Brigitte/Johanna
(Mitglied (fleißig dabei))
22.03.2009 14:18
Re: Paranoide Schizophrenie

Lieber Higgo,
Die deutsche Psychiatrie hab ich von beiden Seiten kennengelernt. Mit 20 Jahren als ich meine Krankenschwestern-Ausbildung dort machte und mit 40 Jahren als ich als Patientin eingeliefert wurde.
Von meinen Missbrauchs-Erlebnissen hatte ich hier im Forum schon öfter geschrieben. Die hab ich auch schön brav in mir eingegraben. Dann kamen 25 Jahre Krieg und Frieden, bis ich mit 40 Jahren Alkohol und Tabletten gemischt missbraucht habe um zu funktionieren, einfach um meine Angstzustände und Panikattacken unter Kontrolle zu halten. Während dieser Attacken fing ich jedes mal an zu hyperventilieren und bekam Todesängst, absolut irrational, aber ich konnte es nicht abstellen. Ich hatte bis dahin schon 4 Kinder und mit meinem damaligen Mann eine Gastwirtschaft zu bewältigen. Unterstützung, ausser der, die ich von meinen größeren Kindern bekam war gleich null. So kam es zum Zusammenbruch......Suizikversuch mit Tabl. und Alk......Einweisung......Aufnahmestation...... sie pumpten mich mit noch mehr Medikamenten zu. In dem Beobachtungszimmer, in dem ich mit noch 5 anderen Patientinnen schlafen musste war ein einziges Gejammer und Geschrei. Als ich dort wieder ausgerastet bin und um mich schrie " hier ist es ja schlimmer als zu Hause"....noch mehr Medikamente.
Nach 4 Tagen Beobachtung kam ich in ein 2 Bett-zimmer und am 6 Tag wurde ich wieder nach Hause geschickt. Die Psychologin erklärte mir, ich solle auf Alkohol verzichten, schön meine Medikamente nehmen und dann würds mir bald besser gehen. Vorsorglich fragte sie noch, "haben sie noch Suizidgedanken?", das war das einzige.
Klar hatte ich keine, ich wollte nur wieder raus dort.
Auch die ambulante Weiterbehandlung war eine einzige Katastrophe, Spritzen, wenn ich fragte, was das sei (weil ich ja ein bisserl Ahnung hatte), kam die Antwort, das brauchen sie nicht zu wissen, hauptsache es hilft. Auf meine Hinweise, das das Zeug überhaupt nicht hilft, sagte man mir ich solle mit mir Geduld haben.
Nach einem halben Jahr hab ich alles abgesetzt, und für mich Gott sei dank nie mehr wirklich Hilfe gebraucht. In meiner Krankenakte hab ich später beim Hausarzt mal gelesen. "Die Patientin ist uneinsichtig und nicht willens mitzuarbeiten. Sie hat eigenmächtig die Medikation abgebrochen und mit weiteren suizidalen Handlungen ist zu rechnen."
Warum und wieso ich krank wurde, was zu diesem Zeitpunkt zu Hause bei uns los war, danach hat nicht ein einziges Mal jemand gefragt.

Ich will damit nicht sagen, dass nun jeder diese Form von Medikamenten abbrechen soll, entscheiden muss das jeder für sich allein.
Meine Kinder und meine Pflichten waren da und das war wahrscheinlich auch der Grund, warum ich durchgehalten hab.

In eine Psychiatrie würd ich heut keins meiner Kinder einweisen lassen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.

Aber ok, wie kann man so einer Frau helfen. Reden, reden und nochmal reden. Nicht fragen , sondern erzählen lassen, bis sie nicht mehr das Gefühl hat ausgefragt zu werden. Klar schreibt sich das leichter, als das in der Realität aussieht. Sie selbst muss bereit sein dazu, vorher kannst du nur aufpassen, dass sie nichts passiert.

Alles liebe und viel Kraft für euch beide
Brigitte



Kontakt | Datenschutzerklärung Homepage



UBB.threads™ 6.3.2