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  Artikel: Parallelen zwischen den vier Elementen und der Typenlehre von C.G.Jung

 

Parallelen zwischen den vier Elementen
und der Typenlehre von C. G. Jung

© Hajo Banzhaf (Die vier Elemente in Astrologie und Tarot)

Mit seiner Typenlehre wollte Carl Gustav Jung ein Modell schaffen, dass den bisherigen Typologien in mehrfacher Hinsicht überlegen war. Zum einen sollte es mit seinem Modell jedem Menschen möglich sein, sich problemlos selbst einzustufen, zum anderen wollte er zeigen, dass es eine feststehende Dynamik innerhalb der vier Grundcharaktere gibt. Beides ist nicht so überzeugend gelungen. Das Problem der Selbsteinstufung fällt den meisten Laien beim Jungschen Modell oft schwerer als bei anderen Systemen, und die feste Dynamik wird auch im Kreise heutiger Jungianer in Frage gestellt. Dennoch ist Jungs Typenlehre hochinteressant, nicht nur wegen ihrer Tiefe, sondern vor allem, weil ihr ein ganzheitliches Konzept zu Grunde liegt, demzufolge wir in der ersten Lebenshälfte drei Funktionen unseres Bewusstseins herausbilden, wohingegen die Entfaltung der vierten Funktion die Aufgabe der zweiten Lebenshälfte ist.

Das größte Verwirrspiel dieser Typologie liegt für die meisten zunächst in den Bezeichnungen. Jung unterscheidet den Denktyp, den Fühltyp, den Empfindungstyp und den intuitiven Typ. Was ein Denktyp ist, kann sich jeder vorstellen. Wo aber der Unterschied zwischen Fühlen, Empfinden und Intuieren liegen soll, wird dem Neuling sicherlich nicht sofort klar, weil diese Ausdrücke im allgemeinen Sprachgebrauch leicht durcheinander geworfen werden und mehr oder minder das Gleiche zu bezeichnen scheinen. Etwas salopp ausgedrückt meinen diese drei Begriffe bei Jung folgendes:

  1. Fühlen entspricht dem Bauchurteil, dem spontanen Gefühlsausdruck.
  2. Empfinden steht für die äußere und sinnliche Wahrnehmung: Anschauen, anfassen, riechen, hören, schmecken.
  3. Intuieren ist dagegen die innere, übersinnliche Wahrnehmung. Riechen heißt hier, den richtigen Riecher zu haben und instinktsicher zu sein.

Gerade dieser letzte Begriff wird am leichtesten missverstanden; denn Intuition ist nach Jung nicht das, was der Astrologe dem Planeten Uranus zuordnet. Das wäre der Gedankenblitz, der dem "Heureka" des Archimedes entspricht. Was Jung Intuition nennt ist mehr ein Einfühlungsvermögen, das den so Veranlagten von innen her erfahren und erspüren lässt, welche Möglichkeiten in einer Sache liegen.

Jung spricht von vier Bewusstseinsfunktionen und macht deutlich, dass es nicht darum geht, sich in der Beschreibung eines Typen wiederzufinden, sondern zu erkennen, dass wir im Lauf unseres Lebens alle vier Funktionen zu Entfaltung bringen sollen. Zwei dieser Funktionen dienen der Urteilsbildung und zwei der Wahrnehmung. Sie stehen einander wie folgt gegenüber:

Zwei Urteilsfunktionen: Denken - Fühlen

Zwei Wahrnehmungsfunktionen: Empfinden - Intuieren

Mit den Urteilsfunktionen bilden wir uns ein Urteil von einer Sache. Das kann über den Kopf oder den Bauch geschehen. Mit der Denkfunktion bringt der Kopf ein Verstandesurteil hervor, das auf Nachdenken, Vergleichen, Ausrechnen und Überlegen beruht. Dieses Urteil ist kühl und bedacht und erhebt den Anspruch auf Ausgewogenheit und Objektivität. Die Fühlfunktion kann ebenso ein Urteil fällen, es ist aber im Unterschied zum Denkurteil impulsiv, unüberlegt, subjektiv und wertend. Finden wir also auf der Denkebene zu einem emotionslosen, wertfreien (nicht wertlosen!) Urteil, das einem mathematischen Ergebnis vergleichbar wäre, so bedarf es der Fühlfunktion um ein spontanes, leidenschaftliches Urteil zu fällen, das zugleich ausdrückt, was uns die Angelegenheit wert ist, was sie uns emotional bedeutet. Mit Hilfe der Denkfunktion wägen wir ab, mittels der Fühlfunktion wagen wir etwas.

Durch die Wahrnehmungsfunktionen nehmen wir die Dinge dagegen wahr, ohne dass dadurch ein Urteil entsteht. Mit Hilfe der Empfindungsfunktion erfahren wir eine Sache von außen, durch die intuitive Funktion spüren wir die Möglichkeiten, die in ihr liegen. So hat der Empfindungstyp sein Augenmerk auf der Form, auf der äußeren Struktur, auf Farbe, Geruch und anderen äußeren Merkmalen. Der intuitive Typ kann diese Aspekte sogar gänzlich übersehen, dafür aber spürt er, was in der Sache steckt.

Wenn die vier Typen auf eine Party kommen, wird sie jeder anders erleben. Der Denktyp vergleicht die Party mit anderen und kommt so zu dem Ergebnis, dass sie so ähnlich ist, wie die Party bei Karl, die nicht so toll war, aber doch besser als die bei Hildegard, die ganz langweilig war. Und so findet er diese Party nicht so schlecht. Der Fühltyp gibt mit solchen Überlegungen nicht gern ab. Er kommt auf die Party und etwas in seinem Bauch sagt ihm sofort, ob sie toll ist oder fad. Durch die Brille des Empfindungstypen sieht das ganze Bild wieder völlig anders aus. Er sieht, was es zu essen und zu trinken gibt, er riecht das betörende Parfum einer schönen Frau, er hört die Musik und wenn das alles für ihn stimmt, fühlt er sich behaglich. Der intuitive Typ kommt in den seltensten Fällen pünktlich, manchmal auch überhaupt nicht, spürt dann aber sofort, was in der Luft liegt: Ob die Atmosphäre stimmt, ob und welche Chancen er hat und in welchen Raum, an welchen Platz er sich am besten begibt.

Bei jedem Menschen sind diese vier Bewusstseinsfunktionen unterschiedlich stark. Um sie zu unterscheiden erhielten sie innerhalb ihrer Hierarchie die folgenden Bezeichnungen:

  1. Die Hauptfunktion. Darunter ist die Bewusstseinsfunktion zu verstehen, die man zeitlich am meisten einsetzt. Sie verkörpert also nicht unbedingt das, was einem am meisten bedeutet, sondern was man am meisten tut: Sich Gedanken machen (Denken), spüren, wozu man Lust hat (Fühlen), die Welt sehen, schmecken, riechen, hören, fühlen (Empfinden) oder zu spüren und zu ahnen, was in der Luft liegt (Intuieren).
  2. Die Hilfsfunktion. Sie ist normalerweise fast so gut entwickelt wie die Hauptfunktion und wird deshalb gelegentlich damit verwechselt. Sobald der Mensch eine Situation mit seiner Hauptfunktion nicht bewältigt, schaltet er sofort auf die erste Hilfsfunktion um.
  3. Die dritte Funktion, auch zweite Hilfsfunktion genannt. Sie steht dem Menschen zwar noch bewusst zur Verfügung, hat aber bereits die Tendenz, phasenweise ins Unbewusste abzutauchen. Nur wenn die ersten beiden Funktionen in einer Situation versagen, schaltet sich diese zweite Hilfsfunktion ein.
  4. Die inferiore oder minderwertige Funktion. Sie ist zunächst gänzlich unbewusst und steht zur Bewältigung von Lebenssituationen nicht zur Verfügung. Im Gegenteil, die Qualitäten dieser Funktion werden oft als störend, lächerlich, peinlich oder auch ganz unkritisch als überwältigend erlebt. Sie bildet einen Teil unseres Schattens. Sich dieser Seite zuzuwenden wird zur Aufgabe in der zweiten Lebenshälfte.

Die Zuordnung der vier Jungschen Typen zu den vier Elementen ist leider nicht widerspruchsfrei zu lösen.

Überzeugend und unstrittig ist nur die klare Entsprechung von Denken und Luft, sowie Empfinden und Erde. Dagegen ist die Zuordnung von Feuer und Wasser nicht eindeutig. Einerseits spricht gerade die spontane, wertende Urteilsbildung für die Gleichsetzung von Feuer und Fühlen, andererseits sind feurige Qualitäten wie Unternehmungslust, Pioniergeist, der Mut, Neues zu wagen und etwa neue Produkte auf den Markt zu bringen klare Merkmale der intuitiven Funktion. Die Gleichsetzung von Intuition und Wasser liegt nahe, wenn man sieht, dass die Intuition als der richtige Riecher beschrieben wird, und dass dieser Typ eben gerade nicht wertet. Ferner ist die musische Seite des Wassermenschen sowohl als Künstler und Poet, wie auch als Muse eines geliebten Menschen ganz und gar kennzeichnend für die intuitive Funktion. Dem steht aber gegenüber, dass Wasser vortrefflich der Fühlfunktion entspricht, weil diese mit der echtesten Aufopferungsbereitschaft verbunden ist und in ihrer introvertierten Form geradezu als "Stille Wasser gründen tief" beschrieben wird.

So nimmt es nicht Wunder, dass sich auch führende Jungianer in der Frage der Zuordnung dieser beiden Elemente nicht einig sind. Liz Greene, die bekannteste Astrologin aus diesem Kreis, setzt Wasser mit Fühlen gleich und Feuer mit Intuition, wohingegen die Amerikanerin Zipporah Dobyns dem Wasser die Intuition und dem Feuer das Fühlen zuordnet. Karen Hamaker-Zondag die in ihrem Buch Elemente und Kreuze die Elementartypen mit den Jungschen Typen gleichsetzt, folgt der Zuordnung von Liz Greene. Andere Jungianer, mit denen ich gesprochen habe teilen mehr die Sicht von Zipporah Dobyns. Bleibt als Resümee nur die Feststellung, die Edward F. Edinger in seinem Buch "Der Weg der Seele" trifft: "Obwohl die vier Elemente nicht haargenau mit den vier Funktionen gleichgesetzt werden können, besteht eine annähernde Parallelität."

Eine weitere Besonderheit der Jungschen Typologie liegt darin, dass jeder der vier Typen in seiner introvertierten und in der extravertierten Ausprägung beschrieben wird. Dem Extravertierten zählen Fakten, dem Introvertierten Grundsätze. Der Extravertierte fühlt sich von der Außenwelt angezogen, den Introvertierten fasziniert seine Innenwelt. Diese hochinteressante Unterscheidung lässt sich in gewisser Weise auch auf die vier Elemente übertragen, würde aber den Rahmen dieses Buches sprengen. In aller Kürze aber mögen die nachfolgenden Gegenüberstellungen eine Idee dieser beiden Ausdrucksformen geben.

Extravertiertes Feuer: Der glühende Eiferer und Weltverbesserer, der predigend durch die Lande zieht. Der Fernsehprediger als Showmaster.
Introvertiertes Feuer: Der wirklich fromme und moralisch gefestigte Mensch, dem es vor allem darum geht, im Einklang mit seinen Überzeugungen zu leben.

Extravertierte Luft: Das wandelnde Lexikon. Der Vortragsredner, der auf das Publikum reagiert und von ihm abhängig ist.
Introvertierte Luft: Der Grundlagenforscher. Der Vortragsredner, der die von ihm gefundene Wahrheit, oder das seiner Meinung nach Wesentliche unbeirrbar vorträgt, auch wenn das Publikum nach und nach den Saal verlässt.

Extravertierte Erde: Der Praktiker, der Techniker, der Architekt, die Hausfrau. Menschen, denen die Bewältigung der Alltagswirklichkeit Spaß macht und keinerlei Problem ist.
Introvertierte Erde: Das Fotografenauge. Ein Mensch, der alle äußeren Eindrücke blitzartig aufnimmt und mit größter Detailtreue im Innersten speichert, oft ohne dass andere etwas davon merken.

Extravertiertes Wasser: Der helfende Mensch oder der Programmmacher in einem Unternehmen, der spürt, welches Produkt jetzt gute Marktchancen hat.
Introvertiertes Wasser: Der Prophet, der Visionär, der Dichter, der Künstler, in dem ein großes Werk, eine kühne Vision heranschwillt und eines Tages aus ihm herausflutet.

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Aus: Hajo Banzhaf, Die vier Elemente in Astrologie und Tarot (Goldmann-Verlag)

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