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Tarot+Astro-Forum

Tarot und Astrologie von Hajo Banzhaf Foren

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AndreasK
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Historisches zum "Gehängten"? neu
      #229612 - 22.03.2009 16:52

Hallo,

in allen älteren Tarot Decks bis ins 15. JH zurück wird der Gehängte fast identisch dargestellt: Ein Mann ist mit einem Fuß an einem Querbalken festgebunden, meist sind die Hände auf dem Rücken zusammengebunden. Der Querbalken wird von zwei senkrechten Balken getragen (Waite / Colman-Smith haben die zwei vermutlich aus Gründen einer erweiterten Symbolik zu einem einzelnen senkrechten Balken geändert).

Hat jemand Informationen, was es historisch (15. Jh. und vorher) mit dieser Art des Aufhängens auf sich hatte? Für welche Vergehen wurde ein Delinquent an einem Bein aufgehängt?

Liebe Grüße & vielen Dank,
Andreas

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eliaraModerator
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: AndreasK]
      #229614 - 22.03.2009 16:57

Hallo Andreas,
erstmal auf die Schnelle der Link zur trionfi.com- Seite , die beschäftigen sich dort mit der Geschichte des Tarot und alten Decks - vielleicht wirst Du da schon fündig? Huck war früher auch hier, vielleicht meldet er sich dazu.
Mal sehen, ob ich noch was dazu finde.
eliara



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Schneewittchen
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: AndreasK]
      #229618 - 22.03.2009 18:05

Hallo AndreasK,

klasse, deine Frage. Ich beschäftige mich nämlich auch gerade mit dieser Karte intensiver.

Für mich hat die Darstellung nichts mit Erhängen im Sinne der Strafe zu tun. Dafür wäre er sicher am Hals aufgehängt worden, um hingerichtet zu werden. Es würde auch der grundlgegenden Bedeutung der Karte zu wider laufen, wie ich finde.
Für mich ist es eine vlt etwas umständliche Darstellung von Odins Selbstopfer am Weltenbaum um zu wahrer Erkenntnis zu gelangen. Das Tau-Kreuz, an dem der Gehängte im RW hängt, ist laut meinem Lexikon der christl. Symbole nicht nur eine sehr alte Kreuzform, sondern steht auch für den Weltenbaum. Der Gehängte verändert seinen Blick auf die Welt und wird dadurch erleuchtet. (S. Strahlenkranz um seinen Kopf.) Er fügt sich dafür sicher auch Schmerzen zu, so an einem Knöchel hängend: Leiden um zu lernen. Erkenntnis tut mitunter weh. Eine Wicca sagte mir mal, dass die Position des überkreuzten Beines eine Einweihungsgeste im System des Golden Dawn gewesen wäre. Auch hierin erkenne ich Odin, der durch sein Hängen am Weltenbaum in die Geheimnisse der Runenkunde eingeweiht wurde.
Odin hing am Baum seinen Speer selbst in seine Seite gespießt. Das Bild erinnert natürlich auch an Jesus, der ebenfalls mit einem Speer/einer Lanze in die Seite gespießt am Kreuz hing. Das christliche Kreuz ist für mich auch ein Symbol des Weltenbaums. Unabhängig davon, dass es zum Symbol des Leids und Jesu Selbstopfer für die Erlösung der Menschheit von allen Sünden wurde, verbildlicht es für mich auch die Verbindung von oben und unten und die verbindung zw. den Polaritäten (Quebalken).
Jesu Tod am kreuz ist eine Hingabe an eine höhere Sache. Auch Odin gab sich vollkommen dem Weltenbaum hin, einfach, indem er sich daran hängte. Es war auch selbstgewählte Handlungsunfähigkeit (verbundene Hände des Gehängten) und ein Verharren an einem einzigen Ort.

Ich denke diese Bilder haben sich über das Mittelalter hinweg bis zu den Tarotkartendarstellungen, wie wir sie heute kennen, gerettet.

Der Gehängte stellt für mich keinen Genickbruch dar.

Aber es ist sicher eine interessante Frage, ob es im frühen Mittelalter eine ähnliche Foltermethode gab. Jetzt wo ich darüber nachdenke, könnte es so etwas ähnliches wie An-den- Pranger-stellen, nur in viel sadistischerer Art und Weise, gewesen sein.
Mh...*kopfkratz*

Hilft dir das irgendwie?





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Schneewittchen
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Editiert von Schneewittchen (23.03.2009 12:11)

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Kaffetasse
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Beiträge: 272
Wohnort: Ankara
Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: Schneewittchen]
      #229636 - 22.03.2009 20:49

Hallo in die Runde!

Nachdem ich mir auch schon häufiger über die historischen Hintergründe der Darstellung des "Gehängten" Genken gemacht habe, möchte ich hier meine Überlegungen einmal dartsellen, die sich eher auf die grobstoffliche Ebene stützen:

Das Hängen oder Henken am Galgen war und ist eine überall bekannte Strafe, die natürlich auch Verrätern zuteil wurde. Dieses Henken bedeutet aber unweigerlich die Todesstrafe durch eine Schlinge um den Hals und nicht um das Bein, wie es auf der Tarotkarte zu sehen ist. Im Mittelalter gab es neben dem Henken u.a. auch noch den Pranger und das Aufziehen: Der Pranger zur öffentlichen Zurschaustellung von Missetätern und das Aufziehen als Foltermethode, bei der betroffenen Person die Hände auf dem Rücken zusammen gebunden wurden und dann anschließend an einem Balken nach oben gezogen wurden, was vor allem Schulterausrenkungen zur Folge hatte!

Auffallend ist, dass die Tarotkarte, auch durch ihren gelegentlichen Titel "Verräter" einen starken Ausdruck der Ungnade hat, die durch eine öffentliche Zurschaustellung ein Umdenken erzwingen soll.

Der These von Gertrude Moakley nach zu urteilen soll der Vater von Francesco Sforza, Muzio Attendolo Sforza, beim Papst in Ungnade gefallen sein, was zur Folge hatte, dass der Papst ihn angeblich am Fuße hängend hat zeichnen lassen und das Abbild in Rom an Pforten und Brückenpfeilern aufhängen ließ, um seine Ungnade öffentlich zu machen. - Sollte die Tarotkarte wirklich damit in Zusammenhang stehen, so müsste es sich um die Zeit Handeln, als Muzio Attendolo Sforza 1416 in Rom einzog und seinen papsttreuen Erzfeind Braccio da Montone vertrieb.

Da ich persönlich eher Verfechter eines ursprünglich profanen Ursprung des Tarots bin, möchte ich dies hier einfach mal in den Raum stellen...

Liebe Grüße

Kaffetasse



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AndreasK
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Beiträge: 31
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: Kaffetasse]
      #229645 - 22.03.2009 22:57

Hallo Ihr Lieben & erstmal vielen Dank für die bereichernden Antworten!
@eliara: die Trionfi-Seite ist eine Fundgrube, wenn auch die Navigation ein wenig mühsam ist (aber ich mag solche Seiten... ) Dort gab es Hinweise, dass das Hängen am Bein (a) eine Strafe für Verräter war, (b) bei z.B. entflohenen Delinquenten wurde eine solche Zeichnung an Mauern angebracht (oft von Künstlern gestaltet), um ein "Bild der Schande" öffentlich darzustellen, und (c) gibt es vergleichbare Darstellungen bei Höllenfahrten, gefallenen Engeln usw., die die Karte ebenfalls beeinflusst haben könnten. Spannend jedenfalls!

@Schneewittchen: Du hast sicher Recht mit Deinem Hinweis auf die Analogie zum Odin-Mythos und christliche Symbolik. Das Kreuz ist ja generell symbolisch ziemlich "aufgeladen" (hab grad keinen besseren Begriff dafür...) Ich glaube, dass viele Bilder bis hin zu ganz konkreten Symbolen in vielen Kulturen zumindest sehr rasch kommuniziert wurden (wir verstehen Bilder ganz anders als langatmige Abhandlungen), möglicherweise aber auch unabhängig voneinander parallel entstanden sind.

@Kaffeetasse: Das an den Pranger stellen kann ich mir (leider, weil das in dieser Form sicher recht grausam war) ebenfalls vorstellen, die Thematik "Verräter" und Darstellung an Brückenpfeilern, usw. passt ebenfalls super zu den anderen Hinweisen! Das Visconti-Deck (sind ja eigentlich mehrere unvollständige Decks, wenn ich das richtig verstanden habe) ist eine der ältesten Quellen, und vieles haben Waite / Smith erstaunlich genau übernommen.

Die historischen (und möglicherweise profanen) Wurzeln des Tarot sind spätestens bei Waite / Smith durch zusätzliche Symbolik bereichert und ergänzt worden: ich glaube, dass beide Sichten, die historische und die symbolische einander ergänzen können (umso mehr staune ich, was Waite und Smith da an "Anreicherungs-Arbeit" geleistet haben!)

Liebe Grüße und vielen dank für die tollen Antworten!,
Andreas

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eliaraModerator
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: AndreasK]
      #229665 - 23.03.2009 09:50

Hallo Ihr Lieben!
Das beginnt, richtig spannend zu werden, vielen Dank für die Zusammenfassung, Andreas und Danke auch an Kaffeetasse für die historischen Zusammenhänge.
Das mit dem Verräter beschäftigt mich jetzt gerade sehr: wen oder was hat denn der Gehängte bei der Trumpf 12 verraten? Warum wird er gehängt?
Die Symbolik bei Crowley hab ich bisher so verstanden, dass der Gehängte da mehr oder weniger an sein Ego 'gekreuzigt' wird. Das gilt es loszulassen, zu transformieren; hier soll das Umdenken stattfinden. Aber heißt das nicht auch, dass das Ego sich in dem Moment verraten fühlt?
ach, das ist wirklich spannend.
@ Schneewittchen: der Bezug zu Odin am Weltenbaum fällt mir auch immer gleich ein - das Selbstopfer um Weisheit zu erlangen... Wen oder was verrät er denn dann da? Die anderen, die nicht diese Qualen auf sich nehmen, um Weisheit zu erlangen? Seine eigene Bequemlichkeit?
grübelnde Grüße, eliara


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Schneewittchen
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: eliara]
      #229674 - 23.03.2009 11:57

Ich wüsste nicht, dass es bei der Selbstopferung Odins um irgendeinen Verrat ginge, denn er hängt sich SELBST auf während Jesus aufgehängt/angenagelt WURDE.

Im Havamal (Ein Teil aus der Edda) steht dazu am Anfang von Odins Runenlied:

Ich weiß, dass ich einst gehangen am windigen Baum
Neun lange Nächte hindurch,
verwundet vom Speer, geweiht dem Odin,
Ich selbst mir selbst. Das ahnt keine Seele,
Aus welchen Wurzeln der Baum gewachsen.

Man brachte mir weder Brot zur Labung
Noch ein Gefäß, gefüllt mit Getränk.
Ich neigte den Nacken und schaute hinunter,
Als runische Reden mein Ohr ereichten.
Ich lauschte achtsam, lernte sie ächzend
Und fiel dann endlich zu Erde wieder.

(...)

Das gab mir gedeihn, Gedanken, Gedächtnis;
ich wuchs und begann mich wohl zu fühlen.
Weitere Worte sproßten aus Worten,
Weitere Wirkkraft aus jedem Werke,
Und so ward ich so werk- als redegewaltig.
(Übersetzung von Wilhelm Jordan)

In der Edda als solche findet sich keine explizite Erklärung dafür, dass Odin sich selbst an den Weltenbaum hing. Es wird aber allgemein angenommen, dass er das tat um sich selbst zu erkennen. Vielleicht kann man dabei von einem Verrat an seinem alten Ich sprechen? Die unermüdliche Suche nach Wissen und Weisheit entspricht seinem Wesen, weshalb der Göttervater viel reiste und am Brunnen des Weisen Mimir sogar eines seiner Augen (!) opferte. Durch dieses Opfer durfte er von dem Wasser des Brunnens trinken, das weise machen sollte.

Ich habe die Karte auch schon als "Opfer" benannt gefunden, wobei der Gehängte als das notwendige Opfer dargestellt war. Laut Barbara G. Walker (Ja, ich weiß, dass sie mit Vorsicht zu genießen ist.) hieß die Karte gar mal: "Der ertunkene phönizische Seemann". Klingt nach Missgeschick. Ebenso wie Hängen als Strafe als äußersten Missgeschick gelten könnte.

Wie deutet ihr die Karte überhaupt, wenn sie in einer Legung auftaucht? Hat sie für euch etwas mit Strafe und Erhängtwerden zu tun?


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Schneewittchen
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eliaraModerator
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: Schneewittchen]
      #229683 - 23.03.2009 12:32

Zitat:

Ich habe die Karte auch schon als "Opfer" benannt gefunden, wobei der Gehängte als das notwendige Opfer dargestellt war.



Hallo Schneewittchen,
ja, als 'Opfer' ist mir diese Karte auch schon begegnet. Damit konnte ich anfangs gar nichts anfangen, inzwischen jedoch hat das meine Sichtweise dieses Trumpfs entscheidend mitgeprägt: im Sinne von freiwilliges Opfer, freiwilliges Aufgeben von Etwas. Das Bild damals auf der Karte war übrigens eine schwangere Frau - auch sie opfert in gewissem Sinne etwas: ihr bisheriges Leben, sie gibt (zunächst v.a. körperlich) einen Teil ihrer Energie und Lebenskraft weiter.
Dazu wirklich stimmig finde ich dann auch das Bild vom 'Wachsen nach Innen': im Außen passiert augenscheinlich (noch) nicht wirklich viel, aber dafür im Innen. (auch da passt das Bild mit der Schwangerschaft ja dann... )
wobei wir damit wirklich total weit weg sind vom 'Verräter'...
bin gespannt, was Euch noch so einfällt
eliara

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Matthias
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: eliara]
      #229690 - 23.03.2009 13:53

Hallo Ihr,

das mit Odin würde ich vorsichtig genießen. Die Hávamál wird, soweit ich weiß, inzwischen als recht spät (13. Jahrhundert) entstandene bzw. zusammengestellte Sammlung angesehen. Sie wäre damit eher mittelalterlich und die Parallele zwischen dem gehängten Odin und dem gekreuzigten Christus wäre von den christlichen Autoren mit dem Ziel aufgestellt worden, die nordische Sagenwelt zu christianisieren.

Zweitens steht nirgendwo, daß Odin die mißliche Lage, 9 Tage und Nächte am Baum zu hängen, freiwillig oder überhaupt von sich aus eingegangen wäre. Er selbst ihm selbst geweiht - das kann auch von jemand anderem veranlaßt worden sein.

Schließlich frage ich mich, ob die Kartenmaler im Italien und Südfrankreich der Renaissance gerade auf den nordischen Odin als Vorbild geschaut haben werden.

Im Aeclectic-Forum wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, daß sich die Karten in den alten Decks schlüssig in Paaren deuten lassen. Bezüglich der Ereignisse im Leben zum Beispiel:

  • Aufbruch (VI) und Triumph (VII)
  • Vater Zeit (VIIII) und das Rad der Geschichte (X)
  • Schande (XII) und Tod (namenlos, XIII)
  • Teufel (XV) und Hölle (XVI)


Ich finde, das hat viel für sich.

Viele Grüße
M.

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eliaraModerator
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: Matthias]
      #229691 - 23.03.2009 14:16

Hallo Matthias,
vielen Dank für diese Erläuterungen. Da die christliche Kirche in vielen Bereichen eine "feindliche Übernahme" der bestehenden Religionen vorgenommen hat (wobei das nicht ihre Erfindung war, das haben alle neuen Religionen so gemacht...), kann ich mir das mit der nachträglichen Parallelisierung gut vorstellen.
Die Frage wer Odin dann hängen hat lassen, wäre dann aber doch spannend. Hat er sich freiwillig um des Erkenntnisgewinns willen an den Weltenbaum gehängt, oder beugte er sich einer anderen (höheren?) Macht - und wenn ja, warum?
Diese Odin-Frage war ja auch eher nebensächlich in Bezug auf Andreas' Ausgangsfrage zu den tatsächlichen historischen Folter- bzw. Henk-Methoden, hat sich aber so allgemein als Bezug zur Trumpf 12 ergeben...
Den Hinweis mit den Paaren versteh ich noch nicht ganz: denkst Du, man kann ein Teil des Paares immer nur in Verbindung mit dem anderen Teil deuten, oder wie hab ich diese Paarbildung zu verstehen? Denn dass sie zusammengehören, bzw. einander bedingen und vorausgehen, ist mir klar...
Magst Du mich da noch aufklären?
eliara

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Schneewittchen
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: Matthias]
      #229693 - 23.03.2009 14:31

Zitat:



Zweitens steht nirgendwo, daß Odin die mißliche Lage, 9 Tage und Nächte am Baum zu hängen, freiwillig oder überhaupt von sich aus eingegangen wäre. Er selbst ihm selbst geweiht - das kann auch von jemand anderem veranlaßt worden sein.




Siehe oben. Ich bin mir nicht sicher, ob es wichtig ist, wer ihn weshalb aufhängte. Mir erscheint die Tatsache, dass er hängt ohnehin erstmal wichtiger,

Zitat:



Schließlich frage ich mich, ob die Kartenmaler im Italien und Südfrankreich der Renaissance gerade auf den nordischen Odin als Vorbild geschaut haben werden.






Sicher nicht, aber ich bin der Meinung, dass es sich dabei um ein Urbild in der menschlichen Seele handelt. Praktisch um eine Verbildlichung dieses Vorgangs. Durch dieses bildiche Darstellen eines seelischen Prozessen im Mythos, wird der seelische Prozess nach außen projiziert und damit greifbar und leichter zu bearbeiten. Danach sicher wieder in die Seele integriert.
Deshalb brachte ich das Beispiel von Odin UND von Jesus, denn für mich sind beides Ausdrucksformen ein und derselben Wahrheit.

Wie dieser Vorgang dann auf der Tarotkarte dargestellt wurde und wird hängt immer auch davon ab, aus welchem kulturellen Umfeld sie entstammt. So kannten die italienischen Kartenmaler sicher nicht den Mythos von Odin, aber sie kannten ganz sicher das, wofür dieser Mythos steht und stellten es auf ihre Art und Weise dar.

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Matthias
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: Schneewittchen]
      #229701 - 23.03.2009 15:02

Hallo Schneewittchen,

ja, das leuchtet mir ein.

Liebe Eliara,

das mit den Paaren verstehe ich so, daß sich diese Karten in gewisser Weise ergänzen, dabei aber durchaus ihre eigenen Bedeutungen haben. Es sind zwei Seiten der selben Münze. Allerdings sehe ich das nur bei alten Decks so und deute die Karten in modernen Decks ganz anders.

Viele Grüße
M.

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AndreasK
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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: Matthias]
      #229740 - 23.03.2009 20:01

Ui, das ist ja eine spannende Diskussion geworden!

Das Thema "Schande" - "Schandbild" im Zusammenhang mit der Transformation des eigenen Egos ist ein gar nicht weit hergeholter Zusammenhang. Mir fallen da (ganz banal und lebenswirklich) spontan Lebensentscheidungen ein, die von der Umwelt oft als völlig absurd, "verrückt" oder eben als eine Schande gesehen werden, z.B. das Verfolgen der eigenen Träume auf Kosten einer Karriere, Eingehen einer von der Familie nicht gewollten Beziehung, ein kompletter persönlicher oder beruflicher Neuanfang unter Risiken, usw, usw. All das wird einen im Vorfeld ganz sicher schwer beschäftigen und einiges an Arbeit "am eigenen Galgen" abfordern, bis man zu solchen schwierigen Entscheidungen stehen kann.

Damit sind beide Aspekte vereint: eine Innensicht, die ein "auf den Kopf stellen" des eigenen Weltbilds erfordert, um bestimmte Schritte gehen zu können, und eine Außensicht der Umwelt die sich aber die Welt natürlich nicht auf den Kopf stellen läßt (und für die dann eben der Gehängte "verkehrt" herum hängt, ausgegrenzt und mit "Schande" belegt wird).

Der Verrat besteht darin, dass jemand gewagt hat, die gewohnte und vertraute Welt / Weltbild auf den Kopf zu stellen. Insofern - aber das ist schon sehr weit symbolisch "weitergesponnen" - scheint mir dann auch die Methode der Bestrafung ein Sinnbild zu liefern, der Delinquent der die Orientierung (das Oben und Unten, die Richtung des Weltbilds, usw.) in Frage gestellt hat, wird mit eben dieser "verkehrten Sichtweise" bestraft.

Ach so, bevor das hier zu reiner Sozialkritik wird: in vielen Fällen benötigen wir für einen solchen massiven Konflikt mit den entsprechenden Zweifeln / Bestrafung / Erniedrigung, usw gar keine Umwelt, sondern erledigen das selbst (in mehreren "Rollen" sozusagen). Das macht viele Transformations- und Heilungsprozesse schwierig, selbst wenn wir eine augenscheinlich wohlwollende Umwelt haben...

Liebe Grüße,
Andreas

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Re: Historisches zum "Gehängten"? neu [Re: AndreasK]
      #229747 - 23.03.2009 20:36

Lieber Andreas,
klasse, vielen vielen Dank für die Zusammenführung, Zusammenfassung. Ja, jetzt wird das Bild *rund*
also doch der Verrat an der Umwelt, wenn sich der (vermeintliche ) Delinquent gegen die geltenden Normen entscheidet, da also was auf den Kopf stellt... und ebenso der Verrat an sich selbst, seinem Ego, das manchmal 'schlimmer' sein kann, als die Gegner im Außen...

lieber Matthias, danke für die Erklärung, ja die zwei Seiten einer Medaille... das passt.

eliara

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Schneewittchen
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Re: Historisches zum "Gehängten"? [Re: AndreasK]
      #229770 - 23.03.2009 22:19



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