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Tarot und Astrologie von Hajo Banzhaf Foren

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volkerschendel
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Astrologie - Opfer der Wissenschaftlichen Inquisition
      #230182 - 26.03.2009 15:10

„Astrologie - Opfer der Wissenschaftlichen Inquisition"
-

vor etwas mehr als 2000 Jahren wurde die Astrologie „Königin der Wissenschaften“ genannt. Möglicherweise war dies auch das erste Mal in der langen Geschichte der Astrologie, daß unser Fach diese Art Zuschreibung erhielt.
Jedenfalls ist mir keine ältere Fundstelle zur Kenntnis gekommen als folgende: In Philo von Alexandria Werke, Dt. Übersetzung, Bd. 6, S. 17 „De congressu eruditionis gratia“
Veröffentlicht von Walter de Gruyter
ISBN 3110050374, 9783110050370
277 Seiten
findet sich folgender Text:
„Denn wie man den Himmel als das gewaltigste aller geschaffenen Dinge treffend den König der sinnlichen Welt nennen könnte, so auch die Wissenschaft des Himmels, die von den Astronomen und besonders den Chaldäern betrieben wird, eine Königin der Wissenschaften.“

Es spricht viel dafür, daß dies die älteste Quelle ist, wo jedenfalls neben der Astronomie die Astrologie (denn das betrieben die Chaldäer) „auch“ Königin der Wissenschaften ist.

Über das Leben Philons von Alexandria ist wenig bekannt. Seine Lebensdaten werden auf etwa 20–10 v. Chr. bis 40–50 n. Chr. geschätzt. Philo wurde von der jüdischen Gemeinde in Alexandria „in höchsten Ehren gehalten“.

Daß es sich möglicherweise um die erste zeitgeschichtliche Gleichsetzung dieser Art und, damit gewissermaßen um eine Erfindung von Philo von Alexandria handeln könnte, ergibt sich m.E. daraus, daß zuerst in dem Zitat der Himmel mit König gleichgesetzt wird, und dann erst die Wissenschaft von diesem Himmel als Königin.
Ich muß es den Philologen überlassen, ob das eine denkbare Interpretation darstellt.

Seit Philos Zeiten hat sich viel getan.
In einem Zeitsprung machen wir unsere nächste Station im Juni 1927. In diesem Jahr gab es in den Süddeutschen Monatsheften, München, 24. Jahrgang, auf den Seiten 149 – 216 im Juni-Heft von 1927 eine der wenigen seriösen Darstellungen von Pro und Contra Astrologie im 20. Jhdt.

Heute wird gegen die Astrologie von außen immer wieder der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit erhoben. Astrologisches Denken sei Spekulation, Einbildung, mystisch, im Grunde Humbug, ein überholter, unhaltbarer Aberglaube.

Den Höhepunkt dieser Hetzjagd auf die Astrologie finden wir dokumentiert in dem kleinen Büchlein

„Objections to Astrology“,
Prometheus Books, Buffalo, N.Y. 14215, 1975.
Darin werden Artikel dokumentiert aus der Zeitschrift „The Humanist“, 35, Nr. 5 (September/Oktober 1975).

In der genannten Zeitschrift „The Humanist“ wurde ein zweiseitiges Statement abgedruckt, das von 192 Wissenschaftlern unterschrieben wurde, die alle namentlich aufgeführt sind, darunter 19 Nobelpreisträger, wie z.B. Prof. Eccels, Konrad Lorenz und Linus T. Pauling.

In dem Statement hieß es u.a.:
„Wissenschaftler in den verschiedensten Gebieten sind besorgt über die zunehmende Akzeptanz von Astrologie in vielen Teilen der Welt.
Wir, die Unterzeichner, Astronomen, Astrophysiker und Wissenschaftler aus anderen Bereichen möchten die Öffentlichkeit davor warnen, unreflektiert die Ratschläge und Voraussagen zu akzeptieren, die privat und öffentlich von Astrologen gegeben werden. Jene, die an die Astrologie glauben wollen, sollten realisieren, daß es für die Astrologie keine wissenschaftlichen Grundlagen gibt …
Ein Bogen also vom Thron der Königin der Wissenschaft zum Folterkerker des 20. Jahrhunderts.

Wie ist das passiert.
Die 192 Menschen, Wissenschaftler mag ich sie eigentlich nicht nennen, behaupten jedenfalls, durch „wissenschaftliches Wissen“ – durch „wissenschaftliche Wahrheit“.

Damit sind wir im Zentrum einer Fragestellung, mit der sich die Wissenschaftsphilosophie bzw. die Wissenschaftstheorie beschäftigt.

Also noch mal gefragt: Was ist wissenschaftliche Wissensgenerierung?
1900 Jahre lang glaubte man auf festem Grund zu stehen und seit der Aufklärung eilte die Wissenschaft von Erfolg zu Erfolg.
1903 meinte der Leiter des Londoner Patentamtes, man könne doch eigentlich das Patentamt schließen, weil mit neueren Entdeckungen nicht zu rechnen sei.

Der Mann irrte.

Im Gegenteil:

Die alten Antworten sind problematisch geworden. Spätestens mit den Planckschen, Einsteinschen, Bohrschen und Heisenbergschen Entdeckungen sind wir bei der Frage nach Wissenschaft eher wieder auf Treibsand angekommen.

Aber springen wir noch mal 2000 Jahre zurück. Einige Jahrhunderte vor Philo von Alexandria wurde die Geometrie von Euklid, einem Zeitgenossen des Aristoteles, kodifiziert.
Die entscheidende Wendung in der Mathematik ist damals die Entdeckung, daß es Beweise gibt. Eine Methode, die erläutert, warum eine Behauptung wahr ist.

Zeitlose Wahrheit mittels des Beweises.

Die Vorstellung war: Der Mensch hat den Logos, weil er Geometrie hat.

Geistesgeschichtlich verantwortlich für das radikale, einschneidende Vorgehen der Naturwissenschaft ist also unser spezifisch abendländisches Erbe, die Logik.

Logik vermag Dinge zu trennen, auseinanderdividieren, zu isolieren, vom Kontext zu lösen, etc - in einer Schärfe, wie dies vorher oder außerhalb unseres Kulturkreises nicht möglich war.

Das Aufkommen der Logik, brachte auch eine veränderte, distanzierte, entfremdete Haltung zu Natur und Seele mit sich, welche sich mit der Renaissance und Reformation endgültig Bahn brach.

Mit der aristotelischen Logik und der euklidischen Geometrie kam die Menschheit dann relativ lange aus, bevor neue Antworten nötig wurden. Wir haben also eine erste Phase der Wissenschaftsgeschichte bis etwa 1600 nach Christus, wo Wissenschaft bewiesen wurde.
Von 1600 bis ca. 1850/1900

haben wir dann die Sicherheit vom wissenschaftlichen Wissen mittels

„der wissenschaftlichen Methode“.

Als Urvater dieses Gedankens wird in der Regel Descartes genannt.
Von 1850 bis 1975

haben wir dann die dritte Phase des wissenschaftlichen Wissens,

wir erinnern uns,
im letzten Jahr dieser Phase finden wir das bereits erwähnte Dokument der 192 Menschen, die sich Wissenschaftler nennen.

Diese Phase ist gekennzeichnet durch die „Fallibilität“ also die Revisionsfähigkeit des Wissens steht im Vordergrund des Denkens.

Die letzte Phase bis heute könnte man möglicherweise mit

„Pessimistische Metainduktion“ überschreiben werden.

Larry Laudan formuliert:
Wie sollen wissenschaftliche Theorien wahr sein, wenn uns die Geschichte lehrt, dass sich noch jede wissenschaftliche Theorie irgendwann als falsch und unhaltbar erwiesen hat? (manchmal wird dieses Argument auch als „pessimistische Meta-Induktion“ bezeichnet)

Man könnte auch sagen, die Zeiten sicheren Wissens und insbesondere die Zeiten der wissenschaftlichen Methode sind endgültig vorbei.

Der logische Positivismus mit seiner induktiven Herangehensweise ist genau so gescheitert wie Karl Popper mit seiner deduktiven Falsifikationstheorie und auch die Theorien von Thomas S. Kuhn aus den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts lassen uns bei der Frage des nach dem sicheren Wissen ohne Antwort.

Am ehesten mag bezugnehmend auf den genius loci hier in Zürich Paul Feyerabend genannt werden, der dazu meinte:

„Das übliche Argument für den speziellen Status des wissenschaftlichen Wissens im Vergleich zu den Wissensbehauptungen anderer Traditionen bezieht sich immer noch auf die wissenschaftliche Methode.
Wegen der Existenz der wissenschaftlichen Methode ist Wissenschaft verschieden vom Rest der Welt. Die wissenschaftliche Methode wird üblicherweise dargestellt als ein Satz absolut verbindlicher Vorschriften für wissenschaftliche Praxis.

Nun,
die Geschichte zeigt, daß jede absolut verbindliche Vorschrift für wissenschaftliche Praxis in jeder Wissenschaftsepoche vorsätzlich verletzt wurde zum Vorteil wissenschaftlicher Ergebnisse.



Demgemäß gibt es und darf es nicht geben solche verbindlichen Vorschriften für das wissenschaftliche Arbeiten, denn solche Vorschriften würden den Fortschritt der Wissenschaften verhindern.

Es gibt also keine wissenschaftliche Methode.

Konsequenterweise hat Wissenschaft keinen Anspruch auf einen besonderen Status im Vergleich zu anderen Traditionen, die auch Wissen suchen.

In den Wissenschaften gibt es nur pi x Daumen Gesetze.

Wissenschaft ist ein Unternehmen ohne fixierte Prinzipien. Wissenschaft ist letztlich opportunistisch.

Demgemäß ist jede normative Wissenschaftstheorie, die solche Wissenschaftsvorschriften festhalten will, ein Unternehmen, das zum Scheitern verurteilt ist.
Normative Wissenschaftstheorie ist also Pseudophilosophie.

Dies hat natürlich Konsequenzen für die argumentativen Muster und die Politik.
Da Wissenschaft keinen speziellen Status im Vergleich zu anderen Wissenstraditionen beanspruchen kann, muß wissenschaftliche Rationalität in ihrem Anspruch auf Privilegierung scheitern. Dies hat natürlich Folgen in einer demokratischen Gesellschaft hinsichtlich der Zuweisung von Finanzmitteln durch die staatlichen Autoritäten.“


Bei der Recherche zum heutigen "erkenntnistheoretischen Status der Astrologie" bin ich neben der Dissertation von Peter Niehenke: "Kritische Astrologie" auf diese Bücher gestoßen:
1.) The Moment of Astrology: Origins in Divination
by Geoffrey Cornelius
2.) Astrology, Science and Culture: Pulling Down the Moon by Patrick Curry / Roy Willis
3.) Cosmos and Psyche: Intimations of a New World View
by Richard Tarnas
4.) Astrology in the Year Zero (Astrology Now) by Garry Phillipson undFrank C. Clifford
5.) Seeing with Different Eyes: Essays in Astrology and Divination
by Patrick Curry and Angela Voss
6.) The Imaginal Cosmos: Astrology, Divination and the Sacred
by Angela Voss und Jean Hinson Lall
7.) Cosmic Loom: The New Science of Astrology
by Dennis Elwell
8.) Ronald Giere: "Understanding Scientific Reasoning",Fourth Ed.
 
Im In ternet gab es das beste Material hier:
CURA, le Centre Universitaire de Recherche en Astrologie
http://cura.free.fr

Mehr zu diesem Thema gibt es von mir im Astronova Verlag in Tübingen und auf meiner Homepage.

Volker H. Schendel

Herausgeber der „Apokryphen der Astrologie“ im Astronova – Verlag.




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Editiert von volkerschendel (26.03.2009 15:11)

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