p.b.
(Mitglied (fleißig dabei))
07.03.2009 01:53
Re: Sensible Geschichten

Grenzerfahrungen beim Ableben meiner Mutter

Bis zwei Tage vor Ihrem Weggang mit 88 Jahren aus unserer Welt war sie hellwach, bei vollem klaren Verstand. Tagsüber verschlief sie die letzten Jahre in einem tranceartigen Zustand, aber am Abend war sie hellwach und so hatte ich an diesem Abend noch ein gutes Telefonat mit ihr und erzählte ihr, daß ich mir bei einer Veranstaltung eine Erkältung zugezogen habe. Da ich schon lange spürte, daß es mit meiner Mutter bald zuende gehen würde, sagte ich ihr, daß ich sie diese Woche noch besuchen würde. Aber die Erkältung hielt mich im Bett fest und als drei Tage später der besorgte Anruf meiner Schwägerin mich erreichte, die meine Mutter bis zu letzt versorgte und pflegte, war mir die Situation klar. Ich rief meine damalige Lebensgefährtin in der Schweiz an und sie begleitete mich am Donnerstagabend auf der Fahrt gen München. Noch ein wenig hoffend, es könnte wie im Herbst 1997 sein, wo wir ebenfalls zu ihr gerufen wurden. Am Morgen an ihrem Bett über die nun anstehende Beerdigung sprachen und am Abend saß meine Mutter hellwach am Wohnzimmertisch und spielte mit uns Scrabble. Diese plötzlichen Veränderungen und ihr großes “Schauspieltalent” machten es schwer, die Brisanz der Situation genauer abzuschätzen. Wir waren also erneut auf eine positive Überraschung gefaßt.
Die Hinfahrt lief erstaunlich glatt und plötzlich spürte ich die Energie eines kürzlich verstorbenen Vetters bei mir im Fahrerteil des Wohnmobils. Er berührte meine schmerzende Schulter und der Schmerz löste sich. Er sprach dabei zu meiner Mutter: “Tante Sofie hab keine Angst. Der Übergang ist ganz einfach. Wir warten alle auf Dich und helfen Dir.” Ich teilte meiner Partnerin meine Grenzerfahrung mit und sie erzählte mir, daß sie vor etwa zwei Wochen nach einem Seminar in St. Gallen eine intensive Grenzerfahrung hatte und dabei erfuhr, daß meine Mutter nicht mehr allzulange leben wird. Daß aber eine Person aus ihrem Umfeld noch an ihr festhalten würde. Ich wußte sofort, daß dies eine Cousine ist, die eine ganz tiefe Verbindung zu meiner Mutter hat und mir auch schon telefonisch mitteilte, daß sie zu meiner Mutter gesagt hatte: “Tante Sofie, Du kannst mich doch nicht allein lassen.”
In Kaufbeuren legten wir total erschöpft einen Nachtplatz mit unserem Wohnmobil ein und kamen dann am Freitagvormittag, des 6. März 1998 zum Haus meiner Mutter. Sie war seit Donnerstag in einer Art Tiefschlaf und atmete heftig und gleichmäßig. Ich sprach zu ihr und berührte sie vorsichtig. Zuerst war keine Regung zu sehen, aber ich spürte, daß sie mich wahrnahm. Ich vertiefte mich meditativ in ihre Bewußtseinswelt. Ich spürte, daß es ihr in dieser Zeit und Zustand gut ging, ich sah sie im Alter von etwa 45 Jahren mit Kind und Mann. Etwas später kam mein älterer Bruder an. Er blieb auf Distanz. Am Nachmittag kamen die Cousinen. Nachdem beide intensiven Kontakt mit ihr aufnahmen und S. ihr Hand nahm und etwas schüttelte, versuchte meine Mutter auf einem Auge zu blinzeln und ihr Atem veränderte sich geringfügig. Nach einem Gespräch im Wohnzimmer ging ich mit L. wieder zu Mutters Bett im Nebenraum und wir sprachen dort miteinander. Da kam L`s. Urangst hoch, was denn nun wirklich nach dem Tod sei. Da mir einmal meine Cousine von einer außerkörperlichen Grenzerfahrung im Yoga erzählt hatte, die ihr Angst gemacht hatte, wußte ich um ihr persönliches Problem des loslassens. Ich teilte ihr meine Philosophie des seelischen Kreislaufs in einer ganz einfachen Form mit. Dabei spürte ich Erleichterung im Denken von L. und gleichzeitig bei meiner Mutter.
Als beide Cousinen gegangen waren, setzte ich mich neben das Bett von Mutter und meditierte in ihren Bewußtseinszustand hinein und sah eine große Plexiglaswand hinter der ein großes weites hellblaues Wasser war. Davor stiegen weiße Pappvögel gen Himmel. Dann sah ich eine Treppe ins Meer und die Energie meiner Mutter hineingleiten. Als ich meine Augen öffnete, veränderte sich der Atemrhythmus meiner Mutter und ihr Mund bewegte sich zu einer Schluckbewegung. Ich rief meinen Bruder. Nun waren es nur noch Minuten, bis ihr Atem langsamer wurde, der Mund noch einmal schluckte (als würde er Wasser aufnehmen) und schließlich das Leben ausgehaucht war. Schon nach ganz kurzer Zeit verließ ihre Energie das Zimmer und wurde ganz frei. Sie lag in großem Frieden in ihrem Bett und konnte noch bis zum nächsten Tag dort bleiben. Dann lies ich sie, zur Verwunderung meiner Verwandten, im Leichenhaus öffentlich aufbahren und da ich den Schlüssel dazu hatte, konnte ich sie nun bis zur Beerdigung am Dienstag jeden Tag mehrmals besuchen. Ich erzählte ihr Dinge, die vorher nicht möglich waren, da sie dies nicht zuließ, zeigte ihr die angelieferten Kränze mit Schleifen. Dieses ganz persönliche Abschiednehmen war für mich ein sehr intensiver Prozeß und ich werde diesen Ausdruck großen Friedens unter dem großen mächtigen Kreuz Jesus Christus wohl nie vergessen. Und erstmals verstand ich das Kreuz und die Erlösung davon. In diesem kleinen Leichenhaus breitete sich für mich eine unendliche Liebe aus.
Zurückgekehrt in meine Wohnung blieb die Verbindung nach innen voll bestehen. Ich war nur durch eine Glaswand vom göttlichen Ozean getrennt und sah die Ablösung meiner Mutter, die immer noch am “Beckenrand” in unser Leben blicken und hineingreifen wollte. Dahinter schwammen viele mir bekannte Menschen, jeder auf seine Art und Weise und alle wesentlich verjüngt. Dieser Rückwärts-Prozess erfolgt bei jedem in einer anderen zeitlichen Geschwindigkeit, je nach Konstitution und geistig-seelischem Entwicklungsgrad, wie ich nun erfuhr. Ein besonders eleganter Schwimmer darin ist mein Vater. Ganz leicht gleitet er durch diese unendlichen Wogen. Dazwischen sprangen Delphine und “zahnlose” Haifische. Sie alle waren frei und reinigten sich in diesen kosmischen Wellen.
Weiter dahinter auf einer Insel sah ich Jesus Christus, Buddha und viele andere Heilige. Dahinter in der Ferne ein intensives gleißendes Licht. Ich sprach mit Jesus Christus und erzählte ihm von meinem Konflikt mit ihm und daß ich lieber den Kontakt zu Gott direkt suche. Er antwortete freundlich und meinte, daß dies so gut sei. Die Mehrheit bräuchte den Weg über ihn, über Buddha und andere spirituelle Meister. Wenige würden den direkten Weg gehen. Alles sei gut so! Er sprach zu mir, wie zu einem Bruder und ich fühlte keinen Unterschied zu ihm. Wir sind beide Boten Gottes, jeder auf seine Art.
Immer wieder kamen einige Schwimmer auf die Insel um sich auszuruhen. Einige wenige tauchten unter der Insel hindurch in das helle Land. Dort hinten nahm ich auch meine Lieblingstante wahr. Mutter hatte zunächst große Probleme sich dem Wasser zu übergeben. Sie klammerte sich an die Glaswand und so visualisierte ich ihr ein Floß, mit dem sie auf dem Wasser treiben konnte und bat meinen Vater, ihr zu helfen.

Drei Wochen später besuchte ich das Ballettgastspiel von Nederland Dans Theater im Festspielhaus in Bregenz. Eine der besten Ballett-Ensembles der Welt, die ich seit zwanzig Jahren alle vier bis fünf Jahre einmal erleben durfte. Das Programm paßte genau zu meinem inneren Zustand. Plötzlich sah ich durch die innere Glaswand dahinter alle großen verstorbenen Choreographen und Tänzer sitzen und diese sahen durch mich auf die Bühne. Sie kommentierten, applaudierten und dankten zum Abschluß. Meine Mutter saß bewundernd mitten drin. Dann löste sich die innere Zuschauergruppe auf und meine Mutter bewegte sich mit diesen. Dann entstand ein Strudel, der sie mitriß und seitdem sehe ich meine Mutter durch das Wasser gleiten, an ihrer Seite mein Vater und andere mir bekannte Personen.
Seitdem ist mein Abstand zu diesem inneren Ozean größer geworden, doch weis ich nun, daß ich ihn jederzeit wieder aufsuchen und erreichen kann. Ich bin in meinem Bewußtsein nicht mehr getrennt von dieser anderen Welt und ich werde irgendwann meinen Eltern nachfolgen.

Schon vor dieser tiefen Erfahrung konnte ich manchmal die Energien Verstorbener wahrnehmen und Trauernden in ihrem Kummer helfen. Seit dem Ableben meiner Mutter hat sich dies intensiviert und wenn mir Menschen ihre Trauer mitteilen, spüre ich die Anwesenheit der Verstorbenen und manchmal sehe ich diese vor meinem inneren Auge.
Ich suche dies nicht, sondern es ergibt sich aus bestimmten Situationen und dann bin ich Mittler. Für mich ist dies ein Gnade, die nicht erzwungen werden kann. Sie geschieht, wenn es sein soll.



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