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ArnoldModerator
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Saturn - Kronos
      #86424 - 31.07.2005 10:39

Saturn – Kronos von Fritz Gehre, aus der Zeitschrift „Astrolog“ Nr.1 vom 20.4.1981


Den mythologischen Raum, die Urbilder, in uns bewusst zu machen, das möchte ich über Saturn, den griechischen Gott Kronos, versuchen. Wahrheiten, geschaute, tönen durch, zeigen uns, wo die Wurzeln der Astrologie liegen, zeigen uns gleichzeitig, dass sie sich rational nicht beweisen lässt, dass sie aus dem Bild kommt. Drei Bereiche werde ich herausnehmen, die sich auf Saturn beziehen:

Die Zeit im Ablauf, das Sammelnde in seinem, Saturns Schutz und die Reife als wirkliche Umsetzung.

Die Zeit

Saturn läuft langsam, am langsamsten von allen sichtbaren Planeten, da er der am weitesten entfernte unter den „klassischen Sieben“ ist; er braucht 29,5 Jahre bis er einmal den Tierkreis umkreist hat, eine Generation. Der Mond durcheilt auf die Sonne bezogen, also synodisch, in ebenso vielen Tagen den Zodiak, sodass mit 12.2° siderisch ein Mondtag einem Saturnjahr entspricht. Wie wir im Symbol des Saturn sehen, trägt er gleichsam den Mond in zu- und abnehmender Form mit und fixiert oder realisiert ihn mit dem darüberliegenden Kreuz. Das „ungesteuerte Totenschiff“, das noch außerhalb jeder Wirklichkeit für alles offen ist, wird durch die reale, die körperliche Endlichkeit bewusst gemacht. Griechisch ist Kronos die Zeit, die messbar in der Chronik der alten Kulturen unserer Vergangenheit ist. Dem Saturn wie auch dem Symbol des Eremiten wird das Alter zugesprochen, das Wissen um die Endlichkeit, schon da er das Ende alles planetarisch Sichtbaren ist und dieses begrenzt. Alt, schwer und wirklich sind Steine – saturnisch sind daher die Steinkulturen, wie wir an den Pyramiden oder den Mauern der Inkas sehen.

Aber auch unsere Stadtmauern oder die Kirchen und Burgen sind in einem langsamen saturnischen Zeitablauf gebaut worden und setzen Grenzen gegenüber dem Zeitlosen. Was aus den Kulturen überliefert wird, ist unser Erbe, sind unsere alten religiösen Traditionen, in künstlerischer wie auch politischer Überlieferung. Dabei bedeutet Saturn das immer Da – Seiende, wie ein Märchen ohne Ende, das aus der Zeit kommt und in die Zeit geht und weiterschreitend die Weisheit mit sich trägt. Die saturnischen Bauten der Inka entsprechen den saturnisch hohen Bergen, den Anden, und wir finden dort schmallippige, klobige Köpfe, die mit angelegten Armen ernst und starr – einfach saturnisch – wirken. Der Totenkult und die Mumien in der steinigen Wüste, sie sind der Zeitablauf von Saturn. Darstellungen von Lahmen, Einäugigen oder Krüppeln, was sind sie anderes als saturnische Grenze? Und schließlich sind dauernd gebrauchte Haushaltsgegenstände eine reale Fixierung der Zeit. Genauso muss die chinesische Kultur als ein geduldiges, ununterbrochenes Lernen und Weitergeben verstanden werden.

Jeder von uns, wir alle, sind hineingesetzt worden in die Zeit und jeder kann mit seinem Saturn seine eigene Zeit in sich entdecken, kann sie erfahren. Der doppelgesichtige Januskopf sieht, sowohl rückwärts wie vorwärts, und rückwärts bleibt er abhängig von der Vergangenheit, an die er kausal sich bindet, aus der er andere beherrscht; vorwärts schauend stellt er sich um und macht sich frei für die Wiedergeburt. Sinnlos wäre es, in einer zurückhaltenden Abwehr zu bleiben, um dann – aus Gewohnheit wie das „ius-talionis“ – Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Sinnvoll ist es, seine inneren Werte anzunehmen, sie zu verwirklichen, um bewusst aus seiner Ganzheit zu schöpfen. Das was wir mit Schicksal bezeichnen, kann das unpersönliche Nichts des Buddhisten sein, oder die Null der Inder, kann Demut bedeuten. Schicksal kann sich aber auch in einem persönlichen Lernen erfahren, um aus dem Stürzen und Fallen immer freier zu werden.

Das Sammelnde

Kronos verschlang seine Kinder, aber er hat sie nicht getötet, er bewahrte sie nur auf aus Angst, sie könnten ihm etwas antun. Und Zeus schnitt ihm den Bauch auf und hat sie alle befreit. In diesem Bewahren erkennen wir ein Wissen um die Endlichkeit, spüren wir die schützende Geste: - Kronos sammelt die Kinder, er zog sie in sich zusammen. Physisch werden wir Menschen durch unsere Knochen und die Haut geschützt, bei den Tieren ist es die Umschalung oder der Pelz. Anders gesehen bewahren wir unsere schöpferischen Werte und beherrschen uns, um jedes seelische Überfluten im Zaum zu halten – wir gehen nach innen. Das Rittertum schützt sich nach außen, ist stolz, ist beherrscht und dabei gehorsam; der Aspekt konzentriert sich, er kontempliert und meditiert. Schützen und nach innen gehen ist ein mütterlicher Aspekt der Vertiefung, wozu die Inder „Samyama“ sagen: eine ausgedehnte Konzentration, durch die eine intuitive Kenntnis vom kosmischen Raum erlangt wird. Saturn ist nicht naiv, er ist reif, denn aus ihm entstehen Erfahrungen und sie sollen sich verwirklichen – auch jene der Einsamkeit; wer lachen kann aus dieser selbsterfahrenen Einsamkeit, dem gibt Saturn seinen Humor.

Ein sich beobachtender Mensch, der in seinem Körperbewusstsein nur sich selbst sieht, zieht sich zusammen und wird mit der Zeit chronisch krank. Kollektiv nistet sich die Erbschuld ein, die aus der Vergangenheit übernommen wird, was nichts anderes ist, als eine Angst, sich selbst anzunehmen, auf sich selbst zu vertrauen. Die starre Haltung wird jenem bekannten depressiven oder Minderwertigkeitsgefühl und damit zu einer saturnischen Dauererscheinung. Ein immer dichter werdender Stein lässt andere menschliche Schicksale nicht mehr herein, riegelt ab, macht intolerant, grausam oder autoritär. Was ist die Ursache, woher kommen diese, wie es scheint, sich selbst bestrafenden Hemmungen? Ich sehe in diesem Vorgang ein stets sich selbst verneinendes Gewissen, ohne Vertrauen, das in seiner Unselbstständigkeit sich nach den allgemeinen, vorgeformten Sitten und Verboten richtet. Ich kann darin den unbeweglichen, den starren Gegengott Luzifer erkennen, der sich an Formen bindet, die leblos geworden sind.

Das Sammelnde ist Sammlung und bezieht sich auf lebendige Äußerung, wie sie in Plastiken oder in der Architektur, beispielsweise als eine konzentrierte Kraft sich darstellen kann. Dazu ist Einsamkeit notwendig, um sich selbst zu entdecken, um in der Stille jene Zeit zu empfangen, die zur eigenen wird. Saturn ist bewusst, ist der bewussteste Planet von allen und dabei ganz wirklich, - das einzige Symbol, das oben mit dem Kreuz, eben mit der Wirklichkeit beginnt! Ein Mensch, der diese, seine bewusste Wirklichkeit fürchtet, flieht in den Raum, irgendwohin, da er Angst hat, seine eigene Zeit dem kollektiven Schicksal entgegenzustellen. Die andere Flucht ist die Krankheit; chronisch geworden gehört sie dem Menschen ganz, und diese Krankheit braucht er, damit andere sehen, wie hilfsbedürftig er ist. Kann ich mich abtrennen von dem, was ich geduldig gesammelt habe, dann kann ich geben und werde frei, denn es ist Raum da für Neues!

Die Reife

„Saturnalien“ und „Hüter der Schwelle“, Worte oft schon gebraucht, bedeuten das, was Saturn uns aufgibt. Prüfungen gab es in jeder Kultur – die Reifeprüfung, ob ich Mensch bin und mich von mir aus allein entscheide! Stellen wir den Lebensbaum ins Horoskop, dann sind oben die Früchte des Saturn in Steinbock und Wassermann weit weg von der Kontaktachse Aszendent – Deszendent. Es sind die eigenen Früchte! Wenn die Schlange verführt, sieht sie nach unten ins Kollektiv, wenn sie den Kopf nach oben wendet, gibt sie Erkenntnis. „Hüter der Schwelle“ bedeutet, dass ich bewusst zurückgehen kann, um aus „Amor Fati“, aus meiner Eigenvollendung mein Schicksal zu lieben, es anzunehmen. Dies bedeutet, dass ich erkenne, wo ich meine eigene Zeit habe, die nur mir ganz persönlich gehört. Zurückgehen heißt, die Erfahrung umsetzen, sie verwirklichen, um es anders zu machen wie bisher. Denn: alles wiederholt sich ununterbrochen, solange, bis ich ganz deutlich spüre, dass mein Weg der falsche war. Krankheiten, Unfälle, Liebesleid, ja überhaupt „Pech“ ist kein Zufall, alles ist von einem höheren Logos nur Anstoß, eben um dadurch reifer zu werden.

Antigone stellte bei Sophokles ihr persönliches Schicksal dem Allgemeinschicksal der Götter gegenüber und wählte den Freitod – ebenso hat sich Sokrates entschieden, Christus durchlitt sein Schicksal körperlich, er trug sein Kreuz, seine Zeit mit dem eigenen Körper. Damit will ich sagen, dass wir die angeborenen Anlagen überwinden sollen, um unser persönliches Schicksal zu wählen und es zu leben. Überwinden heißt weitermachen und anders machen zugleich, sich verantworten können für das, was durch das Abtrennen vom Kollektiven geschieht. Hölderlin sagte in „Hyperion“: „Des Herzens Woge schäumte nicht so schön empor und würde Geist, wenn nicht der alte stumme Fels, das Schicksal ihr entgegenstände“. Schicksal von außen, die Zeit in die wir hineingeboren wurden, ist die Bewährung, die Forderung, damit der Geist gleichsam Material hat, um zeitlos und damit ewig zu werden.

Ist der Mond das offene, in die unbekannte Zukunft fahrende Totenschiff ohne Bewusstsein, voller Wünsche und Bilder wie sie ein Kind hat, dann weiß Saturn genau wo die Grenzen gesetzt sind; er kann bewusst vollenden, was der Realität bisher träumend gegenüberstand. Jeden Gedanken zu Ende zu denken und versuchen diesen umzusetzen, es nicht wegzuschieben von sich oder einzusperren: Dies erst lässt die Früchte reifen. Dann habe ich eine andere Zeit, nämlich die eigene! Erst von dort aus, von der saturnischen Reife, kann der richtige Zugang gefunden werden zu dem, was in den neuen geistigen Planeten drin ist. Das Imaginative in diesen Planeten wird zum schöpferischen und damit bejahenden, wird zu weiterführenden eigenen Bildern. Uranus, Neptun und Pluto verlangen zuerst verwirklichte Umsetzung, die ständig versucht, auf eigene Weise zu tun!




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