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Tarot und Astrologie von Hajo Banzhaf Foren

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ArnoldModerator
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Marduk - Assur - Ares - Mars
      #86386 - 30.07.2005 23:08

Marduk – Assur – Ares – Mars.


Das Stirb und Werde.


Im Horoskop ist der Planet Mars für zwei Zeichen zuständig, einmal für das erste Zeichen Widder, und dann für das achte Zeichen Skorpion. Zu Anfang, zur Frühlings – Tag und Nacht – Gleiche, bricht er mit ungeheurer Kraft durch, reißt die gefrorene Erde auf, lässt wachsen, grünen und blühen. Im November wendet sich der Mars nach innen; unter dem feuchten Laub bereitet sich in aller Stille das neue Wachstum vor. In diesem doppelten Vorgang ist der Stirb- und Werde – Prozess darin, ein Kampf, der das Opfer verlangt. Symbolisch gab es die rituellen Kämpfe zwischen Ordnung und Chaos oder im Frühling die zwischen den Geschlechtern. Es siegte das fruchtbare, lebensbejahende Sein über den Tod, der der Winterstarre gleichgesetzt wird. Opfer versinnbildlichen immer sein Verzichten – Können, ein Zurücktreten vor den Göttern, oder den Ahnen. C. G. Jung sieht im Tierkreis ob Schaf oder Stier, den Sieg des geistigen Menschen über seine Animalität.

Später wurden wie jedem Gott auch dem Mars Tempel gebaut, geordnete, umfriedete Räume, die die große kosmische Ordnung versinnbildlichen. Im Tempel sehe ich jetzt die Verleiblichung dieses Gottes, der jetzt praktisch mir gehört, den ich gebrauchen kann. Der dort verborgene und bewachte Schatz symbolisiert das esoterische Wissen, das jeder einzelne für sich bewahren soll. Für seine innere Aufgabe muss dieses Wissen im Tempel rein bleiben und sauber.

Das Stirb und Werde, wie es der Mars im kraftvollen Hinausgehen und im unsichtbaren Zurücklaufen uns zeigt, will ich aus der Götterwelt uns näher bringen, Babylon und Assyrien ,Griechenland und Rom sind jene Kulturen, aus denen unsere Astrologie gewachsen ist und von woher wir unsere Symbole am besten verstehen können.


Babylon und Assyrien.


Marduk als Herrscher über alle babylonischen Gottheiten war ursprünglich ein Sonnengott. Im Kampf, um aus dem Chaos Himmel und Erde zu trennen, trat Marduk auf: er schleuderte der furchtbaren Göttin Tiamat in dem Augenblick, da sie den Mund öffnete, um ihre Medizin einzunehmen, einen gewaltigen Windstoss in die Rachenhöhle; darauf stieß er ihr seinen Speer in den vom Wind geschwollenen Bauch, dass sie platzte. Die Sage erzählt weiter, dass er dann den Leichnam der Göttin der Länge nach in zwei Hälften spaltete. Eine Hälfte hing er sich über die Höhle, und aus ihr ging der Himmel hervor; die andere Hälfte breitete er unter seinen Füßen aus, damit sie sich zur Erde forme.

Im Gilgamesch Epos begegnet uns in Enkidu das Marsische wieder; Aruru die des Formens kundige Göttin, schuf aus Lehm und dem muttergöttlichen Speichel Enkidu, einen Helden von der Kraft eines Wildschweins, bedeckt mit der Mähne eines Löwen und an Schnelligkeit einem Vogel gleich. Und weiter wird Enkidus Beziehung zu einem blühenden Weib aus Ischtars Garten beschrieben wie folgt:

„Da löste das Weib das Tuch ihres Busens, enthüllte den Hügel der Freude, damit ihre Fülle er nehme. Sie zögerte nicht, nahm wahr seine Lust. Hin sank das Gewand, er sah sie und warf sie zu Boden. Begierde erregte sie ihm, das Fangwerk des Weibes. Fest ruht seine Brust auf der heiligen Dienerin Gottes.“

Schließlich ist der Kampf zwischen Gilgamesch und Enkidu wesentlich. Enkidu hat Gilgamesch den Weg versperrt, und deswegen kämpfen sie lange miteinander. Gilgamesch besiegte ihn zuerst mit seiner Kraft, dann mit seiner Herzlichkeit; beide werden hingebende Freunde. Wesentlich ist dieser Kampf für mich deswegen, da hinter dem kämpfenden Mars seine hinnehmende, seine sich wandelnde Kraft hinzu kommt.

Assur, die nationale Gottheit Assyriens, war ein Sonnengott, kriegerisch und erbarmungslos gegen seine Feinde. Dass Volk glaubte, er empfinde eine göttliche Befriedigung, wenn man vor seinem Tempel Gefangene hinrichtete. Marsisch muss dies menschliche Opfer verstanden werden und zugleich gerechtfertigt, da es Feinde waren. Die Assyrer waren ein kriegerisches Volk, und auch die Kunst bezog sich erstlinig auf Kriege. Daher konnte die Religion nichts Besseres tun, als den zukünftigen Bürger patriotisch fügsam zu machen. So lässt ein Monarch folgende Worte zur Bewunderung der Nachwelt in die Backsteine meisseln:

„Meine Kriegswagen zermalmen Männer und Tiere. Die Denkmäler, die ich errichte, sind aus menschlichen Leichen aufgetürmt, von denen ich den Kopf und die Glieder abgeschnitten. Ich schnitt allen jenen die mir lebendig zufielen die Hände ab:“

Erst später entwickelte sich in Assyrien die teilweise vom babylonischen Lehrmeister übernommene Kultur zu einer eigenen. Vielleicht liegt gerade darin die Wandlung des Mars, der zuerst zerstören muss, um dann das Zerstörte anders zu sehen, um sich auf diese Weise selbst zu erkennen!


Griechenland.


Hera, die Gattin des Zeus, konnte Kinder aus sich selbst gebären, also ohne den Gatten. So gebar sie aus Zorn, denn sie fühlte sich vom Götterkönig beleidigt, den Kriegsgott Ares und auch Hephaistos. Eine andere Geschichte erzählt die Empfängnis des Ares wie folgt: über die Göttin der Erde Gaia wird ihr eine Pflanze gegeben, sei es eine Blume oder ein Gras, die das unfruchtbarste Wesen fruchtbar macht. Als Hera diese Pflanze berührte, empfing sie den Kriegsgott, zog nach Thrakien und gebar ihren Sohn Ares. Der vaterlos geborene Gott ist entstanden aus der fruchtbaren Natur, und jeder Zorn zeigt seine Kraft. Priapos, ob er Vater oder Sohn von Hermes gewesen ist, der eine Missgeburt war, ein phallischer Gott oder ein Hermaphrodit, dieser Priapos hat Ares von Hera zur Erziehung übernommen. Er bildete ihn zu einem vollkommenen Tänzer und darnach erst zum Krieger. Damit wird gesagt, dass vor dem Zerstören zuerst die Vollkommenheit der eigenen Bewegung da sein muss, eben jene innere Auseinandersetzung zwischen Chaos und Ordnung.

So wird uns erzählt, dass mit Hermes auch Ares dabei war, als sie mit den Chariten und Horen im Reigen tanzten, sich gegenseitig am Handgelenk fassend. Das andere Gesicht des Kriegsgottes Ares sehe ich nach dem nach unten ins Meer fallenden Hephaistos. Hera hat ein Kind geboren, das auf beiden Füssen hinkte, da Sohlen und Zehen nach hinten gerichtet waren, nicht zum Gehen bestimmt, sondern zu einer vorwärts rollenden Bewegung des ganzen Körpers. Hephaistos, der im Fallen aussah wie ein Feuerrad, brauchte einen ganzen Tag, bis er vom Olymp auf der Erde war. Es wird ferner erzählt, dass die Geburt zu früh erfolgte und die Missgeburt die Frucht dieser Frühzeit ist. Im Meer wurde Hephaistos von zwei Göttingen geborgen, und er blieb neun Jahre in einer Grotte, wo er Ohrgehänge, Schnallen, Spangen und Ketten schmiedete.

Auch das befreiende Lachen, das er bei den olympischen Göttern hervorrief, gehört zu
Hephaistos, als er die von ihm in goldenen Ketten gefesselten Götter Ares und Aphrodite ihnen gezeigt hat. Jenes andere Gesicht, das Hephaistos uns zeigt, ist der nach innen sich wendende, skorpionische Mars, denn er geht nicht, er rollt hinein in die eigene Tiefe, in das Wasser und wird darin geborgen. Im Feuer verwandelt er die Metalle zu kostbaren Schmuck, und das Lachen der Götter antwortet ihm auf sein angeborenes Leiden, es befreit ihn zugleich! Vielleicht bedeutet die frühe, die missratene Geburt das innere Wissen um die eigene Begrenztheit. Dies Wissen nämlich bewirkt jene größere Kraft, um sich selbst immer wieder neu behaupten zu können.

Triptolemos als eine dem Ares verwandte Gestalt, ist der dreifache Krieger – indes ändert sich sein kriegerisches Wesen, und er wurde zum Besänftiger wilder Sitten. Triptolemos war derjenige, der auszog in die Welt, um das Getreide, das Brot unter die Menschen zu verteilen. So sieht man ihn auf Vasen abgebildet, auf einem Wagen, der nur aus zwei Rädern und einem Thron besteht; an den Rädern sind Flügel und Schlangen sichtbar, und Triptolemos auf dem Thron trägt Ähren in der Hand. Eine andere Perspektive tut sich auf, nicht jede, die von Streit, Krieg und Schlachten handelt, die Homer so verhasst war und weswegen wir von ihm wenig über Ares wissen. Aus dieser Sichtweise können wir uns mit den Flügeln darüber erheben, können, aus dem Skorpion, den Vogel Phoenix machen und dürfen mit den Schlangen zu dieser Erkenntnis kommen. So wie Hera die Pflanze berührte und damit die wachsende Natur, ebenso kehren wir mit dem Brot, der Ähre, an den immer neu werdenden Anfang zurück!


Rom.


Mars, als der Vater des Romulus, ist der Stammhalter des römischen Volkes. Suo Marte bedeutet auf eigene Faust, ohne fremde Hilfe. Schließlich leitet sich von Mars mensis unser Wort für März ab! April, von aprire = sich öffnen, wird gleich der aufspringenden Knospe der Göttin Venus zugeteilt – die Monatsnamen verschieben sich, auf die Planeten bezogen, rückwärts. Bevor Mars jener bekannte Kriegsgott wurde, war er die Erde selbst, Tellus oder Terra Mater, war ganz einfach der Grund, auf dem er ging; damit war Mars der fruchtbare Boden selbst. Diesmal sehen wir die Urbewegung in der Natur, so wie wir sie im griechischen Tanz auf den Menschen beziehen müssen. Mars war zunächst der Gott des Ackerbaus und wurde dann zum Gott der Krieger, ja fast zu einem Symbol Roms. Oder: ein Kampf kann erst dann entstehen, wenn ich mir selbst etwas erwerbe, das dann mir gehört. Jeden Mai führten die Priester der Arvalen = Flur-Brüderschaft einen singenden Prozessionszug um die Grenzen aneinander stoßender Bauerngüter, bekränzten die Grenzsteine mit Blumen, besprengten sie mit dem Blut von Opfertieren und flehten Mars = die Erde an, reichlich Frucht zu tragen. Die Religion sanktionierte den Besitz und schlichtete Streitigkeiten.

Zu dieser unkriegerischen Reibungslosigkeit gehört das ewige Feuer auf dem Herde, gehört die Wesensheit der Göttin Vesta, die geheiligte Flamme. Für den Römer war neben dem Ackerbau die Familie eine Quelle der Religion: ihr Leben und ihre Fortdauer symbolisiert sich in einem Feuer, das niemals verlöschen darf, das sorgfältig gepflegt werden muss. Vestalische Jungfrauen besprengten den Staatsherd jeden Tag mit geweihtem Wasser aus dem Brunnen einer heiligen Nymphe. Diese weiß verschleierten Nonnen wurden unter sechs bis zehnjährigen Mädchen ausgesucht, die sich verpflichteten, in ihrer 30jährigen Dienstzeit Jungfrauen zu bleiben. Was ich damit sagen will ist, dass jene feurige Kraft nach innen brennen soll, dass sie gehütet werden muss, um symbolisch dem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Wasser, das Symbol der Reinigung, genau so wie der Verzicht auf geschlechtliche Beziehungen, gehören ins achte Haus, sind die Vorbereitung der eigenen, neunt-häusigen Freiheit!

Viel später, unter Augustus, kurz vor Christi Geburt, ließ dieser einen Tempel für Mars Ultor – den Rächer – erbauen. Das eine Ende seiner Cella lief in eine halbkreisförmige Aspis aus, eine architektonische Form, die später zum Chor der frühchristlichen Kirchen entwickelt wurde. Diese Tempel sollen die alte, die dahinschwindende Religion und mit ihr die Moral festhalten, genau wie es der runde Vestatempel auch tut. Dem entsprechen jene rituellen Prozessionen der Arvalbrüder, die in einem alten Latein, das niemand verstehen konnte, ihre Gebete an Mars richteten. Immer wenn Religionen zu Ende gehen, sich mit anderen vermischen, gehen ihre Symbole verloren. Auch das, was Mars bedeutet, wird anders, dich der Krieger bleibt bestehen, wird ersetzt, wie von selbst, mit anderen Bildern.



Mars und Venus im Gespräch.


Es ist uns allen bekannt, dass Mars und Venus eigentlich nicht sprechen, wie Merkur und Jupiter. Ob wir hineinschauen in uns oder hinausschauen aus uns, wir entdecken die beiden einfach so, wie sie sind, wie sie sich zeigen oder in ihrer Art wirken! Aber lassen wir sie mal sprechen, vielleicht sagen sie uns, wie ihre Art zu leben aussieht, sagen uns etwas über ihre schöpferischen Kräfte. Erinnernd brauche ich wohl nicht eigens darauf hinzuweisen, dass Mars der Anfang aller Dinge ( im ersten Haus ) ist und dass dieser liebe Kerl ohne sein Gegenüber überhaupt nicht weiß, was er tut. Ebenso wäre es ein bisschen wenig, wenn wir die Venus ( in Haus sieben ) nur von der Schönheit und Liebe sehen würden, denn welcher Künstler könnte farblos dahinleben?

Man hört ihn, den Mars, schon von weitem mit seinem festen Schritt, eisenklirrend wie in einer Ritterrüstung, so kommt es einem vor; dann setzt er sich ganz natürlich hin, fraglos, selbstverständlich – rücksichtslos möchte ich nicht sagen, es wäre ja eine Wertung. Die Venus spürt jeder, der ein bisschen was vom Duft und der Harmonie annehmen kann, wie sie elegant über die Treppe gleitet. Sie rückt den Stuhl behutsam wissend mit der Hand zurecht und sitzt dem fraglos – Ichbezogenen lächelnd gegenüber.

Mars macht eine kurze, korrekte Verbeugung und sagt: Es freut mich ganz besonders Sie zu sehen, denn vielleicht können Sie mir in einigen Fragen helfen, die mit meinem belastenden Alltag zusammenhängen?

Venus in ihrer Schönheit wohl bewusst, wirft ihre dunklen Locken zurück und erwidert lächelnd seinen Gruß. Dann sagt sie: Müssen wir denn gleich mit dem belastenden Alltag beginnen? Ich meine, es wäre zunächst gut zu wissen, wie jeder von uns beiden den Alltag überhaupt sieht.

Mars: Ich freue mich, wenn ich etwas vollbracht habe, denn ohne Tätigkeit werde ich zornig aus dem Nichtstun, vielleicht gegen mich selbst.

Venus: Ich kann das nur halb verstehen, denn die Schönheit der Blumen, des Himmels und der Menschen wird mir im Nichtstun einfach bewusster; damit lade ich mich auf und werde glücklich.

Mars: Ich frage Sie ganz bescheiden, schon jetzt, können Sie denn vor Ihrem Gewissen ruhig einen Tag beenden, wenn Sie sich nur aufladen und meinetwegen bewusster werden?

Venus: Ja, das kann ich! Viel Unnützes Hin und Her, viele Dauerbewegung wird sinnvoll, denn alles reduziert sich bewusst gesehen von selber. Ich weiß nicht, ob Sie verstehen, wenn ich sage, dass die Liebe vor dem Tun da sein muss.

Mars: Ich verstehe es teilweise, doch umsetzen kann ich es nicht! Ich falle in die Schwarz – Weiß – Thematik zurück, und selbst trotz jener viel gepriesenen Wandlungskraft ( achtes Haus ) fühle ich mich immer genötigt, etwas Sichtbares zu tun.

Venus: Natürlich, wir alle sind genötigt etwas zu tun, aber kann es jenes liebende Vorgefühl uns nicht leichter machen? Ich male Bilder, koche besonders gutes Essen und richte Wohnungen ein ( zweites Haus ), tue etwas, was mich freut.

Mars: Der mich belastende Alltag hängt davon ab, dass ich nicht nein sagen kann – nun, vielleicht sind auch egoistische Gründe dabei.

Venus: Nein sagen wird mir dann notwendig, wenn andere meine Kräfte benutzen. Ja sagen würde mich auf die Dauer frustrieren oder langweilen.

Mars: Vielleicht brauchen wir höhere Werte, ganz naiv gesagt einen göttlichen Schutz, der uns selbst die Fragen beantwortet?

Venus: Ich nehme den Neptun, die Liebe wird wie von selber umfassender. Mit ihrer Hilfe kann ich tausendmal mehr tun, wenn ich es echt damit meine!

Mars: Wen soll ich denn nehmen, wer versteht meine monotone Unablässigkeit, mein Kopfweh, mein Zurückschlagen zuweilen?

Venus: Ganz einfach, nehmen Sie den Pluto, öffnen Sie die Arme nach oben und lassen Sie diese gigantische Kraft hinein, sie wandelt wirklich“

Mars: Ich sage danke, denn bereit bin ich schon immer für alles gewesen.


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