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  Einleitung

Einleitung

 

Betrachtet man die menschlichen Sehnsüchte im Spiegel der Schallplattenindustrie, dann gelten Liebe und Partnerschaft zweifellos als das höchst erstrebenswerte Gut unserer Zeit. Schenkt man ihren Texten Glauben, dann müsste dieses Ziel eigentlich mühelos zu erreichen sein. Die Intensität, mit der dort eine Form der Liebe besungen und beschworen wird, die alle Anzeichen einer Mutter-Kind-Beziehung trägt (»Ohne dich kann ich nicht sein«, »Du, nur du, nur du allein«, usw.), hat deutliche Züge von Massenhypnose. Demzufolge scheinen - in unserem Kulturkreis - die meisten Menschen zumindest insgeheim darauf zu hoffen, dass eines Tages der oder die Richtige auftaucht, und dann endlich alles gut wird; was immer sie sich darunter vorstellen.

 

Vergleicht man dieses Wunschdenken mit der Wirklichkeit, muss man über soviel Optimismus staunen. Vielleicht ist es eine Folge der sanften, aber suggestiven Berieselung durch die Medien, dass viele Menschen einzig die Phasen der Verliebtheit als Ausdruck der wahren Liebe betrachten, während die Enttäuschung, die das natürliche Abebben der Verliebtheit mit sich bringt, stets als Beweis dafür gewertet wird, dass man sich geirrt hat, und es doch nicht der oder die Richtige war. Und so hofft man jedes Mal wieder auf das nächste Mal.

 

Schaut man sich aber mit offenen Augen um, so findet man einerseits, dass Beziehungen ohne heftige Krisen zu den eher seltenen Ausnahmen zählen, und andererseits, dass gerade lebendige und intakte Beziehungen oft erst tiefe Krisen durchstehen mussten, bevor sie wirklich reif wurden. Es scheint in diesem Lebensbereich irgendwie um mehr zu gehen, als dass Traumfrau und Märchenprinz einander finden und sich fortan in ewiger Umarmung unbeschwerter Glückseligkeit erfreuen. Es scheint sogar, dass die Reibung in der Beziehung notwendig ist, damit jeder das Beste aus sich hervorbringt.

 

Wenn wir das Streben nach Ganzheit als unsere Lebensaufgabe betrachten, dann können wir auch erkennen, dass gerade die Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht ein wesentlicher Katalysator für wichtige Entwicklungsschritte auf diesem Weg ist. Dabei geht es, wie sich zeigen wird, nicht nur um die Entfaltung der bewussten Persönlichkeit, sondern auch um die Ganzheit unserer zunächst unbewussten, inneren Gegengeschlechtlichkeit, die C.G. Jung Anima beziehungsweise Animus nannte.

 

Solange wir Dinge als harmonisch erleben, werden wir uns ihrer Natur nicht sonderlich bewusst. Erst der Konflikt macht uns wach. Solange Adam und Eva nichts vom Baum der Erkenntnis wussten, lebten sie in paradiesischer Harmonie. Erst das Verbot, von seiner Frucht zu essen, brachte den Konflikt, dessen weitere Folge bekanntlich die Erkenntnis war.

 

Der Zustand vor der Erkenntnis ist oftmals paradiesisch, und nichts in uns drängt uns in solchen Phasen zu mehr Erkenntnis. Erst wenn es Ärger im Paradies gibt, wenn es plötzlich nicht mehr so schön ist, wie es war, fragen wir uns, was da schief gelaufen ist. Erkenntnis ist immer die Folge eines Konflikts, der uns aus dem Schlummer paradiesischer Einfalt herausreißt. Deshalb wird die Urerkenntnis, das Erwachen der Menschheit zum Bewusstsein oft mit Schuld, Sünde und Erbsünde verbunden. Denn irgend jemand muss es ja zu verantworten haben, dass die schöne Zeit naiver Unschuld vorüber ist. Natürlich bezichtigen wir erst einmal alle anderen dieser Schuld. So hat schon Adam ganz unverblümt Gott die Schuld in die Schuhe geschoben: Nicht ich war es, sondern die Frau, die du mir gegeben hast!. Eva war etwas weniger unverschämt und hat ihre Schuld nur der Schlange gegeben, die sie ihrerseits nicht weiter abwälzen konnte und sich seither als Inbegriff böser Verschlagenheit in ihrer Schuld windet. In gleicher Weise sind heute viele Psychotherapien »Elternbeschuldigungsveranstaltungen«, bei denen der Patient den Grund all seiner Enttäuschungen und Probleme seinen Eltern anhängt, statt zu begreifen, dass der natürliche Preis für Reife, Erkenntnis und Erwachsenwerden notwendigerweise darin besteht, dass unsere kindlich-naiven Glückserwartungen enttäuscht werden. Betrachten wir die Verliebtheit als die paradiesische Zeit in unserem erwachsenen Leben, nimmt es nicht wunder, dass auch wir empört Gott und der Welt die Schuld geben, wenn wir merken, dass unser Gegenüber nicht länger unser Märchenprinz oder unsere Traumfrau ist, sondern sich mehr und mehr als Mogelpackung entpuppt.

 

Aber muss es uns nicht zu denken geben, dass aus allen Hitparaden stets die Verklärung symbiotischer Verliebtheit erklingt, dass die Medien sich darum reißen, von Traumhochzeiten zu berichten, während andererseits die Scheidungsquote Jahr für Jahr neue Höchststände erklimmt, unsere Beziehungen immer unverbindlicher und kurzlebiger werden und vom ursprünglichen Lebensgefährten oft nur noch der Lebensabschnittsgefährte übriggeblieben ist?

 

Das 20. Jahrhundert wird wohl als die Zeit des großen Werteverfalls in die Geschichte eingehen. Was sich nicht in Geldwerten ausdrücken lässt, gilt heute als wertlos. Nachdem inzwischen sogar die Zeit zu Geld geworden ist, hat natürlich kein Mensch mehr Zeit für Muße, Beschaulichkeit und andere wertlose Gepflogenheiten. Das Abendland, das in der Antike aufbrach, den Geist zu verherrlichen, und seitdem alles nur Körperliche und Materielle im Laufe der letzten 2000 Jahre immer geringer schätzte und zuletzt wahrhaftig verteufelte, wurde offenbar inzwischen von seinem so massiv verdrängten Gegenpol eingeholt und erstickt nun geradezu am so verachteten Materialismus. Das aber hat zur Folge, dass dem Menschen der Sinn verloren gegangen ist, der sich auch beim besten Willen nicht aus Geld herausquetschen lässt. Da aber jeder Mensch von einem tiefen Bedürfnis nach Sinnerfüllung getrieben wird, und die Antworten der Religionen immer weniger überzeugen, suchen heute viele Menschen den Sinn in Bereichen, die damit eigentlich überfordert sind. Vor allem der Beruf, die Liebe und eine auf die drei Buchstaben Sex reduzierte Sinnlichkeit sind die bevorzugten Quellen, aus denen sich Menschen Erfüllung und Lebenssinn erhoffen. Natürlich ist jedes dieser Segmente hoffnungslos überfordert, weil der Sinn nur im Ganzen erfahren werden kann. Entsprechend groß aber sind die Enttäuschungen, die immer wieder erlebt werden, wenn eine neue Aufgabe oder eine neue Liebe die anfängliche Faszinationskraft verliert, von der wir ganz erfüllt waren, und wir betrübt feststellen müssen, dass die unbeantwortet gebliebene Frage nach dem Sinn immer dringender an unsere Türen klopft.

 

Auch wenn Liebe und Partnerschaft allein nicht den Sinn des Lebens vermitteln können, gibt es in diesem Bereich wichtige und äußerst sinnvolle Erfahrungen zu machen. Die aber liegen gewiss nicht in den tausendfach besungenen, schnulzig-süßen Platitüden, sondern erschließen sich nur den Menschen, die bereit sind, tiefer zu gehen und sich wandeln zu lassen. »Das Zusammentreffen zweier Persönlichkeiten«, sagt C.G. Jung, »ist wie eine Mischung zweier verschiedener chemischer Körper: tritt eine Verbindung überhaupt ein, so sind beide gewandelt.« Dass der Mensch durch die Beziehung gewandelt wird, darin liegt eine ihrer wesentlichen Bedeutungen. Wie und wozu, das will dieses Buch zeigen.

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