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  Vorwort

Vorwort

 

Der Name Crowley wirkt nicht selten wie ein falsches Losungs­wort, dessen Nennung schleunigst alle Tü­ren ver­schließt. Nach bewährter Pharisäerart werden seine Per­son und sein Werk gern in jenen Bereich menschli­cher Erfah­rung verwie­sen, der durch unverrückba­re Vorur­teile verriegelt ist. So bleibt - zumindest schein­bar - die Aus­ein­ander­setzung mit all den Phänome­nen erspart, die gern mit seinem Namen in Verbin­dung ge­bracht werden: Schwarze Magie, Satanis­mus, schwarze Messen, alles Schändli­che, Ver­ruchte, Unanständi­ge, Unerhörte, Widerli­che; das Böse schlechthin.

 

Es ist nicht das erklärte Ziel dieses Buches, die beste­henden Vorurteile abzubauen. Es geht uns auch nicht darum, zur Arbeit am kollek­ti­ven Schatten anzuregen, auch wenn beides sicherlich zu be­grü­ßen wäre. Ebesowenig wollen wir natürlich dem Miß­brauch, der mit Crowley und seinem Werk getrieben wird, Vor­schub zu leisten. Wenn sich heute Zirkel bilden, die sich okkult nen­nen, die merkwürdigsten Theorien vertreten und obskure Rituale pfle­gen, die aber eigentlich dringendst psych­iatri­scher Betreuung bedürf­ten, hat das nichts mit Crowley zu tun. Wenn in einer steri­len und seelisch verkümmerten Welt, die Jugend aus der Abgestumpftheit tödlicher Langeweile heraus den letzten »Kick« in schwarzen Messen sucht und ihre nächtlichen Parties auf Fried­höfe verlegt, kann man das Crow­ley selbst dann nicht anla­sten, wenn dabei sein Name auf Grab­steine geschmiert wird. Und wenn Manson und andere Wahnsinnige sich bei ihren Greuelta­ten auf Crowley berufen, sei daran er­in­nert, daß Crowley selbst Zeit seines Lebens nie kriminell geworden ist und daß ähnliche Taten von anderen seelisch Kran­ken im Namen des Kreuzes und jeder anderen hohen Idee begangen wurde.

 

Zweifellos gehört Crowleys Nachlaß - und damit auch die unter seiner Regie entstandenen Tarotkarten - zu den bevorzugten Re­quisiten vieler sogenannter schwarzer Messen dieser Art. Das erlaubt aber keine Bewertung seines Werkes, denn andere, ebe­n­so beliebte Requisiten sind das Kruzifix, die Bibel und die Hostie. Und wer mit dem Hinweis auf eine möglicherweise schäd­liche Wirkung die Verbreitung seines Werkes unterbinden will, sei daran erinnert, daß das Werk eines der hervorragend­sten Köpfe unseres Volkes einen weitaus größe­ren nachprüfbaren Schaden angerichtet hat, ohne je auf den Index gesetzt zu werden: Als Johann Wolf­gang von Goethe »Die Leiden des jungen Werther« schrieb, traf er damit so den Nerv der Zeit und wühlte die Gemüter seiner Leser derart auf, daß sich junge Menschen gleich scha­ren­weise das Leben nahmen und man von einem  »Wer­ther-Syn­drom« sprach.

 

Angesichts der Tatsache, daß sich Crowleys Tarot, das heißt die Karten, die von Lady Frieda Harris gemalt wurden, einer sprung­haft steigenden Beliebtheit erfreut, ist es das Anliegen dieses Buches, dem Interessierten die tiefgehende und viel­schichtige Symbolik dieser Bilder vor dem Hintergrund von Alchemie, Astro­l­ogie, älteren Tarotdar­stellungen und den Überlieferungen der abendländi­schen Mythologie zu erklären. Dabei liegt uns nichts an einer Wertung, schon gar nicht in Kategorien von »gut« und »böse«.

 

Symbole sind aufgrund ihrer Natur immer ambivalent. Als Bilder der Seele spiegeln sie die Polarität unseres Unbewußten und unserer Wirklichkeit. In unserem tiefsten Inneren wissen wir, daß alle Dinge ihre Licht- und Schattenseiten haben und erst beide Pole zusammen ein Ganzes bilden. Es ist unser unter­schei­dender Verstand, der seit annähernd drei Jahrtausen­den die Aufteilung in das rein Gute und das rein Böse versucht, heute aber - nicht zuletzt dank der Physik - allmählich zu der Ein­sicht gezwungen wird, daß es keine Eindeutig­keit gibt. Wir sollten für diese Erkenntnis wirklich dankbar sein, denn es war und ist der Glaube an eine mögliche Eindeu­tigkeit, an den Besitz der einen und einzigen Wahrheit, der die Menschen immer wieder zu heiligen Kriegen ermu­tig­t und ihnen das vermeintli­che Recht, wo nicht gar den göttlichen Auftrag gegeben hat zu Völker­mord, Vernich­tungs­lagern, Menschenver­bren­nungen, Folte­rungen oder gar zu offiziellen Mordaufrufen von höchster Stelle, wie noch jüngst im Falle des Schriftstellers Salmon Rushdie.

 

Sich mit dem Okkulten zu befassen, ist nach unserer Ansicht nicht verwerflich oder böse an sich. Wenn es aber selbst den aufgeklär­testen unter unseren Zeitgenossen bei diesem Wort nicht ganz geheuer ist, so sollte das auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Da das Okkulte tiefen­psy­chologisch ge­sprochen mit dem tiefsten Unbe­wußten gleichge­setzt werden kann, bedarf es in der Tat eines Ichbe­wußt­seins, das stark genug ist, diesen unbewußten Inhalten standhaft zu begegnen, ohne sich von ihnen ver­sch­lingen zu lassen. Letzteres käme dem gleich, was sehr an­schau­lich als geistige Umnach­tung bezeichnet wird.

 

Auf den Tarot übertragen bedeutet das, daß der gesunde Erwach­sene die Auseinandersetzung mit dem Kartenorakel und die Beschäftigung mit seiner Symbolik als eine große Bereicherung erleben kann. Der seelisch Schwache oder Kranke aber sei gewarnt. Wenn die in ihm aufsteigenden Bilder ihn ruhelos machen oder beginnen, eine be­stimmende Gewalt über ihn auszu­üben, sollte er sich lieber ver­mehrt der Bewältigung seiner Alltagsaufgaben zuwenden und seine Beschäftigung mit okkulten Themen ruhen lassen.

 

Akron

Hajo Banzhaf                        ,

 

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