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  Interview: Interview mit Elisabeth van Brakel

Interview mit Elisabeth van Brakel von der Nederlandse Tarot Vereniging (NTV)

NTV: Herr Banzhaf, was über Sie wissen, entnehmen wir der Rückseite der holländischen Ausgabe Ihres Buches: "Das Tarot-Handbuch"). Dort lesen wir, dass Sie sich seit 1972, im Alter von 23 Jahre, zunächst mit der Astrologie und danach auch mit Tarot beschäftigt haben, "nach einer sehr eindruckvollen, persönlichen Begegnung mit diesen Jahrhunderte alten Systemem der Weisheit und der Weissagung." Können Sie uns dazu etwas mehr erzählen? Insbesondere, wie Ihr Interesse schon in so jungen Jahren geweckt wurde.

Hajo Banzhaf: Wahrscheinlich erwarten Sie jetzt eine hoch spirituelle Geschichte oder zumindest eine eindrucksvolle Erzählung von der Begegnung mit einem ganz geheimnisvollen Menschen, aber so war es nicht. Es waren - wie so oft im Leben - eher beiläufige Zufälle, die mein Leben verändert haben, ohne dass ich damals ahnen konnte, welch weitreichende Bedeutung sie wirklich für mich hatten. Der Astrologie begegnete ich eines Abends in einem jener schönen Weinlokale in München, wo man an sehr langen Tischen saß, an denen man anfangs niemanden und am Ende des Abends aber alle kannte. Als sich schließlich ein etwas älterer, sympathischer Herr verabschiedete, sagte er - etwas beschwipst -: "So, bevor ich jetzt gehe, sage ich noch jedem von Euch sein Sternzeichen." Womit er ein schallendes Gelächter auslöste, weil damals, 1972, sich noch kaum jemand ernsthaft für die Astrologie interessierte. Dann betrachtete er jeden der Reihe nach, legte sich zunächst auf das Element Feuer, Erde, Luft oder Wasser fest, schied dann eines der drei Sternzeichen aus dieser Gruppe aus und wog zwischen den beiden verbliebenen ab. Von den 10 Personen hatte er in 8 Fällen das richtige Sternzeichen herausgefunden, bei den anderen beiden war nur die letzte Entscheidung falsch. Das heißt auch bei diesen beiden hat er 10 Zeichen richtig ausgeschlossen und sich nur bei Wahl zwischen den letzten zwei geirrt.

Das hat mich so beeindruckt, dass ich am nächsten Tag in eine Buchhandlung ging, mir ein Astrologiebuch suchte und dort mein Zeichen Stier aufschlug. Da las ich unter typischen Berufen "Bankkaufmann", was mich schon beeindruckte, da ich damals gerade meine Laufbahn in der Bank begonnen hatte. "Wahrscheinlich steht dieser Beruf unter allen Sternzeichen," dachte ich mir, und blätterte weiter zum Zwilling. Als ich dann dort "Verlagskaufmann" fand war ich mehr als verblüfft, denn mein Bruder, ein Zwilling, leitete einen Verlag. Natürlich habe ich mir das Buch gekauft, musste dann allerdings bald bemerken, dass die Astrologie doch nicht so einfach ist, wie ich es damals glaubte. Es folgten viele Jahre, in denen ich mich eher wenig damit beschäftigte, bis ich plötzlich auf Bücher von Fritz Riemann, Liz Greene, Stephen Arroyo und vor allem auf Das Testament der Astrologie von Oskar Adler stieß. Diese Autoren haben mir die Augen für die wirkliche Astrologie geöffnet und mein Weltbild und mein Leben ungeheuer bereichert.

Ich war etwa 30, als mich auf einer Party ein Freund auf eine Frau aufmerksam machte, die Tarot legt. "Was ist Tarot?" fragte ich ihn nichtsahnend und er sagte "Kartenlegen." Daraufhin habe ich die Frau angesprochen und sie aus reiner Neugier um einen Termin gebeten. Da sie nur für wenige Tage in München war, gab sie mir den letztmöglichen Termin und der war am folgenden Tag um Mitternacht. Sie war dunkel gekleidet und sah sehr geheimnisvoll aus, als sie mich in die Küche führte, wo auf dem Tisch verdeckte Karten lagen. Ich muss noch einfügen, dass alles, was ich damals über Kartenlegen wusste, die Warnungen meiner Großmutter waren, die sie mir gab, als ich etwa 5 Jahre alt war. Damals erzählte sie mir wie gefährlich Kartenlegen sei, und dass es da in meiner Heimatstadt so ein unheimliches Haus gäbe, wo die Menschen hingingen, und dann würden sie Karten ziehen, und der, der den Tod zieht, der würde dann bald sterben. Natürlich habe ich mir als Kind geschworen, nie so etwas Dummes zu machen. Nun, etwa 25 Jahre später, fordert mich die geheimnisvolle Frau auf, aus dem verdeckten Karten eine zu ziehen. Und natürlich zog ich den Tod! Das hat mich gleich dreimal beeindruckt. Zum einen hatte ich das Gefühl, meine längst verstorbene Oma lässt mich grüßen. Zum anderen faszinierte mich, dass ich die einzige Karte gezogen hatte, von deren Existenz ich wusste – ich hatte die Tarotkarten ja noch nie gesehen. Und nicht zuletzt hat mir die Frau sehr gut erklärt, was diese Karte und auch die nachfolgenden Legungen damals für mich bedeuteten. Ich ging am nächsten Tag in die gleiche Buchhandlung und kaufte mir diesmal die Riderkarten und das Buch von Arthur Edward Waite, nur um einmal mehr zu erkennen, dass es nicht so einfach ist, wie es an dem Abend aussah. Richtig ernst nehmen konnte ich Tarot aber erst, als mir ein Freund aus den USA das Buch "Jung and Tarot" von Sallie Nichols besorgte. Bei dieser Lektüre ging mir erstmals auf, welche Tiefe in den Karten steckt und welche Weisheit durch sie überliefert wird.

NTV: Lassen Sie uns zunächst über Tarot sprechen und den Zusammenhang mit der Astrologie für einer Moment außer Acht lassen. Kann man davon ausgehen, dass Tarot aus verschiedenen alten religiöse Strömmungen geformt und geprägt wurde, wie dem hebräischen Judaïsmus, der Kaballa, dem Christemtum (vor der Reformation Luthers) der Bibel, dem Buddhismus, dem alten Ägypten und den Mythen der klassischen Kulturen. In den 70-er Jahre gab es dann eine neue Strömung, eine Säkularisierung in deren Folge alles, was nicht rational erklärt werden konnte, vernachlässigt wurde. Es scheint dass die Tarotinteressierten dieser und späterer Zeit mit weit weniger Quellen und Parallelen arbeiten. Können Sie das bestätigen, oder sind Sie anderer Meinung?

HB: Ich persönlich glaube nicht, dass Tarot wirklich ein hohes Alter hat. Für mich sind die Karten ein typisches Kind der Renaissance. Damit sind sie höchsten 600 vielleicht 700 Jahre alt und es gibt keinen Hinweis, dass sie damals als esoterische Erkenntnisquelle gebraucht wurden. Andererseits steht für mich zweifellsfrei fest, dass die Karten der Großen Arkana in ihrem Aufbau und ihrer Symbolik eine Weisheit überliefern, die älter ist als alle Buchdruckkunst und alles Papier dieser Erde. Es ist die Weisheit, auf die ich durch Sallie Nichols aufmerksam wurde, und die ich in meinem Buch "Tarot und die Reise des Helden" beschrieben habe. Für mich gibt es zu dieser Symbolik drei wertvolle Schlüssel: den mythologischen, den alchemistischen und den nummerologischen. Der kabbalistische Schlüssel hat mich dagegen bis heute nicht überzeugt. Zum einen gibt es ja bekanntlich völlig widersprüchliche Zuordnungen von Lévi, Wirth und Papus einerseits und dem Golden Dawn andererseits, und selbst die Zuordnungen von Waite und Crowley, die beide auf den Lehren des Golden Dawn basieren, sind nicht identisch. Zum anderen ist mir durch den kabbalistischen Schlüssel im Unterschied zu den anderen dreien nie wirklich etwas klarer geworden.

Es ist schon richtig, dass wir heute anderes an esoterische Themen herangehen als vor 100 Jahren. Vielleicht kann man da tatsächlich von einer Säkularisierung sprechen. Aber wir sollten auch sehen, dass wir dafür durch die Erkenntnisse der Tiefenpsychologie und insbesondere durch die Arbeit von C.G. Jung einen faszinierenden neuen Zugang zur Welt der Symbole bekommen haben. Das Verständnis, das uns dadurch erschlossen wird, ist nach meiner Erfahrung und Überzeugung wesentlich tiefer und berührender, als vieles was zuvor als Geheimwissen kursierte und oft mehr mit Geheimniskrämerei als mit Wissen zu tun hatte.

NTV: Wie kann das intuitive Wissen stimuliert werden? Gibt es eine "Technik"? Wie bringt man sein solares und sein lunares Wissen auf die gleiche Ebene? Können Sie uns dazu einen kurzen Leitfaden geben?

HB: Dafür gibt es natürlich kein Patentrezept. Mir erscheint es zunächst wichtig, Intuition von der "Logik des erstbesten Gedankens" zu unterscheiden. Wenn ich zum ersten Mal eine Tarotkarte sehe und keine Ahnung von ihrer Symbolik habe, wird mir dennoch etwas zu dem Bild einfallen. Aber ob es sich dabei um tiefe Erkenntnisse handelt, ist fraglich. Bei der "Welt" werde ich vielleicht an Freude und Tanzen denken, aber viel mehr werde ich als Laie rein intuitiv nicht aus dem Bild ableiten können. Habe ich dagegen den Aufbau der Karten studiert, ist mir ihre Symbolik vertraut, die Bedeutung der jeweiligen Zahl, ihr mythologischer, alchemistischer und vielleicht auch kabbalistischer Hintergrund, dann erscheint mir diese Karte in einem ganz anderen Licht mit einer ungeheuren Bedeutungsfülle. Daraus die richtige Aussage für einen Menschen in einem bestimmten Augenblick zu erfassen, das ist Intuition. Ich glaube nicht, dass es dazu einer Technik bedarf, sondern nur einer Reihe von Voraussetzungen:

  1. das Wissen, was die Karte und ihre Symbolik bedeutet.
  2. gute Menschenkenntnis und Lebenserfahrung (die Deutung der Karte kann immer nur so weit reichen wie der Horizont des Deuters)
  3. Gelassenheit und Bescheidenheit ; weil jeder Ehrgeiz des Egos, besonders toll, allwissend und genial zu sein, zu Blockaden oder höchst spekulativen Deutungen führt.

Ist das gegeben, dann fließt die Intuition von selbst.

Herr Banzhaf wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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