühle mich als Teil der Mutter Natur! Hier fühle ich mich wohl, so wie die Vögel sich in ihren Nestern sicher und wohl fühlen!“ Simutu antwortete: „Dies kann ich absolut verstehen lieber Allul! Ich fühle mich hier auch so wie in meiner Heimat. Aber ich habe festgestellt, dass meine Heimat überall sein kann, sobald ich mich wohl fühle! Ich habe wegen eines Krieges meine Heimat verlassen müssen. Aber dafür erlebe ich Dinge und Neuigkeiten, die ich nur durch die langen Reisen erleben konnte! Diese ganze Welt sollte unsere Heimat sein, und ich bin gespannt, wohin mich mein Weg noch führen wird!“ Allul reichte Simutu eine köstliche Feige aus einem kühlen Holzfass und antwortete: Du wirst auf deinen Reisen sicher noch vieles kennenlernen und erleben. Aber ich bin froh wann ich wieder mein geliebtes Zuhause in der Nähe Luxors erblicken darf! Ich freue mich auf meine Frau und meine sieben Kinder, die wahrscheinlich schon jetzt sehnsüchtig auf meine Ankunft warten; in der Hoffnung, kleine Geschenke mitzubringen!“ Dabei zog er eine Perlenkette aus seiner Jacke hervor und zeigte das Geschenk, was für seine Frau bestimmt war voller Stolz her. Und für seine Kinder hatte der so fürsorgliche Vater kleine Holztiere mitgebracht, mit Können und Hingabe zurechtgeschnitzt. Allul lud seinen neuen Freund zu sich nach Hause ein, wobei Simutu gerne zustimmte. Ihm war sein neuer Freund sehr ans Herz gewachsen in der kurzen Zeit. Durch den esoterischen Herrscher Neptun fühlte er sich mit ihm wie zu einem Bruder verbunden. Schließlich war Allul durch und durch ein unter der Krebssonne Geborener. Er strahlte im Gegensatz zu den Stadtbewohnern eine starke Herzlichkeit und Verbundenheit aus, so, als wenn man sich schon eine Ewigkeit gekannt hätte!

Der Wind blies günstig in die Segel der kleinen Barke, und nach beinahe 30 Tagen erreichten sie den Hafen von Luxor. Die Leute warteten bereits und hofften, dass Allul ihre Bestellungen erfüllen konnte. Lebensmittel und Nahrung waren vorhanden und so entluden Simutu und Allul wichtige Gebrauchsgüter, welche man in dieser Gegend nicht so ohne weiteres auftreiben konnte. Hinterher wurde seine Barke mit Korn und allerlei anderen Nahrungsmitteln beladen, um die Bedürfnisse der Stadt decken zu können. Anschließend gingen sie zum Haus von Allul. Dort angekommen wurden sie begrüßt, und die Kinder erdrückten beinahe ihren geliebten Vater voller Freude. Seine Frau freute sich ungemein über die schöne Perlenkette und überreichte Allul eine neue genähte Jacke aus reiner Schafswolle. Am Herd waren die Speisen bereits fertig, der Tisch liebevoll gedeckt. Und man holte noch vom Nachbarn einen Stuhl, damit Simutu ebenso an der kleinen Tafel der Familie teilnehmen konnte. Hinterher zeigte Allul voll Stolz den Garten des Hauses her und fuhr mit den Händen über einen Teil des Horizont: „Das sind die Felder, welche meine Frau und meine Kinder bestellen. Ich bin ja meist mit der Barke unterwegs nach Alexandria und nicht selten zwei oder drei Monate nicht hier. Aber meine Familie geht mit Liebe und Hingabe in die Felder und Gärten, so dass es uns noch nie an Nahrung gemangelt hat. Wir leben nur mit den nötigsten Dingen, aber dafür haben wir vor dem Haus diesen fruchtbaren Teppich der Natur als Heimat. Hier haben und finden wir alles was wir benötigen, und daher wollen alle hier nie mehr wegziehen!“

Simutu sagte, dass er noch gerne einige Tage bleiben, aber dann weiterziehen wolle. Allul gab Simutu den Rat, er möge sich flussaufwärts an den Krebsen halten und folgen. Dann ginge allmählich nach einem Gebirge ein Weg in eine Savanne, und dort könne er vielleicht den König der Löwen treffen! Als der Tag des Abschieds kam, umarmte Allul mit Tränen in den Augen seinen neuen Freund. Er war doch ein wenig traurig, und dachte, dass er Simutu nie mehr sehen würde. Aber Simutu tröstete ihn und versprach seine Rückkehr, und dass er nächstes Mal länger bleiben würde. Alluls Frau schnürte Simutu noch einen kleinen Sack mit Reisproviant, damit er ein wenig Wegzehrung hatte. Simutu umarmte nochmals die ganze Familie und setzte flussaufwärts seine Reise fort.

Teil fünf

Löwe.

Nach einem guten Monat Fußmarsch kam Simutu an eine größere Anordnung der Berge. Allul erinnerte sich daran, dass er vor einiger Zeit Elfenbein aus einem Elefantenfriedhof holte, um es herzurichten und nach Alexandria zu bringen. Obwohl die Landschaft an Höhe gewann, breitete sich zunehmend eine blühende Vegetation vor ihm aus. Palmen wuchsen, Orchideen säumten den Weg und Lianen hingen von alten mächtigen Bäumen herunter. Plötzlich vernahm Simutu ein fernes Grollen. Er folgte den unheimlichen Geräuschen so lange, bis er auf einem Plateau angekommen war. Dort tummelten sich Menschenaffen und einer davon trug eine Krone aus Früchten auf dem Haupt. Die jungen Affenkinder neckten sich fortwährend, spielten und sprangen an den Bäumen von Ast zu Ast. Ein Gekreische überzog das Plateau. Der Affenkönig bemerkte Simutu und trommelte mächtig an seiner Brust. Dabei stieß er seine Laute mit sichtbarem Imponiergehabe aus, blinzelnd auf die Reaktionen seiner Untertanen schauend. Diese kreischten und klatschten heftigen Beifall. Der Affenkönig stand auf und man sah seine mächtige Größe. Seine weißen Zähne waren seitlich wie scharfe Messer spitz und lang. Simutu nahm seinen Beutel und entnahm eine Hand voller guter Nüsse. Dann ging er bis auf einige Meter auf den Affenkönig zu und warf ihm die Nüsse zu! Der Affenkönig zögerte nicht lange und holte sich alle Nüsse, welche er in Ruhe mit Genuss verschlang. Nachdenklich betrachtete er das menschliche Wesen und sagte: „Bist du auch einer dieser Halbaffen aus Alexandria? Dort leben viele verrückte Affen, welche glauben die Weisheit von der Palme gepflückt zu haben!“ Simutu: „Wie ich sehe, seid ihr wohl der König der Gorillas! Ich habe Alexandra auf meiner Reise kennengelernt, und es ist sicher eine sehr ansehnliche Stadt. Aber ich kann euch in gewisser Weise nur beipflichten, da ich dort auch Menschen getroffen habe, die zumindest anders sind, als die Menschen meiner Heimat Uruk!“

Auch die anderen Affen verstanden diese Worte und fingen begeistert an Beifall zu klatschen. Der Affenkönig meinte, dass sich sein Volk schon vor langer Zeit in das unwegsame Gebirge zurückgezogen hat, da der Mensch immer mehr Raum für sich beansprucht hat. Aber hier waren sie und sein Volk in Sicherheit. Der Affenkönig erzählte weiter „Die Menschen machen den Fehler uns zu unterschätzen. Aber wir sind wenigstens ehrlich zu uns und haben uns mit dem Dasein als Affe angefreundet. Wir können klettern und auf unseren geliebten Bäumen rasten, oder in mancher Höhle schlafen. Anscheinend sind wir genügsamer wie die Menschen. Uns reicht das Angebot an Gräsern und Früchten, und eine Nuss schadet uns sicher nicht. Wir pflegen und verwöhnen uns gegenseitig und können uns das Ungeziefer vom Pelz holen! Unsere Kinder dürfen frei und unbesorgt aufwachsen, den ganzen Tag spielen und dabei die Lektionen des Lebens begreifen!“ Der Affenkinder schauten freudig zu ihrem König auf. „Meine Kraft reicht aus um einen ausgewachsenen Löwen begegnen zu können, und das weiß die Tierwelt. Daher lassen uns alle in Frieden. Nur die Menschen sind eine Gefahr für uns. Manche von uns wurden als Kind gefangen und müssen seitdem auf den Basaren ihre Kunststücke präsentieren!“ fügte der Affenkönig hinzu.

Simutu: „Ich dachte hier gibt es keine Löwen lieber Affenkönig. Doch der König sagte, dass es einige Berglöwen in diese Gegend verschlagen hat. Und so müsse man trotzdem immer wachsam sein. Er fragte weiter und erkundigte sich, ob hier in der Nähe Elefanten wären. Der Affenkönig sagte ihm, dass sehr selten Elefanten in dieser Gegend zu sehen seien. Aber manchmal kommt einer vorbei, sobald er sich auf dem Weg zu dem Elefantenfriedhof aufmacht. Simutu: „Wo kann ich diesen Elefantenfriedhof finden lieber Affenkönig? Vielleicht kann mir ein altes Stück Elfenbein nützlich sein. Damit könnte meine Mutter sogar ihre Nähnadeln fertigen!“ Der Affenkönig hatte Vertrauen zu Simutu gefasst. Viele Jäger kamen hier vorbei und suchten nach der friedlichen Stätte der Tiere. Aber sie fanden den Friedhof nicht. Die Affen sorgten dafür und verjagten immer wieder diese gefährlichen Eindringlinge. Der Affenkönig versprach Simutu ihn ein Stück zu begleiten. Aber zugleich lud er ihn ein zum großen Affenfest! Vollmond war und als die Dunkelheit einsetzte, fingen die Affen auf Trommeln und Rasseln ihre Rhythmen aufzuspielen. Dabei tanzten die Affenkinder im Kreis und kreischten übermütig dazu. Dazu reichten sie gegarte Früchte in Kürbisschalen umher. Am Morgen lag das Affenvolk um den Kral herum. Nur der Affenkönig war wohlauf und machte sich mit Simutu auf den Weg zum Elefantenfriedhof. Sie gingen zu einem weiterem Plateau eine gute Strecke, und als sie ankamen sagte der Affenkönig: „Gehe nun alleine weiter! Meine Ehrfurcht vor den Tieren erlaubt es mir nicht, ihre ewige Ruhe zu stören!“ Simutu war tief von diesen Worten beindruckt, umarmte herzlichst den Affenkönig und gab ihm seine letzten Nüsse für den Rückweg mit. Der Affenkönig war gerührt und drückte Simutu beinahe zu fest an seine Affenbrust. Dann wandte er sich um, und ging zu seinen Untertanen zurück.

Die Pfade wurden enger und rundum war dichter Dschungel. Seltene Vögel voller Farbenpracht waren zu sehen. Und in den Gipfeln der Bäume tummelten sich kleine Affen, die anscheinend Verwandte des Affenkönigs waren. Ein junger Affe winkte aufgeregt Simutu zu und gestikulierte so, als wenn er ihn folgen sollte. Er ließ den jungen Affen nicht mehr aus den Augen und hatte Mühe ihm folgen zu können. Der Affe sprang spielend von Ast zu Ast, während Simutu schaute, dass er auch zugleich das unwegsame Gelände in den Augen gehalten musste. Der kleine Affe sprang herunter und zeigte ihm mit seinen Händen die Richtung an. Dann verschwand er so rasch, wie er runtergekommen war. Simutu ging noch eine Weile in die vorgegebene Richtung und nahm das laute Geräusch eines Wasserfalls wahr. Da er bereits von dem Widder solche Zugänge kannte, ging er unter dem Wasserfall hindurch und erblickte eine von Lianen und Schlingpflanzen umsäumte Lichtung. Er betrat ehrfürchtig das Areal und fand weit verstreut unzählige Skelette von Elefanten. Der Ort hatte eine unbeschreibliche Ruhe und friedliche Stille in sich, so dass Simutu sich ins Gras legte und einschlief. Nach einiger Zeit schlich ein stattlicher Berglöwe zum Elefantenfriedhof. Er war hungrig und nahm rasch wahr, dass sich hier ein Mensch befinden muss. So entdeckte er den schlafenden Simutu. Ein großer Ast ragte über den schattigen Schlafplatz, und ganz vorsichtig kletterte der Berglöwe darauf. Er wollte Simutu überraschen. Mit angespannten Muskeln wollte sich das Raubtier zum Sprung bereit machen. Im gleichen Moment löste sich in den Bergen eine Moräne und krachte donnernd zu Tal. Der Berglöwe erschrak und suchte unmittelbar das Weite. Simutu dagegen schlief tief und fest und hatte nicht bemerkt, was vorgefallen war. Manchmal ist großes Glück der Fall, auch wenn es der gute Simutu nicht mitbekommen hatte!

So wachte er ganz unversehrt wieder auf, streckte sich und schaute sich weiter um. Er sah sich die Skelette der Elefanten in Ruhe an und zog aus einem der Tiere einen spitzen Speer, welchen er zu sich nahm. Einige kleine Elfenbeinsplitter sammelte er ein und steckte sie in die Tasche. Dann ging er weiter und sah, dass eine Lawine aus Geröll den Rückweg versperrte. So ging er seitlich ein gutes Stück Richtung Tal. Simutu hörte plötzlich so etwas wie eine Trompete und erblickte im gleichen Moment eine Elefantenkuh. Sie wollte anscheinend zum Elefantenfriedhof und dort ihre letzte Ruhe finden. Mit einem Schlag sprang der Berglöwe aus einem Hinterhalt die Elefantenkuh an und landete mit einem Satz auf ihrem Rücken! Simutu rannte auf die kämpfenden Tiere zu und schleuderte den Speer mitten in das Herz des Berglöwen. Das angeschlagene Rüsseltier lag seitlich am Boden, und der Rücken war von den Krallen des Berglöwen verletzt und blutete. Simutu wusch die Wunden mit Wasser aus und bedeckte sie mit schützenden Sand. Er sah, dass die Elefantenkuh noch nicht alt war. Sie war trächtig und wollte wohl ihr Junges im Schutz der Berge zur Welt bringen. Simutu ging zu einer Quelle und füllte seinen Wasserschlauch voll. Dann ging er zum verletzten Tier zurück und leerte das Wasser in ein schalenähnliches Stück Holz. Dann badete er seinen Glasstein in diesem Wasser und gab es der Elefantenkuh zum Trinken! Kurz darauf erholte sich das angeschlagene Muttertier sichtlich und richtete sich mit den Hinterbeinen etwas auf. Sie blickte zu Simutu und sagte: „Du hast einer werdenden Mutter in einer auch für dich lebensgefährlichen Situation das Leben gerettet! Hierfür bin ich dir mein Leben lang zum Dank verpflichtet. Wenn ich dir helfen kann mutiger Mann, dann sage es mir. Ich werde dir mit meinen Möglichkeiten gerne zur Verfügung stehen!“

Simutu antwortete: „Ich konnte nicht mehr nachdenken, sah, wie der Berglöwe aus dem Hinterhalt auf deinen Rücken sprang! Und dann bin ich nur noch auf euch zugelaufen, den Speer auf das Raubtier schleudernd. Aber ich habe erst jetzt bemerkt, dass ihr wohl bald ein Elefantenkind bekommt! Vielleicht hast du noch ein wenig Zeit, so dass wir in das Tal gehen, wo die Savanne beginnt?“ Das Tier nickte zustimmend. Simutu legte ein kleines Fell auf den Rücken des Elefanten und setzte sich darauf. So schaukelte der weiten Ebene entgegen. Am Horizont tauchten Staubwolken auf, begleitet von heftigen Trompetenlärm. Die große Elefantenherde hatte sich Sorgen gemacht und war aufgebrochen die trächtige Mutter zu suchen. Freudig liefen die Tiere aufeinander zu. Der Anführer der Herde schaute die werdende Elefantenmutter erstaunt an, da Simutu auf ihrem Rücken saß. Die Elefantenkuh berichtete von den aufregenden Ereignissen und von der Tatsache, dass Simutu mit mutigem Einsatz ihr das Leben gerettet hat. Simutu freute sich, aber blieb bescheiden: „Das hat sich aus der Situation ganz spontan und plötzlich ergeben, und ich fand es hinterhältig, die Art, wie der Löwe angegriffen hat. Aber es sind eben vom Instinkt geleitete Raubtiere, wobei die Natur grausam sein kann. Aber sie ist gerecht, weil sie notwendigen Ausgleich schafft. Nur eure Zeit ist wohl noch nicht gekommen, daher die Rettung!“

Der Anführer sagte: „Komm mit uns! Bei uns findest du Schutz in der Savanne. Sie ist gefährlich und nicht nur Löwen machen dort die Gegend unsicher! Auch gibt es Leoparden und hungrige Schakale. Wir sind mächtige Tiere und so brauchst du nichts fürchten, solange du unter uns weilst. Wir ziehen bald los weiter nach Süden, da dort die Regenzeit kommt und die Wasserstellen reichlich gefüllt sind. Auch schmeckt uns das Gras dort vorzüglich, und ebenso sind die Schlammbäder heilend und wohltuend!“ Simutu willigte freudig ein und nahm das Angebot der Elefantenherde an, welche doch sehr groß an der Zahl war.

Teil sechs.

Jungfrau.

Sie nahmen Wanderung auf und suchten bei der Dämmerung einen sicheren Platz. Die Elefantenkinder und die trächtige Mutter verteilten sich wie in einem Innenkreis, während die anderen Tiere rundum einen sicheren Schutzwall bildeten. Am frühen Morgen gebar die Elefantenkuh ihr Kind. Behutsam und liebevoll leckte die Mutter die Nachgeburt von ihrem Jungen. Dann richtete sie ihr Kind sanft mit dem Rüssel auf, so dass der kleine bald auf eigenen Beinen stehen konnte. Auch wenn es noch etwas wackelig sich ansah. Die anderen Elefantenkinder freuten sich über ihr Geschwister. Das kleine Elefantenkind hatte mächtigen Hunger und brauchte die Milch der Mutter. So beschlossen sie noch einige Tage in der Gegend zu bleiben, damit das Junge kräftig genug für die Weiterreise werden konnte. Simutu bekam die Art und Weise der Tiere immer besser zu verstehen. Sie stellten einen geschlossenen Verband dar und gingen miteinander liebevoll und hilfsbereit um. Auch waren sie verspielt und zeigten Humor. Simutu musste öfters einen Rüssel voller Wasser über seinen Rücken ergehen lassen. Aus dem Geflecht von Weidenzweigen bastelte Simutu den jungen Tieren einen Korbball, was alle Tiere begeistert annahmen. Die Jungen spielten sich den Ball hin und her, oder sie warfen sich ihn mit ihren Rüsseln zu. Sobald das neue Herdenmitglied kräftig genug war, zogen sie freudig in Richtung der großen Wasserstellen weiter.

Unter der Glut der Mittagshitze sammelte sich die Herde unter schattigen Bäumen, und sobald die Hitze nachließ, wanderten sie weiter. Dadurch teilten sich die Tiere ihre Energien sorgsam ein und unternahmen das, was Zweck und Sinn machte. Diese Elefanten waren große und sehr mächtige Tiere. Doch waren sie friedfertig und gescheit zugleich. Sie fanden im Chaos der unendlichen Weiten immer ihre Ordnung und konnten sich jeder Situation anpassen und unterordnen! Diese großen Ohren! Mächtige Stoßzähne und doch sehr beseelte Augen! Der empfindsame Rüssel! Simutu erkannte, wie diese Tiere ihr empfindsames Gehör nutzen, wie sie ihren Geruchsinn folgten, und zugleich miteinander verbunden sind. Diese Tiere waren Meister, indem sie mit geringstem Aufwand größtmögliche Effekte erzielten! Sie waren schlau und sicher von sehr viel Instinkt getragen. Aber ebenso zeichnete sich ihr Charme aus und ihre rasche Auffassungsgabe.

Die Hitze wurde von Tag zu Tag trockener und beinahe unerträglich. Doch tauchten vor ihnen am Horizont schwarze Wolken auf. Plötzlich wehte ihnen ein feuchter Wind entgegen. Die Herde fing zum Trompeten an und rannte nach vorne, so dass die Jungen Mühe hatten das Tempo zu halten. Simutu saß aufgeregt auf dem Leittier und freute sich mit den Elefanten, weil sie ihrem Ziel nahe gekommen waren. Blitz und Donner setzte ein und ein heftiger Sturm. Simutu sah den Staub vom Boden aufwirbeln, und im gleichen Moment prasselten die ersten dicken Tropfen in den Staub. Die Wassertropfen kamen mit einer solchen Wucht, dass sie drei Fuß hoch vom noch staubigen Boden zurücksprangen! In Rinnen bildeten sich kleine Bäche und Minuten später waren es kleine Flüsse! Die Elefanten trompeteten und liefen dem lebenspendenden Nass entgegen. Simutu war auch völlig durchnässt. Die Abfrischung belebte bei ihm Körper und Geist gleichermaßen. Innerhalb von wenigen Stunden sprossen Gräser aus dem Boden hervor. Viele Wassertümpel hatten sich gebildet, und es war für Simutu schön anzusehen, wie sich die Elefantenkinder bespritzten und immer wieder gänzlich unter das Wasser tauchten! Die Herde beschloss in der Gegend zu bleiben. Erst wenn das Wasser knapp geworden ist, machen sie sich allmählich auf dem Wasser zu folgen.

Simutu gefiel diese Gegend sehr. Sie war total erblüht, Wasser und Nahrung gab es im Überfluss. So streifte er ein wenig umher und sah eine Stelle, die sich von der Umgebung abhob. Er sah ein kleines Haus, erstellt mit unförmigen Steinen aus der Gegend und mit Lehm verputzt. Vor dem kleinen Haus bemerkte Simutu rasch eine Frau. Sie saß auf einem Baumstumpf und schien auf etwas zu warten. Als sie Simutu sah und er sich nähern wollte: „Halt, bleibe wo du bist! Du hast hier nichts verloren! Dieser Bereich um das Haus ist Tabu für dich! Du kannst nicht zu mir herkommen, sonst treffen dich mächtige Geister!“ Simutu war erstaunt und überrascht zugleich und sagte: „Liebe junge Frau, verzeiht, ich wollte sie nicht stören oder belästigen! Ich war neugierig hier in der Einsamkeit der Natur so ein schönes Steinhaus anzutreffen. Ich wollte sie nur etwas fragen!“ Die Frau entgegnete: „Man nennt mich Ishtar ( Ischtar), akaddisch – babylonische Hauptgottheit ( ab etwa 1700 v. Chr.), die unserer Venus entspricht: sie/er ist zweigestaltig; als Abendstern = Göttin der Liebe – als Morgenstern = Gott des Krieges. Mit der Übernahme Babylons durch die Chaldäer ( 626 v. Chr. ) wurde sie ( mit der Zeit nur noch in der weiblichen Form ) zu den „drei glücklichen Zeichen“ gezählt ( Nabu –Merkur, Ishtar – Venus, Marduk – Jupiter – Bruno Huber ) junger Mann. Was du hier siehst ist eine heilige Städte! Hier dürfen nur Frauen das Haus zu betreten! Innen geschieht das große Wunder und sobald eine Frau das Haus verlässt, hat sie ihr Kind oder sogar zwei oder drei auf dem Arm! Geburt ist etwas Heiliges und das weibliche Prinzip sorgt für die Erhaltung der Menschen. Daher herrschen wir Frauen in vielen Bereichen! Wir sind der Garant des Lebens durch unsere Fruchtbarkeit. Daher besetzen wir auch die Ämter der Priester! Und im Kampf sind wir auch geübt und wissen uns zu verteidigen! Wir haben die Erfahrungen aus der Natur gemacht und wissen sie wohl zu schätzen. Im Bestellen der Felder, im Nähen der Kleider, im Mischen der Kräuter sind wir sehr bewandert! Wir haben unsere Hütten, wo nur die Frauen rein dürfen. Das ist notwendig und gut, sobald eine junge Frau schwanger geworden ist. Nichts gegen euch Männer, aber in diesen heiligen Bereichen habt ihr nichts zu suchen. So müssen die Männer ihrer Frauen im gebührenden Abstand zur Steinhütte bleiben. Aber wir haben auch einfachere Orte, wo Frauen ihre Kinder zur Welt bringen können, wie kleine Erdhöhlen. Aber diese sind doch schon gut verbreitet in diesem großen Land!“

Simutu war es peinlich, und dachte, ob er nicht zu voreilig gewesen ist. Aber Ishtar beruhigte ihn: „Ich habe dir nur gesagt, dass du hier nicht vors oder ins Haus kannst. Woher kommst du eigentlich?“ So erzählte Simutu der Ishtar seine bisherige Reise und zuletzt die Begebenheiten mit der Elefantenkuh und dem Berglöwen im Gebirge. Ishtar lauschte seinen Worten aufmerksam zu und sagte: „Wenn du magst, kannst du als Gast unser großes Dorf besuchen; die Elefanten kennen den Ort und können dich sicher hinbringen!“ Simutu willigte freudig ein und kehrte zu der Herde zurück. Er setzte das Leittier in Kenntnis, und so brachte ihn am nächsten Tag ein Elefant zu dieser Ortschaft. Von der Ferne aus erkannte er einen Zaun aus Holz, dessen Pfähle nach oben spitz waren und acht Fuß aus dem Boden ragten. Innerhalb davon befanden sich angelegte Gärten mit Gemüse, Obst und allerlei Früchten. Der Zaun erstreckte sich weit und innerhalb konnte Simutu beinahe hundert kleinere und größere Hütten ausmachen, deren Dach mit Schilf belegt war. Der Elefant kniete sich hin, so dass Simutu bequem seinen Rücken verlassen konnte. Der Elefant: „In einigen Tagen ziehen wir weiter. Wir kommen hier vorbei und können dich abholen und mitnehmen, wenn du nur magst!“ Simutu bedankte sich und streichelte seinen Rüssel. Dann reichte er ihm noch einige Früchte aus dem Garten, was niemanden störte.

Währenddessen waren Pluto, Uranus und Marduk ganz begeistert und aufgeregt über die Taten des Simutu! Pluto: „Er zeigte Todesmut, indem er in großer Gefahr den Berglöwen töten musste! Du lieber Marduk hast vielleicht mit etwas Glück für ihn nachgeholfen, als sich das Geröll im Gebirge mit Donner löste und auf das Plateau herabprasselte! Aber ich habe den Berggipfel auch ein wenig rumoren lassen!“ Uranus: „Er hat blitzartig sie Situation erfasst und sofort gehandelt!“ Marduk: „Sein Instinkt spürte wohl, dass die Elefantenkuh trächtig war! Sonst hätte er dem Lauf der Natur freien Lauf gelassen und sich nicht eingemischt! Ebenso zeichnet er sich durch Respekt und Höflichkeit, besonders bei der uns bekannten Ishtar! Sie ist eine Göttin und wird ihn sicher für seine Taten schätzen und vielleicht belohnen! Seien wir weiterhin gespannt, wie es unserem Simutu, den freiwillig inkarnierten Neptun bei seiner weiteren Reise ergehen wird!“

Simutu schritt durch das Dorf, indem es sehr geschäftig zuging. Frauen wuschen an den reichlich mit Wasser gefüllten Bächen die Wäsche. Andere kümmerten sich um die Ställe und die zahlreichen Haustiere, Mütter spielten mit ihren Kindern und tanzten im Reigen. Dazu trommelten einige ältere Männer temperamentvoll und rhythmisch auf ausgehölten Stämmen und vermittelten die lebendigen Energien ringsum. In der Mitte des Dorfes thronte Ishtar in einem etwas größeren Haus, welches zum großen Teil aus Steinen bestand. Die schlichte aber bezaubernde Frau winkte ihm zu und bat ihn einzutreten. „Sei mein Gast, hier bist du bei mir herzlich willkommen!“ sagte sie zu Simutu. Auf dem Holztisch vor einem gemauerten Kamin befand sich eine große Kugel. Dabei spiegelte sie die einfallende Sonne und verursachte an den Wänden regenbogenartige Farben. Simutu war erstaunt und fragte Ishtar: „Oh, was habt ihr für eine wunderbare Kugel? Ich habe auch so etwas bei mir. Aber es ist weitaus kleiner. Aber in der Nacht kann ich sie reiben und kleine Elfen und Feen leuchten mir damit den Weg!“ Ishtar: „Gib sie mir, damit ich sie mir ansehen kann!“ So kam heraus, dass Simutu Inanna bereits kennengelernt hatte. Ishtar erkannte den Stein nicht, aber sie sah rasch, dass es Vulkanos Werk gewesen sein dürfte. Nun sah sie durch die eigene Kugel und konnte so die bisherige Reise von Simutu in allen Bildern sehen! Die göttliche Frau war sichtlich beeindruckt und erfreut über die Taten des Jünglings. Sie öffnete nun die kleine Kugel von Simutu, steckte 13 kleine Sterne hinein und sagte:“ Jetzt hast du zu deinem Licht eine stetige Verbindung zu mir! Sobald du mich brauchst, kannst du mich rufen! Ich werde da sein!“ Sie öffnete eine kleine Kiste mit bronzenen Beschlag und holte einen kleinen Sack mit Heilstaub und Kräutern hervor. „Du kannst das sicher gut gebrauchen lieber Freund, manche Wege sind heimtückisch und gefährlich!“ fuhr sie fort. Bald gingen sie zusammen in den Garten und setzten sich auf die hölzerne Veranda. Ein überhängendes Strohdach spendete wohltuenden Schatten.

Simutu war von der sinnvollen und zugleich strukturierten Anordnung des ganzen Dorfes begeistert. Wie in seiner Heimat zogen die Männer und Frauen kleine Wassergräben durch die Felder, so dass alles ausreichend bewässert werden konnte. Die Kinder hatten ihren Spaß an den hölzernen Schleusen, mit denen man alles regeln konnte. Liebevoll angefertigte Werkzeuge erleichterten den Leuten die Arbeit. Und so blieb auch genug Raum für Erholung und Müßiggang. Die Felder waren durch die Zäune geschützt, bildeten bunte, viereckige Teppiche inmitten der Landschaft. Am Abend hörte man immer die Laute der vielen Herden und Raubtiere und natürlich das freudige Trompeten der Elefantenherde. Am Abend kam eine angenehme Milde auf und der Sternenhimmel zeigte sich klar und unendlich weit. Ishtar: „Wir verfolgen seit unseren Ahnen den Lauf der Sonne und der Nanna. Dazu sehen wir fünf Wanderer ( Planeten ), die sich in einer regelmäßigen Bahn befinden zu scheinen. Besonders der rote Planet oben zeigt uns auch mit der Nanna ( sumerisch Mond ) an, wann es Zeit für die Aussaat ist. Zudem kann uns der rote Planet auch Kriegsgefahr oder auch Unwetter anzeigen. So können wir uns wappnen und auf alles Mögliche für das Kommende vorbereiten und einstellen! Ganz da hinten links oben seht ihr den mit Ringen verzierten Lulim ( sumerisch Saturn ). Wir nennen ihn auch Schafbock, weil er sich so langsam bewegt!“ Dieser Wanderer steht bei uns als weibliche Mutter, als Hüter und Beschützer aller Erscheinungen. Solange seine Ringe gut sichtbar sind, gibt es zumeist hohe Ernteerträge. Nach sieben Jahre werden die Ringe wieder schmaler, so dass wir in guten Jahren viel Korn sammeln müssen, um genügend Vorräte zur Hand haben zu können. Doch durch die gemachten Erfahrungen können wir den alltäglichen Anforderungen bestens standhalten! In der Nacht kommt der gute Marduk ( sumerisch Jupiter ) und leuchtet weit in die Nacht hinein, fast so intensiv, wie ich zu leuchten vermag!“

Simutu erkannte diese Zusammenhänge durch die Erklärungen dieser wissenden Frau. Tief beeindruckt von Ishtars Worten blickte er andächtig auf zum Firmament. Besonders Nanna schien manchmal so nah, als würde sie im Gebirge die Gipfel besuchen und die Erde berühren. Zum Dank überreichte Simutu die kleinen Elfenbeinteile, welche er im Elefantenfriedhof aufgesammelt hatte. Er meinte, Ishtar hätte mehr verdient, aber das sei alles, was er so mit sich führe. Ishtar antwortete: „Dein Geschenk mag wertvoller sein als mancher Edelstein. Die kleinen Elfenbeinsplitter haben dir viel bedeutet und daher nehme ich sie von Herzen gerne an!“ Am nächsten Tag kam die Elefantenherde vorbei, und für Simutu war es an der Zeit sich zu verabschieden. Ishtar stand noch lange am Tor und schaute, wie sich die Herde fortbewegte.

Teil sieben.

Waage.

Das Leittier der Elefanten hatte mit seinem Rüssel zum Abmarsch geblasen und Simutu saß stolz und erhaben auf dem Dickhäuter. Die anderen Elefanten spielten einer Trompete gleich im Gleichklang mit, und so hatte man den Eindruck, ein Trupp von Bläsern sei unterwegs. Simutus Elefant hielt einen kurzen Moment inne, hob vom Boden ein kleines Stück Holz auf und reichte es mit seinem stattlichen Rüssel Simutu. Der nahm das Stück, zog sein Werkzeug aus Alexandria aus der Tasche und fertigte sich eine kleine Flöte an. Kurz darauf war das gute Stück fertig und er probierte es unverzüglich aus. Dabei entdeckte er sein Naturtalent für Tonleitern, für die Musik schlechthin. Und so blies er eine Melodie vor, welche die Elefanten exakt nachspielen konnten. So ging es immer dichter in die dschungelartigen Wälder von Äthiopien hinein.

Pluto, Uranus und Jupiter beobachteten aufmerksam das Geschehen. Uranus: „Ich bin sehr gespannt, wie er die Kraftlinie verfolgen wird und den messerscharfen Pfad angeht!“ Jupiter: „Er wird immer das tun, was für Ausgleich sorgt und in der Balance hält!“ Pluto: „Er wird seine Aufgaben mit Witz, Diplomatie und guten Ideen meistern! Bisher hat er alle auftretenden Umstände seiner Reise gut gelöst, und so wird er auch heil wieder zu uns irgendwann zurückkehren können!“

In der Zwischenzeit wurden die Pfade immer enger, so dass die Elefanten nur hintereinander vorwärts kamen. Auf der linken Seite schien eine tiefe Schlucht mit einem reißenden Fluss zu verlaufen und zur rechten Seite hin wurde es unweglich und steil. So folgten sie den Pfad so lange, bis sie an einer alten Hängebrücke aus Holz ankamen, welche mit Stricken notdürftig einigermaßen manche Last aushalten konnte. Aber große Elefanten? Simutu schaute sich die Hängebrücke in Ruhe an und ging darüber, während die Elefanten geduldig warteten. Mit jeder Bewegung knarzte das alte Holz, und als ein Wind aufkam, fing die Brücke heftig zum Schaukeln an! Ruhig und gelassen hielt er sich mit seinen Händen an den Geländern fest und erreichte nach einiger Zeit das andere Ende der Hängebrücke. Hier fiel die Schlucht sehr steil ab und das Ufer war von großen Felsbrocken umsäumt. Er nahm seinen Speer und hebelte einen großen Felsen aus, so dass er donnernd in die Strömung rollte. Durch den Fels verkeilte sich das Holz in der Strömung mit der Brücke. Das Treibgut reichte nach einiger Zeit bis zum Untergrund der Brücke. Simutu rollte weitere Felsen unter die Brücke, so dass sie nicht mehr einbrechen konnte. Dann stimmte er ein freudiges Lied auf seiner Flöte an, so dass die Elefanten in aller Ruhe die Brücke begehen und überqueren konnten!

Das Leittier war sehr erfreut, im Wissen, dass nach einiger Zeit ein großer See inmitten des Dschungel sein müsste. Auch seien hier Ruinen, und keiner weiß wie alt sie sind und was es auf sich hat. Affen kreischten in den Lichtungen der hohen Baumkronen, dazu heftiges Gekrächze der zahlreichen Vögel. Sobald die Tiere still wurden, befand sich ein Raubtier in der Nähe, wie Puma oder Leoparden. Aber die Herde wusste um ihre Unbesiegbarkeit. Sogar Krokodile gingen den Dickhäutern aus dem Weg, sobald er sich an einer Tränke kreuzte. Zum Abend hin kam ein Gezirpe der Grillen hinzu. Simutu war froh auf dem Leittier sitzen zu können, da sehr viele Ameisen am Boden geschäftig unterwegs waren. So erreichten sie bei Anbruch der Nacht einen ausgedehnten, von Schilf bedeckten See. Die Tiere stillten ihren Durst und auch Simutu füllte seine Wasserflasche voll und nahm mit den Elefantenkindern ein Bad. Nanna stand hoch am Himmel und spendete ein herrliches Nachtlicht. Im Wasser spiegelten sich auf der gegenüberliegenden Seite des Sees Ruinen aus Türmen und zerstörten Steinhäusern. Aber einiges schien noch intakt zu sein. Simutu war müde, gesellte sich zu den Tieren und schlief alsbald rasch ein.
Am frühen Morgen wachte er voller Tatendrang auf und hatte vor die Ruinen sich näher anzusehen. Im See wimmelte es voller Krokodile und so zog er es vor dem Ufer entlang zu folgen. Das Leittier wies einen Elefanten an, Simutu dort hinzubringen. Zur Mittagszeit kam er an den verwurzelten Ruinen an und bat dem Elefanten zu warten. Die Türme hatten offene Türen und hatten Holzleitern im Inneren. So konnte er ohne Probleme den Turm bis zu seiner Aussichtsplattform vorsichtig besteigen. Oben angekommen sah sich Simutu an einen Punkt, der einen unbeschreiblichen Ausblick freigab. Der sah ein grünes Meer an Dschungel und ganz am Ende des Horizonts erkannte er in blassen Streifen das Meer. Er nahm an, dass der Weg dorthin wenigstens um die 200000 Fuß, was unter diesen Umständen eine Reise einer ganzen Phase von Nanna entsprach. Der edle Held war von dem Ausblick fasziniert. Aber jetzt interessierten ihn diese mystischen Ruinen. Über die Leiter stieg er wieder den sicheren Boden entgegen. Er sah einen tiefen Graben, und auf der anderen Seite war ein kleines Tor zu sehen. Ein dicker, umgefallener Baumstamm führte wie eine Brücke, und Simutu betrat vorsichtig den Baum. In der Mitte fing der Stamm sich zu drehen an, und so rutschte er aus und fiel in den tiefen Graben. Die Wände waren steil und schmierig von der Feuchtigkeit des Urwaldes. So war er am Grund des Grabens gefangen und in einer aussichtlosen Situation! Doch der Elefant hatte das Fallen des Jünglings vernommen und ging zu den Graben. Er sah Simutu, beugte sich und streckte seinen Rüssel so tief es nur ging in die Grube. Simutu sprang mit Anlauf auf den Rüssel zu, und so konnte das kluge Tier ihn aus seiner Situation befreien. Nun hielt der Elefant den Baumstamm fest umschlossen, Simutu konnte endlich schadlos zur anderen Seite gelangen.

Die Ruine schien der Eingang einer stattlichen Siedlung zu sein. Als er durchgegangen war, sah er eine bunte Anordnung zahlreicher, kleinerer Ruinen. Die Häuser bildeten mit Abstand gesehen einen weiten Kreis, der mit 12 angeordneten, gleichen Abschnitten eingeteilt war. In diese Steine waren hohe Stämme eingerammt. Simutu sah, dass genau zur Mittagszeit die Sonne zwischen zwei Markierungen hindurchschien. Und so erkannte er, dass es sich hier wohl um eine Anlage handelt, die die Phasen Nannas und Utu ( sumerisch Sonne ) vorausberechnen konnte. Doch etwas war seltsam! Utu stand kurz nach dem Zenit und Nanna steuerte unübersehbar auf Utu zu! So verdunkelte Utu von Minute zu Minute, solange, bis die Nacht am Tage hereingebrochen war. Simutu hörte das besorgte Trompeten der Elefanten. Alles schien zu sterben. Die Laute der Affen und Vögel verstummten. Dabei kam ein heftiger Wind auf und warmer Regen setzte ein! Nach einigen Minuten schien Utu durch die Regenwolken hindurch und wurde immer heller. Eine Viertelstunde später war es wieder taghell und überall verdampfte der Niederschlag. Simutu war einen Geheimnis näher gekommen, welches die Priester in seiner Heimat eifrig hüteten. Auch seine Väter hatten hohe Holztürme gebaut, um bei Nacht den Himmel besser beobachten zu können. Dadurch konnten sie immer den nächsten Zeitpunkt einer Finsternis vorhersagen und hatten dadurch sehr viel Macht!

Das Dorf grenzte an einer sehr steilen Felswand. Sie hatte einige kleinere und größere Höhlen. Der mutige Mann ging in die größte Höhle bis zur ihrer Mitte hinein. Im fahlen Licht sah er wunderschöne Malereien an den Wänden vor! Jagende Menschen mit Leopardenköpfen, andere hatten Flügel und schienen vom Himmel gekommen auf der Erde zu landen! Flugmaschinen standen in der Luft, und daraus kamen die Engel hervor und landeten, während das Flugobjekt nicht an Höhe verlor! In einer Nebenhöhle fand er einen Altar, der tief von Blut gefärbt war. Anscheinend hatten die Bewohner den Besuchern aus dem Himmel Opfer darbieten wollen, dachte sich Simutu. Er war sich bewusst, dass die Ruinen noch älter wie das legendäre Aratta war; vielleicht mehr als 10000 Jahre vor seiner Zeit?

Die Zuschauer im 12. Haus wussten um die Tatsache, dass um diese Zeit auf anderen Kontinenten Hochkulturen existierten. Vielleicht waren sie Nachfolger des legendären Atlantis! Fakt ist, dass sich um den Erdball herum in regelmäßigen Abständen solche Steinkreise und Tempelanlagen befanden. Sie ergaben zusammen ein verlässliches Netz. Und anscheinend waren es die Nachfolger von Atlantis, welche sich über der Erde nach dessen Untergang verstreut hatten. Marduk nickte zustimmend, während Uranus das Ausrutschen auf den glitschigen Stamm kommen sehen hatte! Simutu schien zu fühlen, dass hier ein Ursprung vieler Menschen der Fall war. Er stellte sich beinahe andächtig vor, wie die Engel mit den Menschen verbunden waren. Auch bei den Ägyptern hatte er an ihren Obelisken solche ähnliche Bilder gesehen. Männer mit großen durchsichtigen Kugeln auf den Kopf, mit Schläuchen verbunden. Er ließ in Ruhe diese Eindrücke auf sich wirken, und die Finsternis brachte ihn zu der Annahme, dass etwas ganz Besonderes geschehen war. Der Elefant röhrte ein wenig, als wenn er auf Simutu Einfluss einnehmen könnte. Simutu kehrte über die provisorische Brücke zurück und anschließend brachte ihn das Tier zur Herde zurück.

Die Tiere waren noch ein wenig geschockt wegen der Finsternis, aber die Elefantenkinder waren bereits wieder dabei, sich im Wasser mit den Rüsseln gegenseitig zu bespritzen! Eine Elefantenkuh hatte inzwischen Früchte vom Baum gepflückt, Kokosnüsse von prächtigen Palmen heruntergeschüttelt und mit einer Grazie Simutu per Rüssel überreicht. Die Milch war kühl und schmeckte wohltuend, und die Schale der Nüsse war mit weichem Mark gefüllt. Die Herde und Simutu waren satt. Aber die Herde wusste, dass einige Tagesmärsche weiter das Land zum Meer hin langsam flacher wird und dort besseres Gras und Blätter zu finden seien. Der Boden des Urwalds bebte, wie sich die große Herde wieder in Bewegung setzte. Simutu konnte sie nur schätzen, so viele Tiere waren in diesem Verband. Die Wälder wurden nun etwas lichter und der schwülen Luft des Urwaldes kam frische Luft vom Meer entgegen. Eine angenehme Brise schien Simutu bunte Schmetterlinge entgegen zu blasen. Sie waren neugierig und umtanzten ihn an seinem Gesicht. Eifrige Waldbienen saugten emsig die wunderschönen Blüten prachtvoller Blumen ab. Auch von den Lianen hingen alle möglichen Blütenformationen und Simutu erkannte ihn ihnen sich immer wieder wiederholende Strukturen! Viele Blüten hatten sechs, sieben Blätter, andere deren zwölf oder sogar 144! Er dachte an die kluge Ishtar und ihre Positionen am Himmel. Sobald man sie verband, sah man eine exakte Formation. Seine Erkenntnis hierüber brachte ihm die Gewissheit, dass die Schöpfung immer wieder gleichen Mustern und Anordnungen folgt und dies ein hermetisches Gesetz sei.

Teil acht.

Skorpion.

Die jungen Elefantenkinder folgten wie im Spiel der Herde. Ringsum standen mit Früchten beladene Bäume, und so brauchten die Tiere sich nicht anstrengen Nahrung aufnehmen zu können. Der Tisch der Wälder war gut gedeckt und vieles war im Überfluss anzutreffen. Langsam aber stetig stieg die Landschaft wieder an und Simutu sah über die Hügel zum weit entfernten Meer, zu dem er sich auf unerklärliche Art und Weise hingezogen fühlte. Hinter einem der zahlreichen Hügel führte ein Pfad in ein tiefes und durchwachsenes Tal hinein. Von oben konnte Simutu die Tiefe des Tals nur erahnen. Aber die Elefanten wussten anscheinend einen über Generationen von Ahnen, wie sie in dieses kraterartige Tal gelangen konnten. Einer Spirale gleich schlängelte sich der Weg an den Rändern langsam nach unten. Der Leitelefant blieb stehen und mahnte die jungen Elefantenkinder zur Aufmerksamkeit und Vorsicht: „Passt auf wo ihr hintretet liebe Kinder! Hier finden sich allerlei Kriechtiere und Schlangen! Passt auf eure Rüssel gut auf, da auch unzählige Skorpione dieses Tal bewohnen und als ihre Heimat gewählt haben!“ Das Tal war kraterrund und hatte einen Durchmesser von 3000 Fuß. Marduk, Pluto und Uranus wussten um diesen Krater. Zehntausend Jahre zuvor schlug an dieser Stelle ein 150 Fuß dicker Asteroid ein und verursache diesen tiefrunden Kreis! Der Boden war brüchig und zwischen den Ritzen und Spalten lebte das Kriechgetier. Die Elefanten bliesen in ihre Rüssel, so dass die meisten Schlangen sich verkrachen. Der Leitelefant sagte zu Simutu: „Sie sind scheue Tiere und tun einen nichts, solange man sie in Ruhe lässt. Sie sind nur dann gefährlich, sobald man auf sie tritt, sobald sie schlafen und sich am warmen Gestein aufwärmen. Nur wenige sind aggressiv, und meist nur dann, wenn sie ihr Gelege bewachen müssen! Ich war schon öfters hier, und einmal wäre ich beinahe auf eine mächtige Schlange getreten. Ich bemerkte im letzten Moment das Reptil und blieb mit meinem mächtigen Vorderbein regelrecht in der Luft stehen. Die Schlange sah mich in Todesangst an und sagte: „Lieber Elefant, bitte tut mir nichts! Ich war nur erschrocken und habe dich angezischt. Ich beiße nur zu, wenn ich mich verteidigen muss. Ansonsten jage ich nur kleine Mäuse und Nager. Ich bin genügsam und ziehe mich so lange zurück, bis der Hunger kommt!“ Dabei flossen ihr an ihren Schlangenaugen die Tränen runter. Simutu bekam alles mit und hörte dem Leittier zu, während er auf dem Rücken des Elefanten saß. Er wusste um die Taubheit der Tiere und auch über ihren ausgeprägten Geruchsinn. Aber er hätte nie gedacht, dass Schlangen weinen können! Der Elefant sagte, dass er schon in den Wäldern so etwas wie fliegende Schlangen gesehen hätte. „Sie gleiten von den Bäumen mit Windsgeschwindigkeit, und viele von ihnen sind perfekte Taucher und Schwimmer!“ fuhr das Rüsseltier fort. Langsam kam die Herde dem Boden des fruchtbaren Kraters näher. Der Boden schien hier zu dampfen und kleine Geysire spuckten warmes Wasser in die Luft. Einige rochen nach Schwefel. Doch die Herde steuerte auf einen glasklaren Kratersee zu. Der Leitelefant sagte zu Simutu: „Du musst wissen, dieses Wasser hat eine heilende Wirkung, besonders für uns ältere Tiere! Das ist uns den beschwerlichen Weg wert, und ich fühle mich jedes Mal wie neugeboren! Auch die Gräser schmecken uns vorzüglich. Nur die Skorpione stören, und wir müssen mit unseren Rüsseln gut aufpassen. Ihre Stiche sind sehr schmerzhaft und gefährlich!“

Simutu war auf den kleinen Kratersee sehr gespannt. Die Elefantenherde bildete um das Gewässer einen großen Kreis, und so tranken alle zugleich. Simutu füllte seine Wasserflasche randvoll auf. Das Wasser war beinahe warm, aber es schmeckte vorzüglich. Die Elefanten spritzten sich das heilende Wasser mit ihren Rüsseln über den Rücken, und in der Luft bildeten sich durch die von oben einfallende Sonne lauter kleine bunte Regenbogen, was schön anzusehen war. Simutu beschloss in dem kleinen Kratersee ein wenig zu schwimmen und sich abzukühlen, und so machte er einen beherzten Satz ins Wasser. Der Krater war tiefer wie gedacht und Simutu tauchte unter und schaute sich so gut es ging um. In der Mitte angekommen konnte er keinen Grund am Boden des Sees erkennen. So tauchte er nach kurzer Zeit wieder auf und wollte ans Ufer zurückschwimmen. Im gleichen Moment packte ihn eine riesengroße Wasserschlange an den Füßen und zog Simutu zu sich in die Tiefe! Die Elefanten am Ufer wurden ganz unruhig und waren fortan um ihren geliebten Freund sehr besorgt. Leider tauchte er nicht mehr auf und so wurden die Tiere immer trauriger, da sie dachten, ihr Freund sei ertrunken. Eine smaragdgrüne Schlange tauchte aus dem Gebüsch auf und schlängelte sich zum Leittier der Elefanten hin. Mit züngelnder Zunge sprach sie zu dem Leittier: „Ich habe gesehen, wie diese Wasserschlange euren Freund in die Tiefe gezogen hat! Ich selbst bin in der Kunst des Tauchens und des Schwimmens ebenso sehr gut bewandert und kenne den Kratersee nur zu gut! Als ich das erste Mal dort hinuntertauchte, fand ich ein Labyrinth an Wasserhöhlen weit verzweigt. Dort kann man bei Glück auch andere Wege finden, um wieder nach oben gelangen zu können! Weit verbreitet finden sich immer wieder tiefe Wasserlöcher in Höhlen in dieser Gegend. Vielleicht hat euer Freund Glück und kommt wieder zu euch zurück?“ Immerhin machte die Schlange den Elefanten Hoffnung ihren Freund wieder lebendig sehen zu können.

Simutu wurde rasch in die Tiefe gezogen. Er konnte Oben und Unten so gut wie nicht mehr unterscheiden. Sauerstoffbläschen mischten sich heftig in das Wasser, vorbei an steilen Felsen aus Vulkangestein! Er versuchte mit seinen Händen in die Tasche zu greifen. Aber die große Schlange hielt ihn so fest, dass er sich nicht befreien konnte. Das Licht verdunkelte sich, da ihn die Schlange rasch in die Tiefe zog. Mit einem Moment spürte er, wie die Schlage durch eine seitliche Magmakammer in eine große Tropfsteinhöhle gezogen wurde! An den Wänden befanden sich dicke, schwarze Spinnen und zahlreiche Skorpione krabbelten geschäftig über den feuchten Höhlenboden. Die Schlange schüttelte sich vom Wasser ab und Simutu konnte in seine Tasche greifen und den geschliffenen Stein reiben. Kurz darauf stellte sich die große Schlange auf und er konnte sehen, dass das Tier einen Kopf hatte, der mehr einem Drachen ähnlich war. Seitlich blitzten messerscharfe Zähne hervor und sie züngelte und schaute mit weit offenen Augen auf ihr Opfer. Doch Ishtar sah in ihrer Kugel was geschehen war und leitete einen hellen Blitz in die Höhle! Simutu schaute auf das Tier und sah, dass die Drachenschlange plötzlich ganz milde Augen bekam und zu ihm sprach: „ Ich wurde angehalten dich nicht zu töten junger Held“ flüsterte das so gefährliche Reptil. „Ich habe erfahren, dass du mit allen Tieren sehr rücksichtsvoll umgehst und auch das Leben eines ungeborenen Elefantenkindes gerettet hast! So hat mich meine liebe Ishtar gebeten, dir einige Geheimnisse des Lebens zu offenbaren. Folge mir bitte!“ flüsterte das Tier und Simutu erhob sich daraufhin vom Boden. Zügig kroch das Reptil in den hinteren Bereich der Höhle und verschwand in einem großen Loch. Simutu ging hinterher. Das Loch war groß genug, zudem war es hier trocken. Aber es roch nach Schwefel und Phosphor und so bedeckte er mit seiner Jacke sein Gesicht.

Wie an einer Leiter ging es weiter und tiefer in das Labyrinth der Magmakammern hinein. Simutu handelte sich vorsichtig und geschickt an den Steinen hinunter und kam heil und gesund bei der Drachenschlange an. Sie war inzwischen schön geworden, hatte Farben gleichsam sanft grüner Smaragden in ihren Schuppen. Ihre Augen strahlten sanft und auf dem Kopf trug sie einen strahlend violetten Stern. Ihre Zunge schien aus Blattgold zu sein, und so erhob sie ihre Stimme und sagte zu Simutu: „Hier unten ist der fruchtbare Urboden allen Lebens! Aus diesen fruchtbaren Urgesteinen hat alles seinen Anfang genommen. Lange Zeit entwickelten sich hier nur Einzeller. Ishtar hatte eines Tages einen Knochen von ihrer Rippe eingepflanzt, an dieser Stelle! So entstand eine Zellteilung, aber jetzt waren es männliche und weibliche, so dass alle Geschlechter auf dieser Welt entstehen konnten! Damals setzte sie ihre Freundin Ereschkegal ein, die fortan dieses Reich behütet! Im gleichen Moment verwandelte sich die Schlange in eine Frau mit strahlend goldenen Haaren! Sie ging weiter und öffnete mit einer magischen Bewegung ein Tor, vor dem ein mächtiger Felsblock gerollt war. Simutu betrat eine große Halle, welche von gleißendem Licht durchflutet war. Aus diesem Licht kam eine Botschaft, die alle Geheimnisse der Schöpfung durch allerlei Symbole zum Ausdruck brachte. Der Raum war vom Geruch von Ambrosia durchwachsen, einer heiligen Speise der Götter.

Im fortwährenden Strom des Lichtes sah er, wie alles nur erdenkliche Leben auf wundersame Weise entsteht, wie durch eine große Pforte hindurch. Er sah neugeborene Kinder und Jünglinge seines Alters, Paare, welche sich leidenschaftlich liebten und durch ihre Vereinigung neues Leben zeugten. Er sah alte Männer und Greise, deren ausgezerrte Körper, aber wach im Geist. Und Simutu sah wie sie starben und er sah den Tod! Und zugleich kamen wieder neue Lebewesen ununterbrochen hervor. Simutu war an der Stelle angelangt, wo sich der Tod mit dem Leben verbindet. Doch aus dem Licht schien ein weiteres, schon immer und ewig leuchtend! Es konnte sich selbst wahrnehmen, schmecken, betasten und sehen, fühlen und sich selbst riechen. Die verwandelte Ereschkegal blickte Simutu so an, als wartete sie auf seine Worte. Doch Simutu verlor sich in diesem Lichte, als er erkannte, dass er unzertrennlich damit verbunden war. Erst nach dieser Erkenntnis wandte er sich wieder der Göttin der Unterwelt zu. Doch Ereschkegal war verschwunden. Das Licht in der Höhle verschwand beinahe gänzlich. An den Wänden zischelten sich schwarze Schlangen durch unzählige Totenköpfe, welche regelrecht eine Mauer bildeten. Simutu blickte nach oben und erkannte am Ende einen Lichteinfall. Aber die Wände konnte er nicht hochklettern; sie waren glitschig und steil. Das Licht wurde dunkler, als über der Höhle ein Phoenix kreiste. Er ließ sich kreiselnd die Höhle herunter und bat Simutu ihn zu besteigen. Der große Greifvogel duckte sich, so dass Simutu Platz hinter seinem Hals fand. Dann schlug er seine weiten Flügel und brachte Simutu zurück ins Leben!

Währenddessen wanderten die Elefanten mit hängenden Rüsseln und reichlich Tränen in den Augen weiter südwärts zur nächsten Wasserstelle. Im selbigen Moment setzte der Phoenix Simutu sanft und behäbig auf den Rücken des Leittiers ab. Sodann zog er gegen den Himmel Richtung Meer. Die Elefanten trompeteten voller Wiedersehensfreude und besonders die Elefantenmutter kannte kein Halten mehr und umarmte Simutu beinahe erdrückend mit ihrem Rüssel. Im 12. Haus beobachteten Uranus, Pluto und Marduk fortwährend das Geschehen. „Er hat losgelassen, beherzt und ohne Scheu ein Bad im Kratersee genommen! Gut, er hat sich gegen Ereschkegal nicht wehren können. Aber Simutu hat durch Ishtar die Wandlung der Schlange bewirkt!“ sprach Pluto in die Runde. Und Marduk fügte hinzu: „Simutu ist ein furchtloser Krieger der Liebe! Der Drachenkopf der Schlange mit ihrem Auge – damit ist der violette Antares gemeint. Und er leuchtete, so dass die Drachenschlange wusste, damit sie ihn verschone. Er schaute in das Urlicht und sah die Kette von Tod und Geburt. Dabei blieb er ruhig und gelassen in Ehrfurcht verharrend!“ Uranus: „Er hat sich seinem Schicksal gebeugt in der Erwartung des Todes und das Leben bekommen! Gleichsam des Adlers hat er sich in die Lüfte erhoben, nachdem er dreimal durch die Wasser musste! Sein Geist ist jetzt noch reiner geworden und ich harre gespannt der Dinge die da kommen werden! Er ist wahrlich ein Krieger, der aus dem Kampf siegreich hervorgegangen ist!“

Teil neun.

Schütze.

Man merkte den Elefanten und ihren Kindern an, wie sehr die Lebensfreude zurückgekommen war. Die Luft wurde wieder etwas wärmer und windiger zugleich. Links war immer wieder das weite Meer zu sehen und die Landschaft vor ihnen zeichnete sich durch sanft ansteigende Hügel aus. Dahinter war ein hohes Gebirge in Sicht. An einer geräumigen Lichtung machte die Herde Rast. Ringsum lagen gegarte Baumfrüchte am Boden, und die Tiere hatten keine Mühe sich die Früchte in Ruhe schmecken zu lassen. Einige waren durch die Gärung berauscht und wankten ein wenig hilflos uns schwerfällig hin und her. Dabei wurden sie fast übermütig und trampelten wie im Tanz auf der Lichtung. Das Leittier hielt sich mit den gegarten Früchten sichtlich zurück und weidete lieber im satten Gras. Simutu ging neben ihn her und dabei erzählte ihm der Elefant von mutigen Kriegern, welche nur die Größe eines Zwergs haben. Sie konnten sich wie leise Raubkatzen durch die Büsche hindurch bewegen und hatten Bögen mit vergifteten Pfeilen. „Aber uns tun sie Nichts!“ sagte der Elefantenanführer zu Simutu. „Wir befinden uns jetzt in einer Gegend, wo viele Jäger unterwegs sind. Auch Raubtiere, nicht nur die zwerghaften Jäger! Auch habe ich an anderer Stelle sonderbare Wesen gesehen. Sie hatten Arme und Gesichter wie die Menschen. Aber ihr Rumpf war der eines Pferdes! Sie scheinen ungemeine Kraft zu haben, aber uns gegenüber sind sie sehr friedlich gesinnt.“ Simutu wurde neugierig und wollte mehr über dieses Hufgetier wissen. Aber der Elefant meinte, dass es nicht so wichtig sei und so fragte er nicht mehr nach. Das mächtige Tier mit seinen Stoßzähnen aus Elfenbein bemerkte die Neugier und sagte nach einiger Zeit: „Mir kommen diese Wesen so vor, als wenn sie ihre Instinkte überwunden haben und dabei sind Menschen zu werden. Trotzdem, sobald sie sich an den Trauben berauscht haben, führen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes wie galoppierende Wildpferde auf. Aber sie trinken nicht so oft und so kann man mit ihnen bestens auskommen. Die Raubkatzen sind für unsere Jungen jedenfalls weitaus gefährlicher. Daher schützen wir sie immer möglichst in der Herde in unserer Mitte. Uns trauen sie sich nicht anzugreifen. Ich habe selber schon öfters mit meinem Rüssel Löwen durch die Luft geschleudert, so dass sie pfauchend das Weite gesucht haben!“

Als sich die Herde gelabt und ausgeruht hatte, blies der Leitelefant zum Aufbruch. So setzte sich die zahlreiche Herde mit ihren Kindern behäbig in Gang, zielsicher auf Orte bedacht, wo es Wasser und Fressen für sie gab. Nach einigen Tagesmärschen kamen sie den Hügeln näher, so dass das Gebirge einen immer mächtigeren Eindruck machte. Simutu zog sein geschliffenes Glas aus der Tasche und schaute hindurch. Am Horizont der Hügel konnte er eine Art Tempel erkennen mit goldener Kuppel, welche das Licht stark reflektierte. „Was ist das für ein Tempel?“ fragte er den Elefanten. „Soviel ich weiß, thront dort der Herrscher auf hoher Anhöhe in dieser Gegend! Er dürfte magische Kräfte besitzen, und sein Ruf zeugt landesweit von seiner Großzügigkeit. Oft feiert er im Tempel seine zeremonielle, magischen Rituale und Feste. Dabei scheint der ganze Hügel die Nacht zu durchleuchten. Viele seiner Untertanen arbeiten in den Weinbergen. Die anderen befassen sich mit allen möglichen Wissenschaften und sind ständig auf Sinnsuche. Alles hinterfragen sie, so dass aus seinem Volk schon viele große Denker hervorgegangen sind. Die Gelehrten treffen sich sehr häufig. Sie sind optimistisch gestimmt und jovial anderen gegenüber!“ sagte der Elefant und versuchte seine Worte mit heftigen Rüsselausschlägen Wirkung zu verleihen. Simutu fragte, ob die Elefanten ihm zu dem Herrscher bringen könnten. Aber der Elefant sagte ihm, dass die Herde die Hügel nur seitlich streifen wird. Und in das Gebirge wollten sie nicht, was Simutu verstehen konnte.

So setzten die Elefanten Simutu am Rande der ansteigenden Hügel ab. Aber sie sagten zu ihm, dass sie in einiger Zeit wieder hier vorbeikommen würden. Dann könnte er jederzeit wieder mit der Herde weiterziehen. Sie markierten die Stelle gut, so dass man sie wieder sehen und finden konnte. Dabei schichteten die Elefanten einige abgestorbene Bäume mit ihren Rüsseln zu einem großen Holzhaufen zusammen. Mit einem lauten Trompeten verabschiedete sich die Elefantenherde mit ihren Kindern von Simutu. Aber sie waren nicht traurig, weil sie wussten, dass es ein Wiedersehen geben wird. Simutu schritt frohen Mutes dem Tempel entgegen. An einem Bach machte er Rast und bemerkte, wie die Vögel stiller wurden. Er hörte in der Ferne ein verdächtiges Geräusch in dieser Stille. Nach einiger Zeit sah er mit Pfeil und Bogen bewaffnete Zwergmenschen aus dem dichten Gestrüpp sich anschleichen. „Kommt nur her, ich bin in friedlicher Absicht unterwegs. Ich wollte euch fragen, ob ihr mir einen kurzen Weg zu diesen schönen Tempel zeigen könntet?“ Die Zwergmenschen wollten sich zunächst wieder zurückziehen. Aber sie sahen, dass Simutu unbewaffnet war. Und so getrauten sie sich schließlich doch sich ihm zu nähern. „Wir sind Krieger vom Stamme der Pygmäen und sind auf Jagd und Nahrungssuche!“ Simutu öffnete seine Tasche und überreichte den zwei Kriegern einige Früchte, die er vom Boden an der Lichtung aufgehoben hatte. Die Krieger waren darüber sehr erfreut und sagten zu Simutu, dass hier sehr selten Menschen vorbeikommen. Vielmehr wohnten in der Gegend diese Pferdmenschen. Von denen hätten sie immer ihren Frieden und manchmal tauschen sie ihre Beute gegen brauchbare Pfeile und Bogen ein. Er sagte, dass die Pferdmenschen selbst hervorragende Bogenschützen wären und ihre Pfeile fast immer genau treffen. Sie selbst haben schon Unterricht im Schießen bei den Pferdmenschen genommen. Seitdem treffen sie selbst immer öfter ins Ziel. Simutu war beeindruckt und wollte über den Weg Antwort bekommen. Aber er kam nicht zum Fragen, da ihn die Pygmäen vorschlugen mitzukommen. „Unser Dorf befindet sich auf den Weg, welchen du suchst! Komme mit uns und stärke dich in unserem kleinen Dorf. Simutu willigte freudig ein und so kamen sie nach drei Stunden am Dorf der Krieger an. Hinter dichten Büschen und hohen Steckpalmen sorgten Palisaden aus Holz für Schutz. Dabei bildeten geflochtene Hütten einen Kreis, in welchem sich die Feuerstelle befand. Eine Quelle sorgte stets für frisches Wasser und an der höchsten Palme befand sich ein kleiner Ausblick, so dass man die nahe Umgebung immer im Auge haben konnte.

Die vielen Kinder schauten neugierig, als Simutu durch das kleine Holztor durchschritten hatte. Bald scharrten sie sich um ihn und betasteten sein Haupt. Dann warfen sie kleine Steine nach einem Tontopf, und Simutu konnte sehen wie geschickt sie waren und wie oft sie den Topf trafen. Dabei lachten sie und ihre perlend weißen Zähne blitzten hinter roten Lippen hervor. Der Häuptling der Pygmäen bat Simutu an seiner Seite Platz zu nehmen und sorgte für Speisen und ausgepresste Trauben, die in kleinen Silberbechern gereicht wurden. „Wie du siehst, sind wir sehr klein, aber dafür zeigt unser Geist wahre Größe! Unser Geruchsinn ist wie bei den mutigen Löwen ausgeprägt und unseren Augen entgeht keine Spur des Waldes. Wir haben alle Gewohnheiten der Vögel und der Tiere im Wald studiert, kennen die Natur und ihr Wetter. Wir leben nur von dem, was die Gegend hier hergibt. Aber wir haben Verwandte, welche nur umherziehen und den Tieren an ihren Wasserstellen nachstellen. Selten bekommen wir von ihnen Besuch. Aber wenn jemand kommt, erfahren wir alles, was sich in den endlosen Weiten alles abspielt. Wir haben sogar schon von dem Völkern aus Babylon und Ägypten gehört, unendlich weit von hier entfernt! Der Häuptling war offenherzig und liebevoll. Zugleich strahlte er Freude und starke Lebenskraft aus. Die Kinder waren niedlich anzusehen, die kleinsten waren gerademal einen Fuß hoch, und die ausgewachsenen vielleicht deren vier. So ragte er über die Köpfe hinweg, sobald er stand. Daher blieb er lieber sitzen und saß der Runde auf Augenhöhe gegenüber. Aus Knollen und ausgegrabenen Wurzeln, Pilze und Früchte nährten sich diese bescheidenden Menschen. Sie jagten keine Muttertiere und hielten sich zurück, um die Bestände nicht gefährden zu können. Sie waren genügsam, strahlten zugleich eine tiefe Magie aus, sobald man in ihre leuchtenden Augen blickte!

Der Häuptling lud Simutu ein über Nacht zu bleiben, da man vorhatte, nach der Dämmerung eine Zeremonie, ein Ritual abzuhalten. Simutu war gespannt und suchte die Hütte auf, die ihm zugewiesen wurde. Am Abend kam Nanna hinter den Bergen hervor, im Zeichen der Zentauren stehend. Zudem hatte Nanna ihr volles Gesicht bekommen, da Utu genau gegenüberstand. Fledermäuse huschten jagend über das beschauliche Dorf hinweg und schnappten nach den unzähligen Mücken. Frösche quakten in der Nähe ihre Lieder. Das Zirpen der Grillen war laut, aber es hörte sich rhythmisch an, voller Lebensenergie und ständiger Vibration. Jetzt legten die Frauen mehr Holz in das Feuer, so dass alles heller erleuchtet wurde. Nanna stand ganz oben in der Himmelsmitte und sorgte für mystisches, beinahe ein wenig unheimliches Licht. Die älteren Kinder brachten Trommeln aus Holz an den Kreis, die Mädchen Flöten und Rasseln. Dann saßen sie sich auf ihre Plätze und fingen leise zum Summen an. Das Summen der Runde mischte sich mit dem Gezirpe der Grillen, was einen eigenartigen Ton, aber durchaus harmonisch klang. Sie summten lauter und dabei kam aus einer bemalten Hütte ein Krieger hervor, mit einer Löwenmaske versehen. Jetzt setzten zum Gesumme die Trommeln ein. Dazu kamen dir Rasseln und Flöten. Die Melodie war langsam und schwerfällig, und genauso kreiste der Löwenmann um das Feuer. Er setzte immer erst einen Fuß auf und dann erst den nächsten. Allmählich wurden die Trommeln immer schneller, das Gesumme lauter und der Löwenmann beschleunigte seine Schritte. Dabei durchkreuzte er barfüßig immer wieder die heiße Glut des Feuers, ohne Schaden zu erleiden. Seine Augen verklärten sich, und anscheinend war er in Trance gekommen! Simutu schaute gebannt zu. Jetzt kamen andere Krieger und folgten den Schritten ihres Vortänzers. Dabei gewann man den Eindruck, dass die Töne der Trommeln ganz woanders herkommen. Der ganze Raum der Umgebung vibrierte und die Tänzer waren gebadet im Schweiß. Sie tanzten beinahe bis zur Dämmerung hindurch und schliefen neben der Feuerstelle erschöpft ein. Im gleichen Moment setzte ein starkes Gewitter ein, blitzend und donnernd aus den Bergen kommend. Am nächsten Tag sagte mir der Häuptling, dass sein Zauberer und die Krieger um Regen bei Marduk und Nanna gebeten hatten. Anscheinend erhörten die Götter ihr Gebet.

In der folgenden Nacht zeigte der Häuptling Simutu eine Anordnung von Sternen, sie sich in der Nähe des Sternbildes von Pabilsag ( PA.BIL.SAG: der Feuerpfeilschütze, der Jäger, Haus des Jupiter ) befindet. Und er zeigte gezielt auf diese Formation, welche sie „Altar“ nannten. Der Häuptling fuhr fort: „Daher lassen wir unsere Feuer wie ein Opfer zum Altar Marduks immer wieder aufsteigen, um ihn unsere Ehre zu erweisen. So schenkt er uns Freude und Glück! In unseren Tänzen tanzen wir uns in Trance und kommen so den göttlichen Ebenen sehr nahe! Sicher möchtest du bald zu dem Tempel gehen! Aber wir gehen nicht mit, weil wir das Revier der Pferdemenschen achten und dort ihre Heimat ist!“ Am nächsten Morgen bedankte sich Simutu für die Gastfreundschaft des kleinen Zwergvolkes und wanderte in die Richtung des Tempels weiter. Früh am Tag kam er an eine kleine Lichtung und sah drei Pferdemenschen tief im Gespräch versunken. Simutu ging langsam auf sie zu. Aber die Zentauren schienen ihn nicht zu bemerken, so tief waren sie in ihr Gespräch vertieft. Simutu nahm einige Fuß entfernt auf einen Stein Platz und hörte dem Gespräch neugierig zu. Sie diskutierten anscheinend belangloses, redeten davon, dass ihre Hufe abgenützt seien und sie neue bräuchten. Da keiner von den dreien einen Rat wusste, beschlossen sie Marduk an seinem Tempel um Hilfe zu bitten. Erst jetzt sahen sie, dass Simutu neben ihnen saß und staunend, zugleich fasziniert anblickte! „Seid gegrüßt edle Wesen!“ sagte Simutu mit freundlicher Stimme und fragte, ob er auf einem der Pferdemenschen mitkommen könnte. Dazu richtete er freundliche Grüße vom Stamm der Pygmäen aus, und so wurden die Zentauren offener und sagten zu. Sogleich bestieg er das kräftigste Tier und so machten sie sich auf den Weg zum Tempel. Simutu war froh, da zahllose Bäche und Quellen zum Tal unterwegs waren und das Gelände steiniger wurde. Weiter ansteigend ging es über steilere Hügel, und am höchsten Punkt schimmerte der Tempel in der Sonne glitzernd hervor. Simutu stieg ab und ging zu Fuß weiter, weil der Boden wieder sandiger wurde und von dichtem Gras bedeckt war. So schritt er über die Wiese und sah einen bärtigen Mann mit Umhang aus Samt auf einen Thron sitzen, gefertigt aus reinem Elfenbein! Wilde Tiere, die sich nicht selten bekämpfen, saßen friedlich neben Schafen und Falken und taten sich nichts!

„Sei mir willkommen lieber Simutu!“ Der junge und sanftmütige Krieger der Nächstenliebe war überrascht. „Woher kennst du meinen Namen edler Herr?“ sagte er ehrfürchtig zu dem Herrscher. „Mein Name ist Marduk und ich stehe in ständiger Verbindung mit Inanna, welche ihre Ländereien so liebevoll behütet und gedeihen lässt! Von ihr habe ich erfahren wer du bist! Sei mein Freund und setze dich an meine Seite!“ Marduk erhob sich und holte einen ansehnlichen Stuhl aus geflochtenen Hanf hervor und stellte diesen neben seinen Thron. „Du und die Zentauren habt sicher Durst und Hunger, daher kommt her und nehmt an der reichlich gefüllten Tafel Platz! Dann ließ Marduk Musik aufspielen, da inzwischen zahlreiche Faune und Feen aus dem Bergwald hervorkamen. Beschwingt zauberten sie aus ihren handgemachten Flöten eine perfekte Harmonie und Abfolge von Tönen hervor, begleitet von einer engelhaften Fee, auf einer Harfe mit goldenen Saiten spielend. Dazu tanzten die Tiere und die Zentauren stampften im Takt mit ihren Hufen zur Musik. Marduk freute sich und genoss Speisen und Trank sichtlich und hörbar. Nach der Musik traten drei Feen hervor, und eine jede hatte eine große Kiste zwischen den zarten Händen. So mussten sie immer wieder vibrierend mit ihren kleinen Flügeln das Gleichgewicht halten. Marduk öffnete die Kisten und überreichte jedem Zentaur feierlich vier neue Hufe! Vulkano hatte sie hergestellt, aus reinem Elfenbein. „Ihr habt es verdient meine treuen Freunde! Ihr seid diejenigen, welche sich von der Natur der Tiere zur Natur der Menschen erhoben haben. Und jetzt seid ihr dabei, von der Natur der Menschen zur Natur Gottes zu gelangen, dem höchsten Pfad im Weltall! Schaut auf zur Straße der Milch in dessen Zentrum. Da ist Utus Reich! Aber wie ihr sicher sehen könnt, sind es unzählige Utus, zahlreich, wie der endlose Strand aus Sandkörnern besteht! Erkennt ihr den Geist im Raume, der alles gänzlich durchdringt liebe Freunde?“ Marduk fuhr fort: „Aus der Dunkelheit des Alls zündete ein Blitz, so dass man sagen kann Licht kam aus der Dunkelheit hervor! Wäre das Licht nicht gekommen, hätte keiner bemerkt, dass es dunkel ist!“ Dabei lachte Marduk etwas verschmitzt und humorvoll. „Aber das Licht kann ja nur scheinen, sobald es sich von der Dunkelheit unterscheiden kann! Aber das ist nur die eine Sache, nicht wahr lieber Simutu? Du hast sicher das Licht der Lichter von der guten Ereschkegal offenbart bekommen, es gesehen, gespürt, geschmeckt und gerochen!“ Simutu fühlte und verstand sofort die Worte Marduks und nickte ein wenig ehrfürchtig und bejahend zu.

Im zwölften Haus der Fische freute sich Pluto über seine Schwester Ereschkegal, lobte ihre Umsicht und Wachsamkeit. Ansonsten wäre Simutu getötet worden am Grund der ausgelaufenen Magmakammer. Marduk gefiel sich als Herrscher des Kreise der Zentauren und meinte: „Seht, hier richte ich meine Augen auf die Erde und sorge für die Kontakte zwischen mir und ihnen! Aber hier im zwölften Haus weise ich den Weg von innen her. Wer sich nach innen zuwendet, wird Neptun und mich, sowie Pluto immer finden! Wir sind bereit zu erlösen, sobald man diese mit vollem Herzen sucht!“ Neptun – Poseidon: „Er hat unser Haus verlassen um zu erlösen, und so kommt er auch wieder bei seiner letzten Reise zu uns zurück!“

Simutu hatte vor die hohen Gipfel des vor ihm liegenden Gebirges zu erkunden. Marduk wusste dies und daher schickte er am frühen Morgen den stärksten Zentaur mit Simutu, damit dieser ihn zum Gebirge bringen kann. Nach einem sehr herzvollen Abschied machten sich der Zentaur und sein Reiter auf den Weg zum Gebirge. „Die Hufe aus Elfenbein hat mir heute Morgen unser Schmid angepasst, die passen mir hervorragend! Auch kenne ich die steilen Pfade hier bestens, da ich immer wieder an stille Orte gehe und Heilpflanzen einsammle! Simutu: „Ihr seid in der Heilkunst bewandert guter Freund?“ Der Zentaur lachte geschmeichelt und antwortete: „Eines Tages wurde ich versehentlich von einem giftigen Pfeil der Pygmäen am rechten Hinterbein getroffen. Sogleich bekam ich heftige Schmerzen und starkes Fieber. Meine Mutter suchte in den Bergen nach Kräutern und brachte mir schmerzstillende Blüten in meinen Stall. Aber die Verletzung schmerzt mich immer wieder, besonders beim Wechsel der Witterung kommen diese Stiche! Daher kenne ich bereits sehr viele Heilpflanzen und gebe sie an meine Brüder und Schwestern weiter, um möglichste Heilung erzielen zu können. Daher nennt man mich „Chiron“ was so viel wie „Heiler“ bedeutet!“

Teil zehn.

Steinbock.

Simutu zeigte respektvoll seine Eindrücke und war von dem Wissen des Zentaur sehr beeindruckt. Das Menschentier bewegte sich sicher und schnell, und so gewannen sie rasch an Höhe. Der Hochwald war ein Revier der Hirsche und Bären und in der Ferne war das Geheul einer Ansammlung von jaulenden Wölfen zu hören. Doch der Zentaur brauchte nichts fürchten, hatte er doch starke Arme und tödliche Hufe. Daher war Simutu gut geschützt, weil die Raubtiere um die Kräfte eines Pferdemenschen wussten. Am Himmel kreisten Adler einsam ihre Runden und überflogen ihre Reviere. Dazu kamen krächzende Raben, und sie krächzten so laut, als wenn wir sie stören wollten. Bei Einbruch der Dämmerung steuerte der Zentaur in eine Höhle, eher eine Grotte, die mit glasklaren Bergkristallen die bereits untergehende Strahlkraft von Utu anleuchtete. Das Licht ging von zartem Gelb in tiefrote Farben über. Da es kühl war, sammelten sie ausreichend Holz und zündeten für die Nachtruhe ein wärmendes Lagerfeuer am Höhleneingang an. Dies hielt auch die Raubtiere der Nacht fern, und so schliefen die zwei nach einem anstrengenden Aufstieg rasch ein. Der Zentaur begann fürchterlich zu schnarchen, und anscheinend murmelte er immer wieder seltsame Laute, gemischt aus Wiehern und Sprache. Aber Simutu schlief tief und konnte das Geschnarchte nicht mehr hören. Am darauffolgenden Morgen fiel Simutu die Kristalle auf. So stand er auf und konnte sehen, dass in Teilen der Grotte kristallklares Wasser an den Kristallen entlang nach unten lief. Dabei stellte er fest, dass an einigen Kristallen das Wasser von links nach rechts zum Boden lief und bei den anderen von rechts nach links! Er füllte seine Flaschen jeweils auf uns stellte bald fest, dass das linksgedrehte Wasser „stiller Natur“ war und beruhigte. Das rechtsgedrehte Wasser wiederum machte aktiv und tatfreudig! Freudig wollte er dem Zentaur seine Entdeckung mitteilen. Aber dieser winkte ab und meinte, dass er das schon als Kind von seiner Mutter erfahren hatte.

Sie stärkten sich gut und löschten zuletzt das Feuer vor der Grottenhöhle. Weiter oben angekommen sah Simutu ein großes Rudel Steinböcke, sich in den Steilwänden spielerisch bewegend. Der Zentaur dagegen wusste um den Weg und fand immer wieder sehr schmale Pfade, die sich steil nach oben schlängelten. Durch die Höhe war es hier angenehmer. Die Luft war kühler und klarer und die Sonne sorgte für weite Sicht. Schluchten waren mit stabilen Holzbrücken versehen, welche sich an den ausgetretenen Pfaden als wahrer Segen erwiesen. Der Zentaur sagte mit großem Stolz, dass er und seine Gefährten die vielen Brücken gebaut hatten. In der Stille der Berge konnte man meist nur das Hufwerk des Zentauren vernehmen, und allmählich zog sich der Bergwald zurück. Wind kam auf und das Wetter drehte sich schlagartig. Heftiger Regen durchnässte Simutu bis auf die Haut. Und trotz dieser Umstände fühlte er sich im Geiste glasklar und hellwach. Der Zentaur hatte nur noch wenig Kraft, da es zum Gipfel sehr steil zuging und er den Steinböcken folgte, da sie den Weg kannten. Aber für ihn als halber Mensch und halbes Pferd war es schwierig die richtigen Stellen zum sicheren Weiteraufstieg ausmachen zu können. So kam er völlig erschöpft weit oben im Gebirge an. Simutu sah, dass eine mächtige Brücke aus Naturstein über eine abgrundtiefe Schlucht führte. Gegenüber sah er ein schlichtes Steintor, welches von beiden Seiten durch mächtige Steinböcke bewacht wurde! Ihre Hörner waren groß und mächtig. Aber sie erkannten den Zentaur und traten zur Seite, als Simutu die Brücke überquerte. Nach dem Tor fand er einen Fels vor, der wie eine Plattform einen großen Kreis bildete und leicht einen Durchmesser von 300 Fuß hatte. Inmitten stand ein Turm, der aus mächtigen Baumstämmen gebaut war. Sie waren uralt und hielten mit Leichtigkeit allen Stürmen stand.

So näherte sich er dem kleinen Holztor, um auf den höchsten Punkt der Gegend gelangen zu können. Doch trat eine Frau vor die Türe. Sie wirkte sehr anmutig und zugleich ein wenig schlicht und bescheiden. Die Frau blieb stehen und winkte Simutu mit einer bestimmten Geste zu sich, während der Zentaur den Rückweg zu Marduk anging. „Willkommen im Reich des Ziegenfisches, im Reich des Steinbocks und im Reich der lupenreinen Klarsicht ( Steinbock – SUCHUR.MASH.KU: Ziegenfisch )! Schaue dich um und du siehst, dass du wahrlich am höchsten Punkt in dieser weiten Gegend angekommen bist!“ Um ihren Hals trug die erfahrene Frau ein wunderschönes Kreuz, bestehend aus roter, grüner, gelber und blauer Farbe. Simutu begrüßte äußerst respektvoll die Frau, welche seine Mutter hätte sein können. Aber sie sah jung und ansehnlich für ihr Alter aus und strahlte eine spürbare Autorität und Reife aus. Simutu trat vor sie und sagte: „Habt ihr keine Angst oder Bedenken hier oben alleine zu weilen? In diesen Höhen kann es sehr einsam sein! Und, wenn ich euch fragen darf: Was tragt ihr da für ein so wunderschönes Kreuz aus Kristallen? All die Farben mischen sich und scheinen sich wieder in durchsichtiges Licht zu verwandeln, sobald ihr euch bewegt!“ Die Frau sagte, er solle ihr auf den hohen Holzturm folgen. So betrat Simutu den Turm und fand bequeme Treppen aus Stein gefertigt vor. Das Geländer zeichnete sich durch feinste Holzarbeiten aus. Und an jeder Ecke war ein herausgeschnitzter Ziegenfisch zu erkennen. Simutu: „Wieso nennt ihr diese Gegend das Land der Ziegenfische, liebe Frau?“


Die Frau schien nachzudenken und holte nach einer kurzen Pause aus: „Die Ziege und der Fisch trägt die Wahrheit in sich, dass alles Leben aus den unendlichen Wassern Neptuns hervorgegangen ist! So besiedelten sie im Laufe von Zeitäonen allmählich die Mutter Erde. Daher bin ich auch die Mutter der Ziegenfische. Und das Kreuz um meinen Hals steht für das Kreuz der Materie! Alles, was du rundum sehen kannst ist nichts anderes als auskristallisierter, gewordener Geist. Nimm dein Glas zu Hand Simutu und schaue hindurch!“ Simutu zog das geschliffene Glas aus seiner Tasche, reinigte es an seinem vom Regen saubergewaschenen Hemd und sah hindurch! Der Horizont schien wie auf einen großen Kreis zu verkommen. Ganz unten sah er seinen Ausgangspunkt im Revier des Widders (Widder – (LU) CHUN.GA: Der Knecht, Feldarbeiter (Enkidu), LU = Mensch, Haus des Mondes ( Nanna ). Die Landschaft schien im tiefen Rot, so, als wenn alsbald die Sonne aufginge! Er erinnerte sich an seine Flucht und daran, wie ihn der Widder sicher über das Gebirge zu Inanna brachte. Dabei erkannte er, dass die Frau des Ziegenfisches unzertrennbar mit dem Stier (Stier – GU.AN.NA: Himmelsstier ( auch Haus der Venus als Hure – Schamchat ) sowie mit dem Haus der Jungfrau fortwährend verbunden war (Jungfrau – AB.SIN: Jungfraugöttin mit Ähre ( Shala, Shubultum ), Haus der Venus )! Er sah sich, wie er das mystische und verborgene Aratta finden konnte und wie sich der Kontrast zu der großen Stadt Alexandria ergab. Dazu der fast gelbliche Sand der Wüste! Er sah die blauen Fluten des Nil und die hitzige Savannen. Die Abfolge der Farben ergab sich regelmäßig in Rot, Grün, Gelb und Blau. Dann begann sich um ihn alles zu drehen, und die Frau sagte zu ihm: „Erkennst du dieses Rad? Du kannst es immer mit Fortune selbst in Schwung bringen und über das Auf und Ab im Leben den wahren Aufstieg finden und verstehen! Du hast sicher viel Kraft und Mut einsetzen müssen, Erfahrungen sammeln, um bis hierher gelangen zu können! Und das hast du meisterlich vollbracht edler Jüngling! Hier ist der Ort, wo Wissen, Erfahrung und Reife zur wahren Weisheit führen. Und dein Ziel wird sein, zur Quelle deiner Herkunft zurückzukehren!“ Dabei strahlte das Licht ihrer Kristallkette weiß wie die Tautropfen auf dem Gras, und die Kette wirbelte kreisrund um sich. So brach sich das Licht und wurde hell weiß! Simutu schaute wie in Trance auf die kreisende Kette. Saturn bemerkte dies und sagte: „Hier ist der Ort, wo das göttliche Licht sich in das irdische verwandelt! Kehre diesem Licht wieder den Rücken und bringe es unter die Menschen! Ich bin nicht nur die Mutter der Erde, sondern aller manifestierten Erscheinungen, trage höchste Verantwortung und sorge dafür, dass alles immer wieder seinen Ausgleich zum Wohle aller der Fall ist! Daher herrsche ich auch hierarchisch über die Waage (Waage – ZI.BA.AN.NA ( Zibanitum ): die Waage ( Gleichgewicht zwischen Sommer und Winter ), Herbst – Äquinoktium), damit alles wahre Gerechtigkeit erfahren wird!“

Simutu wusste, dass er hier gar nicht so lange verweilen sollte. Er sah wieder durch sein geschliffenes Glas und bemerkte, dass er noch zwei Weite Reisen vor sich hatte! Er wandte sich nach Osten und blickte über ein weites Meer. Dahinter sah er Land, anscheinend einen großen Kontinent. Doch wusste er nicht, wie er dort hingelangen sollte. Er überlegte und entschloss sich zu Fuß nach einen Hafen zu sehen. Und da hätte er sicher die Möglichkeit das Meer überqueren zu können. Saturn sorgte ganz fürsorglich dafür, dass der größte und stärkste Steinbock Simutu sicher hinunter zu den Tälern führen möchte. Zuletzt übereichte er der Herrin der Ziegenfische seine letzten, aber wertvollsten Samen, welche er in den Kraterrändern an sich genommen hatte. Dann umarmte er sie und kehrte ihr den Rücken. Der Steinbock hatte keine Mühe ins Tal zu gelangen und so wurde auf der anderen Seite zum Meer hin von dem Horntier gebracht. Hier war die Gegend nicht so fruchtbar wie auf der anderen Seite landeinwärts. Der Wuchs der Sträucher war eher spärlich und schroffes Gestein war nur für den Steinbock kein Problem. Simutu wollte absteigen, aber der Steinbock sprach: „Gedulde dich mein Freund, ich kann dich nicht mehr weiterbringen. Aber du selbst bist hier schutzlos der Gegend auf dieser Seite ausgeliefert. Geröll löst sich hier oft aus hohen Höhen und könnte dich erschlagen! Ich weiß auch nicht weiter im Moment, aber Frau Ziegenfisch befahl mir, solange zu warten, bis du abgeholt worden bist!“

Simutu konnte sich kaum vorstellen, dass er seinen Zielen hätte hier näherkommen können. Karge Sträucher, und weiter unten wurde es dichter. Aber er sah, dass dicke Dornen sich um mächtige, fleischfressende Pflanzen rankten. Auch hatte er kein Schwert bei sich, um das Gestrüpp überwinden zu können. Er dachte nach, über alle seine bereits gemachten Erfahrungen. Der Steinbock blieb an seiner Seite, und so fühlte er sich gut beschützt. Nun wollte er seinen geschliffenen Stein hervorholen und musste feststellen, dass er ihn wohl beim Abstieg aus dem Gebirge verloren haben muss. So schloss er die Augen und stellte sich vor, wie er den Stein davorhielt! Im gleichen Moment durchdrang ein lautes Rauschen die Luft. Er sah einen Phoenix mit mächtigen Flügeln, und sie maßen zusammen mehr als 20 Fuß! Der Greif landete gezielt am Boden und sagte zu Simutu: „Steig auf mein Freund, ich werde dich über das weite Meer hinweg fliegen, damit du dein nächstes Ziel sicher erreichen kannst!“ Freudig begrüßte er den mächtigen Greifvogel und nahm bequem hinter dem Kopf des Tieres auf dessen weichen Federkleid Platz.

Teil elf.

Wassermann.

Der Greif hatte noch ausreichendes und bestes Futter mit seinen Krallen mitgebracht, der Steinbock freute und bedankte sich, beinahe eine Verbeugung machend. Simutu streichelte das Tier und drückte seinen Kopf an ihn, als Zeichen des Dankes und tiefer Verbundenheit. Nach einer herzlichen Verabschiedung hob sich der Phoenix zusammen mit Simutu beinahe senkrecht gegen den Himmel. Als sie an guter Höhe gewonnen hatten, so um die 3000 Fuß, schoss der Greifvogel blitzartig senkrecht zum Boden hin! Wie ein abgeschossener Pfeil beschleunigte das Tier und Simutu hatte große Mühe sich an seinem Hals festzuhalten. Kurz vor dem Boden griff der Vogel den geschliffenen Stein von Simutu auf und startete nach oben senkrecht hin wieder durch! Simutu bemerkte, wie sehr der Phoenix aus der gesamten Übersicht über die Berge und Täler einen kleinen Stein sehen konnte! Dabei sah er die feuerrote Energie aus den Augen des Vogels wie Strahlen hervorkommen. Sie gewannen sehr rasch an Höhe, und weit oben, über den Wolken fühlte sich Simutu frei wie sich nur ein Vogel frei fühlen kann! Durch Wolkenfetzen hindurch spiegelte sich das blaue Meer, so dass sich sogar die Gischt mancher hoher Wellen erkennen ließ. Die Luft war hier oben beinahe warm und so konnte der Greifvogel ohne größere Anstrengungen sehr schnell vorankommen. So flogen sie den ganzen Tag über das weite Meer. Simutu schaute über den Horizont und erkannte eine große Insel, inmitten des Meeres. Hier ragten beinahe noch höhere Berge über das Meer, höher als der Gipfel bei der Ziegenfischfrau! Als sie näher kamen rankten sich in luftiger Höhe die Wolken um die Berge. Der Greif landete, nein er segelte langsam auf die Insel zu. So konnte Simutu eine kleine Stadt anfliegen, welche in oder über den Wolken zu sehen war. So landete er kurz vor Dunkelheit auf einen übersichtlichen Platz. Allmählich war das Sternbild des Wassermann über den Wolken zu sehen (Wassermann – GU.LA.EA: Gott Ea mit Wasser des Lebens ( Süßwasser ). Rechts unten schien der violette Stern des Antares, welcher den Skorpion förmlich aus dem Meer hervorzukommen scheinen ließ (Skorpion – GIR.TAB: Ishachara, „Herrin aller Länder“, Haus der Venus). Auch ging im Osten Nanna auf und spendete so viel Licht, dass Simutu die Konturen seiner Umgebung gut wahrnehmen konnte. Der Ort schien ihm außergewöhnlich und man bekam das Gefühl, zu den Wolken hinübergehen zu können. Sie sahen aus wie gewonnene Baumwolle und umragten im nahen Hintergrund einen rundlichen Berg, aus deren Mitte ununterbrochen Wasser herunterfloss.

Zunächst seitwärts zu beiden Flanken des Berges und dann gleichmäßig und senkrecht ergoss sich ein tosender Wasserfall gleichmäßig in einen kleinen See. Von dort bildeten sich erneut Wasserfälle und stürzten die Steilhänge hinab, bis zum Boden der Insel. Ein Teil des Wassers hatte jemand umgeleitet, so dass man mit den Schleusen Straßen aus Stein und verdreckte Tierställe reinigen konnte. In kleinen Becken wurde das Wasser über Kaskaden geleitet, so dass das Wasser vor Sauerstoff nur perlte! Die Häuser hatten Fenster aus geschliffenem Glas, Bäder, wo das Wasser unter dem Boden wärmte. Alles war für Simutu faszinieren, und er kannte viele Dinge noch nicht, hatte sie zuvor noch nie gesehen! Kinder vergnügten sich auf Rutschen, welche in die Wasserbecken führten. Das Wasser sorgte für blühende Sträucher und Bäume, welche mit unzähligen exotischen Früchten behangen waren. So ging Simutu durch das Dorf und betrat einen Platz, wo sich ältere Männer, Jünglinge und auch Kinder aufhielten. Die jungen Männer hatten sich auf den Kopf stehend unterhalten, während die älteren gelassen zuschauten! Die Kinder machten es nach und hatten dabei Spaß und Unterhaltung, da es nicht so einfach war das Gleichgewicht zu halten. Simutu fragte einen älteren Mann, was es damit auch sich hätte, weil die jungen Männer so lange auf den Kopf stünden. Der alte Mann lachte und antwortete: „Wie du siehst lieber Freund ist hier viele anders als anderswo! Wir sind schon ein außergewöhnliches, wenn auch kleines Volk. Aber das weite Meer trennt uns von den Kontinenten, die sicher einige von uns schon bereist haben. Aber zu uns findet sehr selten jemand, da wir mitten in den Ozeanen für uns sein können. So konnten wir uns über Generationen in Ruhe so entwickeln, wie wir es uns vorstellten.“

Der alte Mann redete weiter: „Wir hatten hier schon immer Bedingungen, und sie ermöglichten uns alles Mögliche auszuprobieren. Manches funktionierte nicht, aber ab und zu konnten wir tatsächlich neue Erkenntnisse einfließen lassen!“ Dabei zeigte er auf die Häuser, welche nach oben durch Terrassen wie Pyramiden angeordnet waren. Winzige Bäche wurden über die Terrassen geleitet, so dass die Bewohner viel Obst und Gemüse mühelos ernten und vor der Türe stehen hatten. Simutu hörte wissensdurstig zu und kam wieder auf die jungen Männer zurück. Inzwischen hatte sich einer mit einem Fuß an einen Baum gehängt, dessen Äste wie ein Kreuz zur Seite ragten. „Ja, das ist unser hängender Mann! Er ist so etwas wie ein Forscher und er kommt immer auf die besten Ideen, sobald er die Welt von unten anschaut, sozusagen abstrakt betrachtet! Natürlich stehen die alle freiwillig auf den Kopf, und der Mann weiß, dass er jederzeit wieder mit den Beinen auf den Boden landen und stehen kann! Aber schaue mal zu dem hohen Seil auf, welches wir hoch an den Häusern über dem Platz gespannt haben! Siehst du den Mann? Er hat hohes Risiko, aber er ist geübt das Gleichgewicht zu halten. Er ist ein wahrer, kreativer Geist! Ab und zu kommt starker Wind ganz unerwartet und plötzlich auf, und dann ist er schon öfters aus der Balance gekommen und abgestürzt! Aber, dabei spannt er ein großes Tuch über seinen Kopf auf und segelt wie ein landender Falke zu Boden! Der starke Wind hatte ihn auf diese geniale Idee gebracht!“

Dann ging der Mann zu einem kleinen Bach, schöpfte mit einem beschlagenen Eimer Wasser, ging zu einem Brunnen und goss es dort langsam, beinahe liebevoll hinein! Simutu war beinahe etwas verwirrt und fragte den alten Mann: „Was tust du da? Der Ziehbrunnen ist doch selbst voller Wasser!“ Der alte Mann lächelte in seinen silbernen Bart hinein und antwortete: „Wie du sehen wirst, bin ich das Wasser des Lebens, bereit auszugießen für alle Dürstenden in dieser Welt! Mein Name ist Aquarius und über den Ziehbrunnen speise ich alle Quellen dieser Welt! Ich sorge für Frau Ziegenfisch für notwendiges Klima, so dass Utu und Nanna gerecht zum Zuge kommen können! Hier oben in wolkigen Höhen kann ich wie der Phoenix jeden kleinen Stein auf dieser Erde ausmachen, und mein esoterischer Freund Marduk sorgt dafür, dass wir nicht nur kühle Rechner und Erfinder sind, sondern Sinn und Herzlichkeit in uns tragen! Wir bringen auch immer die Möglichkeit, manches zu verbessern und einfacher zu gestalten. Aber unsere Fähigkeiten bestehen auch darin, dass wir durch das Verstehen vieler Dinge das große und Ganze darüber erkennen. Wir studieren auch Kunst und Musik, sind Bildhauer, Künstler gewissermaßen. Frau Ziegenfisch blickt zu Utu und ich zu Nanna. Aber ich kann Tag und Nacht zugleich erkennen; die Nacht mit geschlossenen linken Auge und den Tag mit dem offenen rechten Auge! Dann öffnet sich in mir ein Auge, welches sich in der Mitte der Stirn befindet! Und dann, ja dann schaue ich in das so feine sekundäre, klare Licht der Gottheiten, werde beleuchtet und erleuchtet zugleich! Aber da ich einen Körper habe, verlasse ich die Ebenen wieder, suche sie aber jeden Tag zweimal, manchmal dreimal für eine halbe oder ganze Stunde auf; so wie der Tag es erlaubt. Ich hatte gedacht, ich traue meinen Augen nicht, als ich mein drittes Auge spielerisch entdeckt habe! Neugier bringt Fortschritt! Andere prügeln sich und bekommen ein blaues Auge!“ sagte er mit humorvollem Sarkasmus.

Der alte Mann kam immer mehr in Fahrt: „Daher hat der gute Taurus dieses Auge auf seiner Stirn! Durch den esoterischen Herrscher Marduk verbinden sich Vulkano und Inanna zu einer schöpferischen Einheit, wissend um die innere Schau und um den Geist, der die Erde beseelt! Frau Ziegenfisch war erfreut, als vor langer Zeit meine geschickten Leute Steinmeißel mitbrachten und aus dem Granit diese wunderschöne Steintreppe wie eine Statue aus dem Berg meißelten!“ Dabei schaute er sehr stolz, aber bescheiden und freundlich. „Aber uns interessieren vor allem die geistigen Dinge! Zum Beispiel kannst du in den Regenbogen das gebrochene Licht mit sieben Grundfarben benennen. Die Natur sorgt für prachtvolle Mischungen, aber bleiben wir zunächst bei dem Regenbogen. Wir haben festgestellt, dass sieben Strahlen heilige Botschaften der Götter aufzeigen! Schau, wie unterschiedlich die Farben sind. Wir haben diese Farben auf einer runden Kristallplatte genau aufgeteilt, also in sieben Abschnitte. In der Mitte siehst du ein Loch, so dass man die Platte auf einen harten Holzstift legen kann und schnell drehen!“ Der alte Mann hatte ein gerät, ähnlich einem Spinnrad und drehte mit großem Schwung die kreisrunde Platte. Simutu sah, wie die bunten Farben in ein leuchtendes, durchsichtiges Weiß übergingen! „Alle Strahlen zusammen kommen aus einem klaren Licht lieber Simutu!“ sagte der Alte mit glasklarer und zugleich freundlicher Stimme. Weiter fuhr Aquarius fort: „ Dem ersten Strahl haben wir Pluto und Ereschkegal zugwiesen, da sie göttlichem Willen und göttlicher Macht entsprechen! Viel Menschen haben diesen Strahl zugewiesen bekommen, und manche missbrauchen diese Macht nicht. Vielmehr lassen sie die göttliche Macht und den Willen selbstlos wie einen Keim der Liebe heranwachsen und sind wahre Anführer im Sinne der höchsten göttlichen Instanz!

Neptun schickt den zweiten Hauptstrahl, dem Strahl der unendlichen und göttlichen Liebe und der göttlichen Weisheit! Auch du liebster Simutu scheinst Träger dieses Strahles zu sein!“ Simutu weinte vor Freude, die göttliche Urquelle der höchsten Ekstase und Liebe spürend! Der Alte lachte und sagte beinahe etwas trocken: Ja, und ich trage natürlich den Strahl des messerscharfen Verstandes, der errungenen Intelligenz in mir, den Strahl geistiger und somit schöpferischer Aktivität! Und alle meine Mitbewohner auf dieser wunderbaren Wolkeninsel sind immer um inneren und äußeren Fortschritt bemüht! Leider mussten wir sehen, dass der Erfindergeist in Alexandra mehr auf äußerem Reichtum zu einseitig gerichtet ist und die Menschen dort auf den Weg sind, ihre inneren, sprudelnden Quellen versiegen zu lassen! Der vierte Strahl ist ein Nebenstrahl. Aber diese sind genau so notwendig und bedingt! Er wird von der göttlichen Inanna beherrscht, welche die Natur kennt und beherrschen gelernt hat. So können die Menschen über ihre Konflikte zur wahren Harmonie, zum Gleichklang kommen! Der fünfte Strahl untersteht GuudGudud (Gu.ud.Gud.ud, sumerisch: der Springende; Name für den Planeten Merkur. Der auch „Stier der Sonne“ genannte Merkur steht im Helden – Epos synonym für den die Welt umwandernden Gilgamesch. Außerdem wurde dem Gott Gu.ud. die Erfindung der sumerischen Keilschrift zugeschrieben). Dieser bringt ein sehr konkretes Wissen durch Handeln und dadurch gemachte Erfahrungen. Und der sechste Strahl lieber Simutu ist dein Strahl, der von Idealismus und Hingabe getragen wird! Der siebte wird durch Marduk besetzt. Er ist ein wahrer Magier der Zeremonien und einer, der Wissen schafft und im Organisieren alles Möglichen ein Meister ist. Ja, und die ersten drei Strahlen bilden sich durch die Säulen der Götter, die sie mit dem Himmel und der Erde verbunden haben! Alle Strahlen kommen aus einem großen Licht hervor und bilden eine Leiter zum göttlichen Urgrund, der schon vor allen Anfängen ewig existiert!“

Simutu erkannte die Prinzipien der Götter, welche sich wie in aufgereihten Mustern immer wieder auf der Erde spiegelten. Aquarius sah mit Freude, wie sehr sich der Geist des idealistischen Kriegers der Nächstenliebe immer mehr aufhellte. Er ging nun selbst zu diesem Ziehbrunnen und schaute in das Wasser. Dabei sah er Inanna, wie sie mit ihren Stieren im Schatten alter Ölbäume saß und den Tieren Kränze aus Blumen flocht. Alles schien sich in eine Form zu ergießen, seit er in den Gipfeln der Frau Ziegenfisch dieses überirdische Licht schauen durfte! Aquarius hielt eine leuchtende Schriftrolle in den Händen, und darauf standen alle Symbole der Smaragdina Tarabula, die Schriften der Regenbogenbrücke. In ihr stand der Weg über die sieben Brücken bebildert. Der Weg war unendlich, da er durch einen vollständigen Kreis abgebildet war, und er wurde von der großen Uroboroschlange vollständig umschlungen! Der Kopf war beim Widder und der Schwanz umschlang den ganzen Kreis und reichte bis zum Kopf zurück. Simutu fragte: „Steht diese Uroboroschlange für den endlosen Kreislauf von Tod und Geburt, geschätzter Aquarius?“ Der alte Mann entgegnete: „Schaue dir die große Schlange genau an! Auch sie trägt den Kopf eines Drachen, und Drachen können sehr weise Tiere sein! In der Schlange stecken auch alle nur möglichen Verlockungen dieser irdischen Welt, wie Gier, Machtstreben, Missgunst, Eifersucht und Egoismus! Diese wollen das Austreiben aller göttlichen Keime für sich beanspruchen, und dabei erfrieren diese Keime im Frost des Egos, bevor sie austreiben können! So schaffen sich die Menschen immer wieder durch ihre Leidenschaften Leid und müssen erst lernen manche Triebe des Egos beherrschen und überwinden zu können! Wie du siehst, steht der große Drache für die gute Ereschkegal, auch für eine Göttin, welche dort Kali genannt wird. Aber jetzt folge mir in meine Werkstatt! Dort habe ich etwas für dich bereitgestellt, damit du unsere Insel verlassen und nach Tibet kommen kannst!“ Simutu folgte dem alten Mann ganz aufgelöst und neugierig, während der Alte im raschen Schritt vorwärts ging. Sie betraten eine kleine Halle, in der von oben das Licht durchschien, da die Decke aus lupenreinen Diamanten bestand! „Frau Ziegenfisch hat mir diese Steine gebracht. Sie hat sie aus den verborgenen Höhlen ihres Gebirges geholt. Und die Steine haben sich über ewige Zeiten aus Kohle in Diamanten gewandelt; der Druck der Zeit sozusagen!“ Dabei lächelte Aquarius verschmitzt und zog einen tiefblauen Vorhang am Ende der Werkstatt auf. Ein geflügelter Drache kam zum Vorschein, ein Flugdrache! Die mächtige Spannweite kam der des Phönixes gleich. An der genialen Konstruktion befanden sich Metallstangen, so dass man daran einen Sitz befestigen konnte. Unter dem Sitz waren so etwas wie Pedale angebracht. An diesen waren seitlich goldene Ketten angeordnet, welche die übertragene Kraft auf die Flügel übertrugen! Aquarius bestieg das geniale Gerät und begann mit den Pedalen langsam mit seinen Füßen die Flügel in Schwung zu setzen. So hob er vom Boden ab und flog langsam zum Eingangstor seiner Werkstatt. „Sobald du mit ein wenig mehr Schwung in die Pedale trittst, kannst du überall hinfliegen. Mit deinen Händen kannst du an den Schnüren ziehen und die Richtung bestimmen!“ Simutu konnte es beinahe nicht fassen, so eine geniale Erfindung als Geschenk überreicht bekommen zu haben!

Der beseelte Jüngling konnte vor Aufregung nicht mehr einschlafen. Und so unterhielt er sich bis in die Morgendämmerung hinein angeregt mit Aquarius. So blieb er doch noch einen ganzen Tag und konnte ausgeruht nach einem herzlichen Abschied seine letzte Reise antreten. Simutu gewann rasch an Höhe und auch der Wind blies in die Richtung nach Osten. Die Insel wurde immer kleiner hinter ihm. Zugvögel begleiteten ihn und hatten ihren Spaß und Abwechslung mit dem außergewöhnlichen Fluggerät. Noch nie hatten sie einen Menschen gesehen, der es ihnen gleichtat und sich über die Lüfte erheben konnte.

Zwölfter und letzter Teil.

Fische.


Mit dem Wind im Rücken kam Simutu beinahe anstrengungslos voran. Er flog nicht so hoch, und so konnte er große Wale sehen, die ihre Fontänen hoch in den Himmel spritzten. Solch große Tiere des Meeres hatte er noch nie gesehen. Er war fasziniert und flog nur 30 Fuß hoch über das ruhige Meer. Delfine kamen in Schwärmen vorbei und taten so, als wenn sie Simutu begrüßen wollten! Mit den Wassern verband ihn ein großes, inneres Band und es war ihm danach in die Fluten zu tauchen. Doch sorgte sein gesunder Instinkt dafür, dass er zuerst die Geheimnisse seiner Reise finden wollte. Doch war es noch weit zum Ziel, so landete er auf einem kleinen Atoll inmitten des Ozeans. Ein perlenweißer Sandstrand bot Simutu einen optimalen Landeplatz an. Er zog sein Fluggerät ein wenig mehr zum Inneren des Strandes und band es zwischen Palmen fest. Der stille Platz bot reichliche Früchte an, und aus dem Urwald flossen Bäche mit Süßwasser. Langsam setzte die Dämmerung ein und Simutu hatte sich aus abgefallenen Palmenblättern ein kuscheliges Nachtlager gefertigt. Der Strand war sehr belebt! Überall sah er unzählig viele Krabben, welche ihm mit ihren Scheren zuwinkten, so, als wenn sie Simutu begrüßen wollten. Neugierig stand er auf und ging näher zur Brandung hin. Das Meer war ruhig und kleine Wellen schäumten Simutu entgegen. In dem Meerschaum spiegelte sich das Licht von Nanna und sorge für eine erlöste Stimmung. Aus dieser Stille heraus hörte Simutu in der Ferne wunderschöne Lieder und Gesänge, so dass er lauschend der Musik folgte. Zunächst dachte er, dass jemand auf diesem Atoll sich aufhalten müsste. Aber er fand niemanden. So folgte er mehr dem Gehör als dem Verstand und ging den harmonischen Melodien nach. Er bemerkte beinahe nicht, dass er mit halben Körper im Wasser stand. Und dann sah er auf einem aus dem Wasser ragenden Felsen drei Nixen! Sie saßen anmutig dar und kämmten sich mit Kämmen aus auskristallisierten Meerschaum sich gegenseitig ihre goldenen Haare. Dabei kamen über ihre sinnlichen Lippen die schönsten Tonfolgen hervor und ihr Gesang war wunderschön und voll Erfüllung durchdrungen!

Die Meerjungfrauen sahen sehr anmutig aus, und die silbernen Schuppen ihrer Flossen glänzten im Licht der Nanna. „Seid uns willkommen edler Simutu! Wir haben euch landen sehen sind zum Strand geschwommen um dich kennenzulernen! Leider können wir nicht völlig an Land kommen, da unsere Flossen dafür nicht taugen. Wir leben meistens unter Wasser. Dort ist unsere Heimat, in einem Dorf, durchsetzt mit allem, was Neptun zu bieten hat! Korallen zieren unsere Gärten, in denen wir wertvolle Perlen ziehen! In den Tiefen unserer Meere herrscht Gleichklang, Stille und auch Muse, und die gefährlichen Raubfische holen sich nur die alten und schwachen Tiere zur Nahrung. Unser Herrscher aller Meere nennt sich Aruru (Fisch – Aruru (Antu/Anumtium): Mutter des Enkidu ( Widder ), Haus der Venus ( Aruru bringt LU.CHUN.GA hervor ). Er trägt eine goldene Krone aus Seetang gefertigt. Dazu hat er einen dreizackigen Speer, den er selten aus der Hand nimmt! Sobald er mit seiner zwölfspännigen Meereskutsche auf Reisen geht, die von zwölf Seepferden gezogen wird, begleiten wir ihn und viele andere Meeresjungfrauen! Dabei kommen wir durch alle Meere dieser Welt, kommen an Orte, wo aus dem Meeresboden mächtige Vulkane herausragen. Sie schaffen immer neue Inseln und Land. Um diese Magmakammern findet man die besten Nährstoffe, sowie wertvolle Mineralien und Erze, bis hin zu mächtigen Goldvorkommen!“ Simutu hörte mit offenen Mund zu und war über die Worte der Meeresnixen total angetan! Dabei zog eine der anmutigen Meerjungfrauen eine Perle hervor und überreichte sie mit lieber Geste den Helden! Simutu nahm die Perle in die Hand und sagte: „So eine große Perle habe ich nicht einmal den Nil entlang angetroffen! Sie ist viel größer, und wie kann ich euch drei hübschen Frauen danken?“ Die Nixen meinten, dass sie zu Hause ganze Gärten davon hatten, in denen die Muscheln in Ruhe leben konnten. Und zum Dank hierfür bekamen sie diese Perlen geschenkt!

„Doch nun werden wir uns gleich wieder von dir verabschieden, unser König will mit uns und seinem Hofstaat verreisen, und da kommen wir gerne mit! Kurz darauf wurde das Meer unruhiger und bei den Felsen tauchte der Herr der Meere auf. Er saß in seiner zwölfspännigen Meereskutsche und lachte zu Simutu herüber! So schnell er aufgetaucht war, so schnell verschwand er wieder in den Tiefen des Meeres. Simutu blickte verzaubert nach und betrachtete die herrliche Perle unter dem Licht der Nanna. Alsbald ging er zu seinem Lager und in der Stille des Apolls ein. Am nächsten Morgen brach er mit seiner Flugmaschine auf, drehte noch einige Runden um das Apoll, weil es aus der Luft so schön anzusehen war. Kreisrund sah er die farbig schimmernden Korallenbänke, Palmen und tropische Pflanzen sorgten für ein idyllisches Bild. Der Kreis in der Mitte des Apolls hatte türkisfarbenes Wasser, das tiefen Frieden spiegelte. Dann setzte Simutu seine Reise zum indischen Kontinent fort. Er flog einfach einem Verband von Störchen nach, die auf dem Flug zum Festland waren. Am späten Nachmittag sah er in weiter Entfernung Sandstrände und Palmen. Rasch kam er näher und landete mit seinem Fluggerät kurz nach den Stränden in einem Fischerdorf. Simutu landete bedächtig ein wenig abseits des Dorfes zwischen schützenden Büschen, um die Bewohner nicht zu verschrecken. Dann sicherte er seinen Flugdrachen und wandte sich über einen Feldweg zum Dorf. Inmitten des Dorfes fand sich ein schattenspendender Palmenhain vor. Alte Männer saßen an einem Feuer und brieten duftenden Fisch. „Setze dich nur her fremder Mann! Vielleicht hast du Hunger und möchtest Fisch essen. Dazu haben wir gutes Brot und Käse unserer Ziegen. Wir sind hier bescheidene Fischer und leben am und mit dem Meer! Wir fahren jeden Tag mit unseren kleinen Booten raus und werfen unsere Netze aus. Manchmal haben wir großes Glück und der Fang war groß und ein anderes Mal ist die Ausbeute spärlich. An Land flicken wir unsere Netze und sitzen beisammen. Und wie du siehst spielen unsere Kinder, weil sie frei sind und am Meer groß werden können. Das Meer lehrt uns Fischern die Zeitlosigkeit und auch den unendlichen Raum. Manchmal kommen große Schiffe vorbei, und wir sehen sie zuerst an ihren hohen Masten! So wissen wir, dass die Erde eine Kugel sein muss; wir haben das genau beobachtet!“

Simutu setzte sich erfreut in die Runde der Fischer und stellte sich höflich vor. Dann erzählte er lange über seine bisherige Reise. Die Fischer lauschten ganz fasziniert seinen Worten. Nachdem Simutu tiefes Vertrauen hatte, berichtete er von seiner einem Phoenix gleichkommendes Fluggerät! Die Fischer lachten und sagten: „Du warst sicher bei Aquarius auf seiner Insel! Er macht immer die verrücktesten Dinge! Erst vor kurzer Zeit war er mit einem Schiff bei uns, das unter Wasser schwimmen kann! Er hat mit getrocknetem Meerschaum eine Kuppel angefertigt, und mit Rudern und einem Steuerrad kann er sich in die Tiefen bewegen. Aber, ab und zu muss er wieder aufsteigen an die Wasseroberfläche und frische Luft in seine kleine Kuppel lassen. Das will er noch verbessern. Doch ist er so etwas wie ein genialer Erfinder! Aber sein Fluggerät haben wir noch nicht gesehen, zeige uns die Flugmaschine, an solchen Dingen sind wir sehr interessiert!“ So gingen sie über den Feldweg und konnten die neueste Erfindung von Aquarius aus der Nähe anschauen.

Währenddessen schauten Marduk, Pluto, Uranus und Neptun aufmerksam die ganze Zeit über zu, wie es Simutu erging. Neptun, jetzt wird er bald in Tibet eintreffen, auf dem Dach der Welt!“ Uranus konnte seinen Stolz wegen des Erfindergeistes seines Freundes Aquarius nicht verbergen und strahlte aus seinem göttlichen Gesicht. Und Marduk bemerkte, dass die Erfindungen nur dann welche seien, sobald sie auch Sinn machten. Pluto: „Simutu hat sein Haus verlassen und ist jetzt dabei endlich zurückzukehren!“

Die Fischer wussten, dass der Jüngling es ein wenig eilig hatte, war er doch so gespannt auf die heilige Stätte, hoch im Himalaja Gebirge sich befindend. Simutu verabschiedete sich und startete wieder in die Lüfte. Nach vielen Stunden musste er an Höhe gewinnen, da das göttliche Gebirge majestätisch vor ihm lag. Die Luft wurde dünner und so musste er sich anstrengen in gewünschte Höhen kommen zu können. Utu schickte seine Strahlen durch Bergzinnen hindurch und unten sah er sehr kleine Dörfer mit bunten Farben vieler kleiner Fahnen sich dem Wind entgegenstrecken. Schnee bedeckte die Gipfel, der zartblau unter der Sonne glitzerte. Jetzt wurde es kälter, aber Simutu verspüre eine starke innere Wärme und war angetan von dieser traumhaften Kulisse des Himalajas. Hier schienen die Götter vor langer Zeit gelandet zu sein, vielleicht als Urgeschlecht der Menschenwesen. Hier fand sich manches nicht und doch schien alles vorhanden zu sein. Die Energien des mächtigen Gebirges strahlten über alles still und erhaben. So landete der Held auf einer flachen Ebene, welche von steilen Bergen umgeben und geschützt war. Die Menschen hier waren gezeichnet von dem rauen Klima, hatten Falten in ihren bräunlichen Gesichtern. Aber sie strahlten liebevolle Lebenskraft aus! Ihre Augen blitzten freundlich und schienen das Licht der Gebirge zu spiegeln. Die Kinder strahlten beinahe um die Wette, als Simutu auf eine Gruppe Hirten zuging, die Schafe mit dicker Wolle behüteten. Davon erstellten sie sich bunte Kleider und schmückten ihre Häuser mit Reihen von Fähnchen, aneinandergereiht wie auf Perlenschnüre. Freudig luden die Hirten den Helden ein zu sich ins Dorf. Diese Menschen verstanden den Umgang mit Farben, und so hingen wärmeschützende Wandteppiche in allen Farbtönen in den Zimmern der beschaulichen aber bescheidenen Häuser. Meist stand in der Mitte ein Feuerkessel, wo man gerne Tee mit runzeliger Butter reichte. Dazu erfüllte Räucherwerk die Zimmer. Simutu sah Seidenteppiche, auf denen viele Gottheiten erkennen zu waren. Und sie waren aus einem Kreis in der Mitte heraus nach außen angeordnet. Aus diesem Zentrum heraus umrahmte ein Viereck den Kreis und darin saß ein erhabener Urgott. Er war von acht zornigen und sieben friedvollen Gottheiten umgeben. An jeder Ecke saß ein Buddha, also nach Süden, Osten, Westen und Norden ausgerichtet.

Aus vielen Häusern hörte man das Murmeln bestimmter Mantras, Trompeten und Schellen aus reinem Messing. Dazu bliesen an den Hängen Mönche in Hörner mit einer Länge von 10 Fuß. Die ganze Gegend war in einer fortwährenden Schwingung. Alles wirkte heilig, so natürlich und in tiefem Frieden verharrend. Simutu ging wieder ins Freie und erblickte Mönche, die sich auf eine Art Prozession vorbereiteten. Sie hatten vor am nächsten Tag eine heilige Stätte hoch oben aufzusuchen und sich heilenden Segen bei einem uralten Mann zu erbeten, der schon 60 Jahre dort in einer Höhle verbracht hatte! Dabei richteten die Mönche liebevoll Geschenke für den Mann her, der in der Gegend als Heiliger einen Ruf hatte. Der älteste der Mönche bemerkte rasch den fremden Simutu und bat ihn zu sich: „Deine Erscheinung kommt mir fremd vor, aber deine Seele kenne ich seit langer Zeit! Du bist beinahe um die halbe Welt gereist, bis du uns endlich gefunden hast!“ Dann nahm er Simutu in seine knochig alten Arme und umarmte ihn sehr herzlich. In der Zwischenzeit hatten die Kinder des Gebirgsdorfes die Flugmaschine entdeckt, die Flügel abmontiert und daraus eine Fähnchen Kette gebastelt. Das Gestänge verwandten sie als Zeltstangen für die Hirten.

„Lasse die Flugmaschine frohen Herzens zurück! Die Kinder haben erkannt, wofür wir das alles nutzen können. Du hast dieses Gerät nicht mehr notwendig liebster Freund, da du jetzt unter uns weilst!“ sagte der alte Mönch und lud ihn ein, am nächsten Tag mit zur Pilgerstätte mitzugehen. Simutu willigte freudig ein. Am nächsten Morgen machten sich die Mönche mit Simutu und vielen anderen Bewohnern auf zum Gipfel. Eine Menge Leute war gekommen, so dass sie 144 Personen zählten. Utu glitzerte sich förmlich in den weißen Schnee und spiegelte sein eigenes Licht in die Gesichter der großen Gruppe. Die Mönche schritten mit ihren gelbroten Gewändern voran und summten in einem Fort ihre Mantras wie an einer Schnur herunter. Zur Mittagszeit standen sie vor der Höhle des Eremiten. Der alte Mann hatte schulterlanges Haar und war nur mit einem Schurz bekleidet, so dass er beinahe gänzlich nackt war. Er saß mit gekreuzten Beinen im Diamantsitz auf einem Fell im Schnee und hatte die Augen geschlossen. Schweigend nahm der heilige Mann die Gaben der Mönche an, welche aus Räucherwerk, Marzipan und alter, runzeliger Butter bestand. Einer nach dem anderen schritt an dem Heiligen Mann vorbei und beugte sich dabei fast bis zum Boden. Simutu war bescheiden und ging als Letzter zu dem weisen Mann. Der Mann hatte nach wie vor die Augen geschlossen. Als sich Simutu wieder abwenden wollte, flüsterte der Alte: „Simutu, du sollst bei mir bleiben diesen Tag, da ich dir etwas offenbaren möchte!“

Als Utu die Dämmerung einleitete, stand der heilige Mann von seinem Platz auf und bat Simutu, ihm in die Höhle zu folgen. Der alte Mann schnippte dreimal mit seinen Fingern und sofort erwärmte ein violettes Licht den Raum. Dort waren einige Felle und der Heilige bat den Jüngling Platz zu nehmen. „Mein Freund und geliebter Weltendiener, du hast zwölf lange Reisen hinter dich gebracht! Aber nun möchte ich dir das zeigen, was die dreizehnte Reise betrifft. Dabei zeigte sich messerscharf die kosmische Spalte. Nach vorne ging es in das irdische Leben, nach hinten sah man die Phase vor der Geburt, und in der Mitte war ein Tor, welches Raum und Zeit aufhob. „Gehe durch dieses Tor hindurch tapferer Krieger der Nächstenliebe!“ flüsterte der alte Mann Simutu in das Ohr. Dann wurde es ihm ganz schwarz vor den Augen und alles wurde total dunkel! Die Stille war fast ein wenig gespenstisch, alles wurde leer und hatte keinen Inhalt mehr. Plötzlich zeigte sich das Licht und Simutu sah sich, wie er aus einem viereckigen Behälter, einem Sarg von drei Engeln befreit wurde. Sie brachten ihn zu einem weiteren Tor, welches von dunklen Dämonen bewacht wurde. Es waren die Wächter der Göttin Kali, das weibliche Prinzip, die Hervorbringerin von allem Leben. Furchtlos ging Simutu auf die Dämonen zu und schaute sie ohne Angst an. Dabei bemerkte er, dass alles was um ihn war, alles was um ihn geschah, sein eigener Geist zum Leben erweckte! Dann sah er einen unendlichen Strom von Menschen, wie sie sich leidenschaftlich paarten, Kriege untereinander führten, und wie sich seit Urzeiten an das Rad von Tod und Geburt stetig bewegte. Simutu ging unbeirrt an den Dämonen durch die heilige Pforte. Göttliche Trompeten beschallten dass Licht. Dort gab er seine Persönlichkeit endgültig auf. Sein Geist vereinte sich mit dem göttlichen Urlicht, in sich selbst schauend und leuchtend. Er hatte schon so viele Leben hinter sich gebracht, ist immer wieder durch den Tierkreis gewandert und hatte die göttliche Nächstenliebe in die Welt hinausgetragen. Aber er konnte sich zwischen den höchsten Ebenen der Schöpfung frei bewegen und zog es vor, seine göttlichen Freunde im zwölften Haus aufzusuchen. In seiner Zerstreutheit hatte er vergessen, dass er von Anfang an dort seine Heimat hatte. So saß er da und beobachtete das Rad des Lebens. Und jeden, der kurz vor seiner Geburt und Inkarnation stand flüsterte er ins Ohr: „Oh Edelgeborener, vergiss es nicht, Gott ist ein Licht! Wer es nicht wird, der sieht es nicht!“ Hier endet die lange Reise des heldenhaften Simutu!

C by Arnold Buchenrieder

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 Betreff des Beitrags: Re: Neptuns lange Reise.
BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 16:50 
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Beiträge: 3062
Wohnort: bei Stuttgart
Lieber Arnold,

vielen Dank für diese so wunderbare und lange Geschichte über Neptun`s Reise durch den Tierkreis. Es lohnt sich jedenfalls diese Geschichte in einer entspannten Musestunde ausführlich zu lesen :lesen: .

Liebe Grüße
Sophia :weihwinke:


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 Betreff des Beitrags: Re: Neptuns lange Reise.
BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 18:47 
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Beiträge: 2132
Wohnort: Urberach, Hessen
Lieber Arnold hearth
auch von mir ein herzliches Dankeschön für diesen riesen langen Beitrag, den ich mir auch für einen langen Winterabend aufheben werde :weihwinke:
Liebe Grüße, auch an Rosi
Brigitte
:weihwinke:

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 Betreff des Beitrags: Re: Neptuns lange Reise.
BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 10:00 
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Registriert: 28. Mär 2009, 10:59
Beiträge: 1506
Wohnort: 85614 Kirchseeon bei München
Hallo ihr Lieben, :flowers: :flowers: :luck: :luck:

Herzlichen Dank für euer Feedback! Eine relativ lange Geschichte, für die man sich notwendige Zeit nehmen sollte!

Alles liebe! :hallo: :zauber:

Arnold

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