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ArnoldModerator
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Bruno Huber: Der Mann im Mond oder der Mond im Mann.
      #83972 - 11.07.2005 16:58

Der Mann im Mond – oder der Mond im Mann.

Bruno Huber

„Ich bin ein Mann und zwar ein emanzipierter – und ich mag es nicht länger leiden, dass man den Mond immer nur den Frauen zuschiebt – wie wenn die ein Monopol auf die Gefühle hätten! Ich jedenfalls habe auch Gefühle, und ich mag sie!“

Dies ist der Anspruch eines Mannes, der es leid ist, immer nur gescheit und willensbetont und effizient zu sein, der sich auch mal anlehnen und an einer Schulter ausweinen möchte. Er formuliert ein Problem, dass ich immer wieder als Berater und Therapeut antreffe – seit vielen Jahren und in steigendem Maße. Auf der anderen Seite stelle ich auch fest, dass immer mehr Frauen „weiche“, empfindsame und einfühlende Männer mögen. Hier wird offensichtlich, dass sich das Rollenverständnis Mann – Frau in unserer Zeit gewaltig geändert hat und noch weiter verändert! Und so scheint es mir langsam an der Zeit, dass wir auch in der Wertung unserer astrologischen Deutungselemente nach einem der Entwicklung entsprechenden neuen Verständnis suchen, gemäß dem Prinzip, dass man „neuen Wein nicht in alte Schläuche füllen“ soll. Unser neuer Wein ist ein neuer Menschentypus – der Mensch, der den Grundstock für ein neues Zeitalter bilden soll.

Anima und Animus.

Auf meiner jahrzehntelangen Suche nach gültigen und schlüssigen Definitionen der astrologischen Elemente, besonders der Planeten, bin ich zunächst immer wieder über den Mond gestolpert. Er entzog sich, solange ich mich an der vorhandenen Literatur orientierte, präziser Definition im Bereich der Gefühlsreaktionen, der Kontaktprobleme und der erwachsenen Rollenvorstellungen. Nach C. G. Jung – der für mich lange das A und O der Psychologie war – handelt es sich hier um den Themenbereich Anima – Animus. Probleme menschlichen Zusammenlebens, insbesondere von Mann und Frau, entpuppten sich letztlich immer als ursächliche Elternprobleme. Das Kind erlebt in den Eltern ( oder entsprechenden Ersatzpersonen ) das erste, und deshalb prägende Beispiel der Rollenbilder von Mann und Frau, Vater und Mutter. Ihr gegenseitiges Verhalten ( Rollenspiel ) bleibt in der Psyche des erwachsen werdenden Menschen als Matrix der Partnerschaft erhalten. Als Erwachsener versucht man dann in der Bildung einer eigenen Partnerschaft dieses Muster wieder zu etablieren. Man steht unter dem unbewussten ( Erfüllungs- ) Zwang dieser Matrix, was immer an Freud und Leid, an Genüssen und Problemen beinhaltet.

Leitbilder.

Daraus ist ersichtlich, wie wichtig die Rolle der Eltern für jeden Menschen, in übrigens allen geschlechtsbestimmten Funktionen des Erwachsenenlebens ist. Es ist deshalb von besonderer Bedeutung, im individuellen Horoskop die Faktoren Vater und Mutter herauszuschälen zu können. Die klassische astrologische Literatur schlägt vor, der Sonnenstellung Angaben über die väterlichen Einflüsse zu entnehmen. Auch wenn hier noch Varianten vorgeschlagen werden ( 10. Haus/ 4. Haus z. B. ), lässt sich mit der Sonne eine gute Definition machen, wie das Kind den Vater erlebt hat. Wenn man aber mit dem Mond als der Mutter arbeitet, bleibt man im Dürftigen und Diffusen hängen und muss immer wieder mit offenen Enden arbeiten. Manch begabteren Astrologen gelingt trotzdem eine gute Beratung, zum Beispiel bei Partnerschaftsproblemen. Aber sie machen das Fehlende ganz offensichtlich durch eine gute Menschenbeobachtung und eine ganze Menge Intuition wett. Bei aller Hochachtung, die man solchen Astrologen persönlich zollen muss ( Wir haben berühmte Beispiele dafür! ), meine ich, dass die Astrologie als Wissenschaft ( die mit gesicherten und durch andere wiederholbaren Kriterien arbeiten sollte! ) hier ein Fehlschlag ist.

Das wird so lange ein Mangelzustand bleiben, als man am althergebrachten Pärchen Sonne – Mond als Vater – Mutter – Frau festhält. Eine problemlose Hilfe ist uns dabei die Psychologie auch nicht. Denn in diesem Felde wird noch weitherum mit dem Jungschen Polaritätsmuster Anima – Animus operiert. Jung hat tatsächlich psychologisch ausformuliert, was eine Astrologie durch das ganze patriarchale Zeitalter hindurch vertreten hat: dass die Sonne das männliche und der Mond das weibliche Prinzip sei. Das Konzept ist überholt – es ist zu eng. Das hat schon Erich Neumann, ein Schüler Jungs, gezeigt. Er wurde deshalb vom Meister scharf gerügt, obschon konstruktive Kritik ja nicht eine Verneinung an sich ist. Neumann hat Jungs Dualität zur Trinität erweitert. Er hat Vater und Mutter um ihre natürliche Zielung, um ihre funktionale Hauptbeschäftigung erweitert: das Kind ist schließlich die zentrale Sinngebung der elterlichen Partnerschaft. Er hat das Kind zum eigenständigen Prinzip erhoben, und mit dieser urnatürlichen Dreiheit dem Kind seinen Eigenwert zurückgegeben. Es ist frei, sich selbst zu sein, anstatt wie früher nur eine Kopie der Eltern.

Dieses Konzept ist übrigens nicht neu. Schon in der vor – patriarchalen Zeit gab es Thesen und lebendige Beispiele dafür. So hat schon der „revolutionäre“ Pharao Echnaton im 14. Jahrhundert vor Chr. die Trinität der Familie öffentlich vorgeführt, indem er sich in einem Wagen mit Frau und Kindern durch die Stadt fahren ließ und mit den Kindern, für alle sichtbar, „herumgealbert“ hat. Ein damals „schändlicher“ Vorgang. Kinder durften nie in ihrer Kind – Rolle in Erscheinung treten, denn sie waren nur „unfertige Wesen“ und daher ausschließlich Gegenstand der Abrichtung auf ihre zukünftige Erwachsenenrolle nach dem elterlichen Modell.

Ein anderes, spezifisch astrologisches Beispiel ist die damalige Definition des Mondes. In den martriarchalen Kulturen des vorderen Orients, wie zum Beispiel in Babylon oder Ägypten, taucht immer der Begriff der Empfänglichkeit auf, niemals aber der Sinngehalt von Fruchtbarkeit. Dieser letztere findet sich mit Sicherheit erst in der ( sehr patriarchalen ) Hochblüte der griechischen Kultur beim Mond. Fruchtbarkeit wird von den Babyloniern, ihrer Entsprechung gemäß, dem Saturn zugesprochen. Er ( oder sie ) ist die Urmutter, die fruchtbare Erde, die Stadt als Hort der Menschen usw. Es liegt ja auch im Sinn der Begriffe, dass Empfänglichkeit und Fruchtbarkeit zwei Dinge sind. Menschen an sich können empfänglich sein ( z. B. für die Liebe ), aber nur Frauen können daraus im materiellen Sinne fruchtbar werden. Und auch eine empfängliche Frau wird nicht zwangsläufig immer fruchtbar.

In den Begriffen Empfänglichkeit und Kind fand ich schließlich die ersten tauglichen Ansätze für eine Neuformulierung des Mondes. Es war Neumann, der mir „die Lichter aufsetzte“, denn seine Definitionen des Kindes ließen sich so zutreffend auf alle möglichen Mondstellungen im individuellen Horoskopen anwenden. Diese konsequente Umsetzung seiner Logik ergab vielfachen organischen Sinn. Wie ist der Bewusstseinszustand eines Kindes wirklich, wenn man die erwachsenen Projektionen wegnimmt?

Als Neugeborenes verfügt es zunächst nicht über einen brauchbaren Denkapparat, sondern nur über die Potenz ( Veranlagte Möglichkeit ) eines allerdings sehr lernwilligen Intellektes. Es hat aber etwas unvermittelbar Brauchbares, nämlich ein überwaches Sinnenerleben: Sensitivität ( Erregbarkeit ) und Empfänglichkeit, daher Beeindruckbarkeit. Es ist von Anbeginn seines Daseins überwältigt von den Sinneseindrücken des Berührtwerdens, der Gerüche und Farben und Töne, die von außen auf es einströmen, und von den körpersinnlichen Empfindungen in sich selbst beim Essen, Verdauen, Ausscheiden. Und es erfährt schon die Lust nach dem Angenehmen und die Angst vor dem Unangenehmen.

Es gibt seinen Empfindungen des Wohl- oder Missbehagens gegenüber der Umwelt unmissverständlichen Ausdruck. Hier setzen die Lernprozesse sehr nachhaltig ein. Es findet schnell heraus, wie man die Umwelt manipulieren und damit die Erlebnisse häufiger zum Wohligen hin beeinflussen kann. Hier haben wir den Bewusstseinszustand, den wir auch beim Erwachsenen noch in seiner Mondstellung vorfinden. Nur ist er hier unendlich viel differenzierter.

Die neue Deutung.

In seinem Mond ist jeder Mensch ein subjektiv empfindendes Wesen, dass sich selbst wahrnimmt, durch das, was ihm von der Umwelt her und durch seinen Körper geschieht. Als Mond urteile ich deshalb subjektiv nach angenehm und unangenehm, nach sympathisch und unsympathisch. Diese Urteile nähren sich aus Empfindungen und werden mir bewusst als Gefühle der Zu- und Abneigung, Liebe und Hass, Freude und Trauer, Lust und Schmerz. Man könnte als so definieren: Die ursächliche Fähigkeit des Mondes ist die Sensitivität und Empfänglichkeit, eine neugierige Empfindungsfähigkeit als Instrument der Lernfähigkeit. Die dem erwachsenen Menschen verfügbaren Fähigkeiten bestehen zur Hauptsache aus einer großen Anzahl aus diesem Instrument hervorgegangenen Bewusstseinsinhalten, die im Endeffekt irgendwann aus Erlebtem entstandene, subjektive Beurteilungen sind. Wir nennen sie Gefühle.

Die Gefühlswelt.

Diese so persönlichen Gefühle sind in einem gewissen Sinne unser Ein und Alles. Denn sie regeln für uns den Verkehr mit der Umwelt, unser gesamtes Kontakterleben. Sie erlauben mir vor allem, aus dem großen Angebot an Kontaktpersonen diejenigen auszulesen ( herauszufühlen ), die mir am wenigsten Beschwerden und am meisten Freude, Vergnügungen, positive Lebensqualität, Verständnis, Liebe bringen. Und so wie ich als Kleinstkind durch die Empfindungen angenehm – unangenehm erstmal mich selbst wahrgenommen habe, so bin ich als Erwachsener als Ich dieser Gefühlswelt zu Hause. In diesem Gefühl – Ich bin ich aber auch in meinem Selbstwertbewusstsein absolut von der Bestätigung durch meine Mitwelt abhängig. Das ist der Grund für die vielgeschmähten, aber unvermeidbaren Gemütsschwankungen.

An der Entstehung des Gefühls – Ich ist die Umwelt lebenslang zu einem hohen Anteil beteiligt – zuerst in der Kindheit und Jugend, die Eltern ( oder deren eventuelle Ersatz – Bezugspersonen ). Die Beziehung, die sie zu uns aufbauen, bestimmt die Richtung unserer Gefühlsentwicklung und daher unsere spätere Beziehungs- oder Kontaktfähigkeit im qualitativen wie im quantitativen Sinne. Wenn wir daher im Horoskop eines Erwachsenen die Mondstellung zu deuten versuchen, so werden wir dabei viele Spuren elterlichen Einwirkens vorfinden. Da die Mutter ( bzw. Ersatzperson ) normalerweise ab Geburt und in den ersten Lebensjahren den erstrangigen und direktesten Einfluss hat, versteht es ich auch, warum die Monddefinition zum Teil eine Mutterdefinition sein kann, aber nicht unbedingt sein muss.

Mutter.

Die alte Deutung „Mond entspricht Mutter“ ist nicht einfach falsch. Sie bleibt jedoch segmenthafter Abdruck des Mutter – Erlebens in der kindlich – beeindruckbaren Psyche. Dieser Eindruck ist von Fall zu Fall verschieden stark, je nach Intensität freudiger Erlebnisse und je nach drückenden Problemen, die von der persönlichen Mutter ausgingen.

Der Mond ist also nicht die leibliche Mutter selbst, sondern nur zum Teil eine Reflexion derselben, die Reflexion nämlich, die das Kind begierig als Strukturierung aufnimmt. Im selben Sinne muss der kindlich neutrale Mond aber auch väterliche „Abdrücke“ aufweisen können, wenn der Vater genügend stark in Erscheinung tritt. Im Horoskop leicht nachprüfbar ist der entsprechende Fall, wenn der Mond direkte Aspekte zur Sonne hat. Am deutlichsten kommt dies wohl bei Voll- oder Neumondstellungen vor, die immer einen starken, direkten väterlichen Einfluss anzeigen. Sie zeigen ebenso deutlich eine Vaterbindung und –abhängigkeit an wie die längst bekannten Mond – Saturn Konjunktionen und –Oppositionen einer Mutterbindung.

Saturn

Das Kind erlebt sich selbst im Mond. Es erlebt den Vater in der Sonnenstellung und die Mutter in der Saturnstellung! Die zentrale Funktion der Mutter ist die Ernährung, des Schutzes und der Belehrung über die Realitäten des Lebens. Diese Definitionen passen sehr gut zu den bis heute schon gültigen für Saturn, wenn wir von den „Übeltäter“ – Formulierungen absehen. Wenn dem oft das Argument entgegengehalten wird, „Ja wo bleiben da die mütterliche Zuneigung, Wärme und Zärtlichkeit?“, dann ist das ein eher emotionales Argument. Es entstammt einem Mutterbild, das den Frauen in der Vergangenheit in der schönfärberischen Übersteigerung einer muttergotteshaften Hingabe und Selbstaufopferung ihre untergeordnete und einseitige Rolle schmackhaft machen sollte. Wo diese Zuneigung ein bezeichnender Zug einer Mutter war, und das ist keineswegs überall der Fall, da geht sie auf ein eigenes Mondbedürfnis dieser Mutter, zum Beispiel nach zärtlichem Austausch, zurück. Dadurch erlebt das Kind auch den Mond der Mutter, nicht nur die sachlich und natürlich notwendige saturnische Mutterrolle.

Paradigmenwechsel.

Wir hatten in den Frühkulturen dieser Erde eine martriarchale Lebensform. Dann folgten je nach Kulturraum, zwei- bis dreitausend Jahre Patriarchat. Beides sind zwar notwendige Entwicklungsstufen der Menschheit gewesen, aber sie haben auch große Einseitigkeit und damit massive Härten für das jeweilige Gegengeschlecht zur Folge gehabt. Sie waren außerdem geprägt durch ein intolerantes, dualistisches Denken, in dem das stets nur auf Ordnung und Sicherheit ( Saturn ) oder Erfolg und Macht ( Sonne ) ausgerichteten Handeln die Menschlichkeit ( Mond ) jederzeit unterdrücken konnte. In der heutigen Zeit findet ein Paradigmenwechsel statt. In der Polarität von Vater und Mutter gewinnt der dritte Pol, der Mensch oder das Kind, immer mehr Bedeutung. Sei dies als verbindendes Element, als Liebe, Vernunft, Information oder die Bereitschaft zum Verhandeln.

Man spricht heute von einem Paradigmenwechsel als einer not-wendenden Voraussetzung für ein gedeihliches Fortkommen der Menschheit. Astrologisch gesehen hatten wir das saturnische und das sonnenhafte Paradigma. Wir müssen diese Einseitigkeit der Saturn – Sonne – Dualität wie auch den Irrtum der Sonne – Mond – Polarität überwinden. Die Lösung liegt mit Sicherheit in der Entwicklung eines Bewusstseins, das den richtig verstandenen Mond als ein drittes, vielleicht kindlich – naives, aber spontanes, neugieriges, organisches und integratives Erfahren und Erkennen einschließt. „Und wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein….“




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