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Mittwoch den 25. April 2018 20:4 Uhr
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  Interview: DAS GRÖßERE DARAUS MACHEN
merCurHajo, du warst viele Jahre lang Bankmanager. Warum bist du heute Astrologe und Tarotexperte?

Hajo Banzhaf: Ich bin gerne Banker gewesen. Aber das hat sich erschöpft nach zwölf Jahren. Die Arbeit ließ mir zu wenig Zeit für meine eigene Entwicklung. Wobei es nicht so war, daß da irgendeine Stimme aus dem Ohr sagte: Häng' deinen Bankerdress in den Schrank und werde erfolgreicher Esoteriker. Nein, der Übergang war alles andere als nahtlos. Ich habe noch mehrere Jahre in verschiedenen kaufmännischen Bereichen gearbeitet, bevor ich spürte, daß mich der Weg in die Welt des Tarot und der Astrologie nicht nur erfüllte, sondern auch trägt.

merCur Zur Astrologie. Gab es einen Lehrer, an dem du dich orientiert hast?

Hajo Banzhaf: Ich bin eigentlich Autodidakt. Auch Astrologie habe ich auf diese Weise gelernt, und zwar mit einem ungeheuren Eifer, wie ich das bisher noch nicht kannte. Wenn ich einen Lehrer nennen darf, dann ist das Oskar Adler. Erfreulicherweise hatte mir Claus Riemann dessen über Jahrzehnte unveröffentlichte Manuskripte zugänglich gemacht. Dieses "Testament der Astrologie" hab' ich gefressen, wie noch nie etwas anderes zuvor in meinem Leben. Und dann gab es hier in meiner Nachbarschaft eine sehr betagte Dame, ich denke, sie war damals schon 90, die 60 Jahre ihres Lebens als Astrologien gearbeitet hatte. Diese Frau war mir eine wichtige Gesprächspartnerin, weil sie mir einfach Erfahrungswissen vermittelte. Das ist ungeheuer wertvoll - im Unterschied zu dem vielen ausgedachten Wissen, das heute Astrologiebücher füllt.

merCur Was ist für dich überhaupt Astrologie?

Hajo Banzhaf: Sie ist ein einzigartiges Werkzeug zur Selbsterkenntnis, weil sie die Einmaligkeit des Menschen spiegelt. Die Astrologie zeigt mir die Mischung meiner Anlagen und Fähigkeiten, den "Job", den ich in diesem Leben übernommen habe, aber auch die Dissonanzen, die mich plagen und die Widersprüche, zwischen denen ich mich gekreuzigt fühle. Es sind ja gerade diese Gegensätze, an denen wir Menschen uns so lange reiben, bis wir entweder unter ihnen zusammenbrechen und darüber resignieren, oder aber gerade darin die Aufforderung verstehen, Gegensätze zu überbrücken und zu verbinden, um das Größere daraus zu machen. Darin sehe ich die Hauptthematik, die wir hier auf Erden zu bewältigen haben. Überwindung der Gegensätze ist ja auch in allen alten Traditionen das höchste Ziel. Das Horoskop läßt mich diese Aufgabe nicht nur höchst anschaulich erkennen, sondern macht auch Lösungsvorschläge, gibt sozusagen Hilfestellung. Wenn ich zum einen das entfalte, was in mir angelegt ist, und mich im weiteren auch noch um das bemühe, was mir fehlt, was mir, genauer gesagt, zur Ganzheit fehlt, dann verstehe ich immer mehr, warum ich lebe; insofern hat die Astrologie, wenn man sie auf tiefer Ebene betreibt, etwas ungeheuer Sinnvermittelndes.
Die Prognostik ist zwar interessant, aber eigentlich gehört sie der mittelalterlichen Tradition an.

Ich denke, daß die alte Astrologie zurecht von den Universitäten verbannt wurde, weil sie sich in der klerikal-dogmatischen oder saturnalen Enge des Mittelalters festgefahren hatte, rein deterministisch arbeitete und sich auf engste Vorhersagen reduzierte. Interessanterweise war es gerade diese Astrologie, welche die Zeichen der Zeit übersah, die mit der Entdeckung des Uranus aufleuchteten: Die alten saturnalen Grenzen wurden gesprengt, der Mensch brach aus der "gottgewollten" Ordnung hierarchischer Strukturen aus und erreichte eine persönliche Freiheit, wie sie zuvor nicht einmal denkbar, aber auch nicht erwünscht war. Diese ungeheure, individuelle Entfaltungsfreiheit aber macht Prognosen, die den Menschen auf eine bestimmte Erfahrung festlegen, unmöglich. Sie sind bestenfalls Spekulation.

Hajo Banzhaf, geb.15.05.98, 00.02 MES, Gütersloh, Koch

merCur D'accord. Wie aber erklärst du dir, daß in jüngster Zeit gerade die klassische Astrologie wieder Zulauf bekommt? Etwa in Form der karmischen Astrologie oder auch der indischen Mond-Astrologie? Zeigt sich darin die wachsende Verunsicherung vieler Menschen, die Orientierung brauchen?

Hajo Banzhaf: Vorab, die Astrologie wäre nach der Aufklärung völlig weggespühlt worden, hätte sie nicht, beginnend in der Mitte dieses Jahrhunderts, mit der Psychologie eine neue Ehe begonnen und wäre damit nicht zurückgekommen zu dem, was Orakel ursprünglich bedeutete. Es war Thales von Milet, der im 6. Jahrhundert vorchristlichen Jahrhundert am Orakel von Delphi den berühmten Spruch angbringen ließ: Erkenne dich selbst. Darum geht es. Das ist genau das, was die psychologische und dann die humanistische Astrologie aufgegriffen haben; damit erlebte die älteste Wissenschaft einen Aufschwung, den ihr kaum einer zugetraut hatte. In letzter Zeit aber wird die psychologisch orientierte Astrologie leider unendlich verwässert durch Vielschwafelei ...

merCur Tatsächlich?

Hajo Banzhaf: Ja, denn in dem Moment, in dem Astrologieautoren völlig undifferenziert daherdenken und -schreiben, wo es keinen Unterschied mehr gibt zwischen AC und Sonnenzeichen, wo es völlig egal ist, ob Saturn im 10. Haus oder im Steinbock steht, in dem Moment wird das Ganze schnell zu einem Brei ohne wirkliche Aussage. Daß jetzt eine Gegenbewegung aufkommt, die sagt, wir müssen die Aussagen zuspitzen, weil sie sonst in einer Bedeutungsflut und damit letztlich in Bedeutungslosigkeit verschwinden, das erscheint nur logisch. Oft geht dies aber einher mit dem Ansinnen, die Astrologie wieder düster zu mystifizieren als irdendeine äußere Macht, nach der wir uns zu richten haben, wenn's uns gutgehen soll. Was verständlich erscheint, aber keine glückliche Lösung ist. Denn wo immer in diesem Umfeld deterministisch gearbeitet wird, geht es weniger um Selbsterkenntnis, als darum, daß man sich die Lebensangst nimmt. Da bekommt man dann eine feste Regel, und weiß also, im nächsten Jahr passiert das und das, und wenn ich dann unter dieser Konstellation etwas Bestimmtes unternehme, geht es hoffentlich gut.
Das sind im Grunde Versuche, ein magisches Mittel zu finden, damit nichts schiefläuft und ich Dauererfolg habe. Ich bin aber nicht der Ansicht, daß wir auf dieser Welt sind, um ständig nach Wegen zu suchen, wie wir die Lebensangst vermeiden. Im Gegenteil, Angst gehört zu uns, sie ist ein wertvoller Wegweiser. Also: Es geht um das Ringen zu erkennen, wer ich bin, um meine Entfaltung zu betreiben. Wenn ich von Astrologen höre, die darüber nachdenken, wo sie ihren Geburtstag verbringen, damit sie für's nächste Jahr ein glücksverheißendes Solar haben, dann muß ich sagen, meine Güte.

merCur Die Frage war, warum die klassische, deterministische Astrologie gerade jetzt eine Renaissance erlebt ...

Hajo Banzhaf: Ich glaube, daß hat mit den wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen zu tun. Das ist in jedem Unternehmen und auch bei der öffentlichen Hand zu sehen. Wenn genügend Geld da ist, werden die Probleme damit zugekittet. Gibt es Finanzlücken, werden sofort die Fehlentwicklungen sichtbar. Das gebiert Existenzangst. Und dann sind die Leute immer zum Wahrsager gerannt und wollten wissen, wann habe ich endlich Glück? Oder: wann ist dieser Ärger endlich vorbei? Aber nicht: Was muß ich lernen, was muß ich erkennen? Ich will das nicht bewerten, weil das eine Zeiterscheinung ist. Die Frage ist nur, wie die Astrologie damit umgeht.

merCur Und wie geht sie damit um? Oder Was kann sie falsch machen?

Hajo Banzhaf: Sie muß dem Fragenden bewußt machen, warum er in der Krise steckt, wozu sie gut ist, was er daraus lernen kann, statt mit der Trostpflastertherapie daherzukommen und zu sagen: "In drei Wochen ist alles vorbei." Die Astrologie hat durch die Einbindung der Psychologie in diesem Jahrhundert ihren klaren Platz errungen und bewiesen, daß sie keine alte Dame ist, die eines Tages abdankt, sondern sie hat wirklich neue Kraft gewonnen. Und sie wird vielleicht noch mehr Kraft gewinnen. Ich sehe die einzige Gefahr eigentlich nur in der Selbstinflationierung bis zur Wertlosigkeit. Wenn man sieht, mit welcher Leidenschaft auf Themen wie insbesondere neue Planeten, Asteroiden, oder vielerlei sensible Punkte losgegangen wird. Meine Güte! 30 Jahre nach der Entdeckung Plutos haben seriöse Astrologen gesagt, der sei noch so jung, daß man noch wenig dazu sagen könnte. Heute kannst du davon ausgehen, daß 30 Tage nach der Entdeckung meinetwegen von Chiron die ersten Bücher dazu geschrieben werden. Und wenn man nun sieht, daß in der Umlaufbahn von Pluto etwa 30 weitere Himmelskörper entdeckt wurden, die sogenannten Plutinos, und jenseits von Pluto noch einmal so viele "Cubewanos"; daß es dazu mehr als 25.000 Asteroiden gibt und jetzt auch wieder die Fixsterne in der astrologischen Deutung auftauchen, dann liegt darin natürlich die Möglichkeit einer Inflation, in der sich die Astrologie selbst auflöst. Eine treibende Kraft ist dabei sicherlich der Innovationsdruck, den auch die Verlage ausüben. Denn natürlich lieben sie immer wieder mal was neues, das den Absatz sichert.

merCur Bedeutet das, daß Astrologie nicht experimentieren darf?

Hajo Banzhaf: Keineswegs. Natürlich ist es wichtig, iese Entdeckungen zu hinterfragen. Sie kommen ja nicht umsonst ins Licht, gerade in jüngster Zeit. Ich merke zum Beispiel, daß ich für Chiron eine wachsende Sympathie entwickelt habe, obwohl ich ihn lange nicht beachtete. Aber es ist die Frage, ob sich die Astrologie inflationiert und sich in Modeerscheinungen verliert, oder sich bei allen Neuentdeckungen stets ihrer Basis bewußt bleibt. Noch einmal: Es ist gut, daß wir experimentieren, etwa auch in bezug auf neue Häusersysteme, weil meiner Ansicht nach die derzeitigen Konzepte unbefriedigend sind. Denn in der Deutung sind die Häusergrenzen bekanntlich nicht so präzise, wie die übrigen Horoskopkonstellationen.

merCur Du bist ja auch Tarot-Experte. Warum gibt es sowenige, nennen wir sie Lebensberater, die Astrologie mit Tarot verbinden. Sie arbeiten entweder mit der einen Disziplin oder mit der anderen. Wo liegt die Schwierigkeit?

Hajo Banzhaf: Es gibt offenbar zwei Gruppierungen, die sind sich nicht grün. Die Astrologen schauen gerne etwas verächtlich auf die "Kartenleger", und die Tarotkundigen, die mögen oftmals die Astrologen nicht. Es ist so, daß die Astrologen sich meist etwas selbstsicher geben, und sagen, daß ihre Disziplin ja doch immerhin auf berechenbaren Grundlagen und auf einem großen Denkgebäude mit Substanz beruhe, wohingegen sie das Zufallsprinzip, mit dem das Tarot-Orakel spricht, eher als irritierend erleben. Nun muß ich da natürlich sagen, wie "zu-fällig" ist der Geburtsmoment? Den Tarotleuten wiederum ist Astrologie meist schlicht zu kompliziert. Also viele gehen ja an Tarot heran, weil sie sich davon versprechen, relativ leicht in diese Bilder- und Symbolwelt einsteigen zu können, ohne eben diese großen Berechnungen machen und Computerprogramme laufen lassen zu müssen. Allerdings: Viele stellen sich das zu leicht vor. Denn in der Tat muß man erst die spezifische Sprache der Bilder lernen, damit man sie sinnvoll übersetzen kann. Aber dann kann man sie ohne Computer betreiben. Ich persönlich halte die Ergänzung dieser beiden Disziplinen für hochinteressant.

merCur Kannst du das ein wenig näher erläutern?

Hajo Banzhaf: Ich glaube, daß jede dieser beiden Richtungen andere Segmente beantworten kann. In einer Beratung ist für mich die Astrologie immer für das Grundlegende da. Wenn mich jemand fragt nach seinem Beruf oder seinem Liebesleben, dann schaue ich natürlich erst einmal in sein Horoskop: Wo liegt seine Berufung? Wo ist sein zentraler Bereich der Selbstentfaltung usw.? Und diese Antworten, die finde ich im Horoskop so deutlich, wie ich sie in Karten kaum finden könnte. Aber wenn mich der Klient dann fragt, ob er zu Lufthansa oder zu Siemens gehen soll, dann wüßte ich nicht genau, wie ich das aus dem Horoskop herausholen könnte .. höchstens durch die Stundenastrologie, der ich nicht kundig bin. Jedenfalls scheint mir bei solchen Fragen das Tarot-Orakel die weitaus überlegene Form. Also insofern ergänzen sich die beiden Wege hervorragend. Ich habe allerbeste Erfahrungen mit dieser Kombination gemacht. Ich bin auch nie auf nennenswerte Widersprüche gestoßen, sondern habe immer gesehen, wie das eine mit dem anderen wunderbar korrespondiert und das Ganze dann wirklich zu einer guten Aussage verbindet.

merCur Zurück zur Astrologie. Du hast ein Modell der vier Element entwickelt. Warum fasziniert dich diese Herangehensweise so besonders?

Hajo Banzhaf: Also ich hab' das Modell natürlich nicht entwickelt. Es ist das älteste Modell zur Einteilung unserer Wirklichkeit. In der Antike haben die vier Elemente gottähnlich Verehrung erfahren. Heute sicher nicht mehr. Dennoch sind die Prinzipien real und elementar. Ich selbst verdanke die Denkmodelle, die ich vermittle, Oskar Adler, der das sehr gut beschrieben hat. Was mich daran besonders fasziniert? Diese Charakterkunde, die auf vier Typen aufbaut, ist leicht nachvollziehbar und sehr verständlich. Sie wird auch in der Sprache ständig transportiert. Jeder kennt einen Luftikus, jeder weiß, was ein Heißsporn ist, oder jemand spührt, wenn er entflammt für etwas, oder wo ein frischer Wind weht, oder wer solide ist, weil solus Erde heißt, oder wer "am Wasser baut". Außerdem bringen wir das Trennende mit Feuer und Luft in einen Sinnzusammenhang. Denn wir feuern jemanden, und wir setzen ihn an die Luft. Und das Verbindende ist in der Erde, da verwurzeln wir, wie auch im Wasser, da lösen wir auf. Es ist interessant: Ich habe meinen Vortrag über die vier Elemente schon vor völlig unterschiedlichem Publikum gehalten, vor Mitgliedern einer Wirtschaftsloge in der Schweiz ebenso wie vor 40 Gebrauchtwagenhändlern. Beide Male waren es Leute, die der Astrologie eher distanziert und skeptisch gegenüberstanden. Alle amüsierten sich köstlich, weil es ein amüsanter Vortrag war. Hinterher aber schüttelten sie den Kopf und staunten: Wie kann das sein? Alle haben sich in der Beschreibung der vier Elemente wiedererkannt. Selbst der große Skeptiker sagt dann: Hoppla, da muß was dran sein. Also diese Vorträge leisten Überzeugungsarbeit.

merCur Überzeugungsarbeit für den Wert der Astrologie?

Hajo Banzhaf: Ich glaube schon. Jedenfalls in dem Sinne, daß die Menschen über die Einsicht in die astrologischen Grundelemente ein größeres Interesse für unsere Disziplin entwickeln und sehen, hier ist ein gangbarer Weg oder ein Modell zur Ganzwerdung. Das ist ja der Hauptgedanke hinter der Astrologie.

merCur Du hast dich in jüngster Zeit auch intensiv mit der Chaosforschung beschäftigt. Wie ordnest du das in deine astrologische Interessensphäre ein?

Hajo Banzhaf: Wir kommen ja etwa alle zweitausend Jahre in ein neues Weltzeitalter. Die Zeitalter, über die wir Aufzeichnungen haben, das ist das Stier-, das Widder- und das Fischezeitalter, das zuende geht, weil wir jetzt zum Wassermann-Zeitalter kommen. Jedes dieser Zeitalter hat eine neue religiöse Idee hervorgebracht. Von der Naturverehrung in der Stierära über die kriegerischen Götter im Widderzeichen zur Mystifizierung des monotheistischen Gottesbildes in den Fischen. Und nun stellt sich die Frage: Was ist die Religion des Wassermann-Zeitalters? Die Anforderung, die aus dem wassermännischen Gedankengut stammt, heißt:
Es muß eine Religion sein, die den Widerspruch zwischen Glauben und Wissen überwindet. Also etwas, das uns zunächst absurd erscheint, weil wir so sehr dran gewöhnt sind, daß Religion ein vernunftwidriges Glauben sein muß - entgegen allen besseren Wissens. So ist es ja nun wirklich indoktriniert worden. Das ist aus dem Wassermanngeist heraus sicherlich undenkbar. Und da hab' ich gesucht: Wo gibt es denn Anzeichen für eine derartige Religion? Ich habe nichts gefunden, bis ich durch Zufall in einem Vortrag über Chaosforschung gelandet bin. Und in diesem Vortrag ist mir das Licht aufgegangen. Denn die Chaostheorie beschreitet exakt diesen Weg. Ob sie selbst genügend Kraft besitzt, oder ob sie ein Vorläufer ist von etwas, das noch kommt, dafür kenne ich mich immer noch zu wenig im Thema aus.

merCur Kannst du kurz erläutern, um was es bei der Chaostheorie geht?

Hajo Banzhaf: Die Chaosforscher vermitteln Erkenntnisse, die durchaus mystischer Qualität sind, die nun aber wissenschaftlich beweisbar sind. Das heißt, sie können durch extrovertiertes Forschen Dinge aus wissenschaftlicher Sicht erkennen, welche die alten Weisen intuitiv geschaut haben. Zum Beispiel wenn sie erklären, daß der Teil die gleiche Struktur hat wie das Ganze, also das alte Bild des pars pro toto; oder Makrokosmos ist gleich Mikrokosmos, daß also das, was im Kleinsten gilt, auch im Größten gilt. Die alten Veden und das neue Wissen bilden damit einen Kreis. Oder stellen wir uns dieses Yin-Yang-Symbol vor, das sie sagen, jedem Chaos wohnt eine Insel der Ordnung inne, während es in jeder Ordnung eine Insel des Chaos gibt. Es ist ja so: Gerade wenn wir glauben, wir hätten etwas ganz im Griff, oder etwas wäre völlig in Ordnung, dann stellen wir plötzlich fest, da hat sich ein Fehler eingeschlichen, nichts ist mit der Perfektion. Und da wir die Ordnung göttlich nennen, muß das Chaos beim Teufel sein. Und der steckt bekanntlich immer im Detail - das jederzeit die Möglichkeit hat, die Ordnung zu überfluten und letztlich Chaos entstehen zu lassen. Noch einmal: Daß die Chaosforschung sich anschickt, die Brücke zu schlagen zwischen Wissen und Glauben, zwischen Wissenschaft und Religion, ist für mich unverzichtbare Bedingung für eine Religion des Wassermannzeitalters.

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