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  Artikel: Was ist Esoterik?
Hajo Banzhaf über das Phänomen Esoterik:

Mit Esoterik wird derzeit viel Schmu getrieben, aber vielen ist es eine echte Lebenshilfe

Was ist Esoterik? (Buchreport Nr. 28 `96)

Der Esoterikmarkt boomt und lockt immer mehr Verlage und Buchhandlungen zum Einstieg in das Wachstumssegment Esoterik. Hajo Banzhaf, Esoterikspezialist und Autor zahlreicher Bücher zum Thema, gibt im folgenden Artikel eine Einführung in die Esoterik und begründet, warum sie immer mehr Menschen beeinflußt.

Seit den 70er Jahren wird das Abendland von einer immer weiter anschwellenden »Esowelle« überschwemmt, die in diesem Ausmaß wohl nur die Wenigsten am Ende eines so aufgeklärten und hochtechnisierten Jahrhunderts erwartet hätten, das ja auch ganz anders begann. Nietzsche hatte kurz zuvor den Tod Gottes verkündet und Freud bemühte sich mit heiligem Eifer darum, aus seiner Sexualtheorie ein »Bollwerk gegen die Schlammflut des Okkultismus« zu zimmern. Mit dem Dritten Reich ging nicht nur das wiedererwachte Interesse an Mythen, Symbolen und esoterischen Traditionen unter, es ließ überdies viele in ihrem jugendlichen Idealismus mißbrauchte Menschen mit einem tief sitzenden Schock zurück, der immer noch nachwirkt. In Deutschland und Österreich ist die Skepsis und Zurückhaltung gegenüber der Esoterik bis heute spürbar höher als etwa in der vom Krieg verschonten Schweiz, in der sie eine ungebrochene Tradition hat.

Die zusätzliche Enttäuschung über die zweifelhafte Rolle der Kirchen ließ dann in den 50er Jahren einen apathischen Atheismus aufkommen, der seiner Natur gemäß keine Antwort auf die brennenden Fragen der Jugend nach dem Sinn des Lebens hatte. So drängte die Nachkriegsgeneration um so heftiger in den Osten und fand dort bei Derwischen, Yogis, Gurus und Zenmeistern was sie suchte: Heilslehren, die Wege zeigten, drängende Probleme besser zu bewältigen und das Leben sinnvoller zu gestalten. Durch die anregenden Entdeckungen in Asien neugierig geworden, durchstöberten die Heimkehrer dann auch bei uns die Archive und waren überrascht, beeindruckt und fasziniert von der Reichhaltigkeit abendländischer Traditionen.

Esoterik - keine Geheimniskrämerei

Der Boom, der damit einsetzte, hat inzwischen allerdings eher wenig mit dem zu tun,. was Esoterik ursprünglich meint. Der Begriff selbst stammt aus den antiken Mysterienschulen, die zwischen einem inneren (esoteros = griech. das Innere) Kreis und einem äußeren (exoteros = griech. das Äußere) unterschieden. Um in den inneren, esoterischen Kreis aufgenommen zu werden, war es selbstverständlich notwendig, zuvor das äußere, exoterische Wissen erlernt zu haben. Erst dadurch erlangte der Myste die Voraussetzung, sich der esoterischen Seite der Schöpfung, dem Geheimwissen des inneren Kreises zuzuwenden.

Dabei handelt es sich bis heute um ein Wissen, das nichts mit Geheimniskrämerei zu tun hat und ebenso wenig ein »Hineingeheimnissen« ist, sondern um Einsichten, die ihrer Natur nach geheim sind, weil sie aus den wesentlichen aber unsichtbaren Zusammenhängen hinter der äußeren Erscheinungswelt gewonnen werden, aus der Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit. Dieses esoterische Wissen findet sich in auffallend ähnlicher Weise in allen Kulturen, ist zweifellos älter als jede Religion, bildet zumeist deren eigentliche Wurzel und ist in einigen Fällen bis heute als deren innerster Kern bewahrt worden. In seinem Zentrum steht die Frage nach dem Lebensweg des Menschen und nach der Bedeutung des Todes.

Auf das Engste komprimiert besagt der grundlegende Gedanke der Esoterik, daß wir in einer polaren Wirklichkeit leben, in einer Welt, in der wir nur dann etwas erkennen und begreifen können, wenn wir uns dazu einen Gegenpol als Bezugspunkt denken können. Es käme uns nicht in den Sinn, etwas als männlich zu bezeichnen (oder zu erkennen), gäbe es das Weibliche nicht, ohne Nacht wäre kein Tag, ohne den Tod wüßten wir nicht einmal, daß wir leben, usw. Begreift man dieses Polaritätsgesetz als das allumfassende Prinzip unserer Wirklichkeit, dann läßt sich daraus folgerichtig auch auf den Gegenpol zur Polarität selbst schließen, auf die unvorstellbare Einheit, die alle Religionen in ihrer Weise mit ihren jeweiligen Bildern und Symbolen als göttlich und paradiesisch beschreiben. Der Sturz aus dieser ursprünglichen Einheit, die Zerrissenheit in der Vielheit und die mögliche Rückkehr zum verlorenen Paradies, ist das esoterische Wissen um den Lebensweg des Menschen.

Das Ziel heißt Ganzheit

Diesen Weg, beschreibt die Esoterik deshalb als einen Heilsweg, weil sein Ziel die Ganzheit des Menschen ist (ganz = heil). Dabei ist man sich vor allem mit der Jungschen Psychologie darüber einig ist, daß die menschliche Ausgangslage insofern »unheil« ist, als daß zunächst weite Teile dieser Ganzheit im sogenannten Schatten liegen, in einem Bereich, der vom Bewußtsein als fremd oder fehlend erlebt wird und erst nach und nach bewußt werden kann. Solange Teile unserer Wesensnatur im Schatten liegen, fehlen sie uns nicht nur zu unserer Ganzheit sondern sind zugleich die wesentliche Quelle für manches Fehlverhalten, mit dem sie - vereinfacht gesagt - auf sich aufmerksam machen wollen.

Vieles ist Geldschneiderei

Im Unterschied zu diesen sehr tiefen Ebenen bringt die heutige »Esoschwemme« in ihrer Breite allerlei Kuriositäten und Merkwürdigkeiten hervor, die nur noch entfernt an eigentliche Esoterik erinnern. Letztere kann niemals vermarktet oder zu einer leicht konsumierbaren Massenströmung werden und ist auf Esoterikmessen wohl nur selten zu finden. Dort serviert man lieber leichte Kost statt tiefschürfender Überlegungen, einfachste und sehr bequeme Pseudolösungen für komplexeste Probleme und jede Menge Prophezeiungen, bei denen die Guten letztlich auch immer gut davon kommen. Für die meisten dieser kassenträchtigen Veranstaltungen gilt tatsächlich, was die Süddeutsche Zeitung über eine der ersten Münchener Esoterikmessen schrieb: »Wer hier denkt, hat schon verloren!« Dennoch wäre es äußerst voreilig, angesichts solch wundersam grotesker Blüten die gesamte esoterische Bewegung als unsinnig, dumm, leichtgläubig und naiv abzustempeln oder als reine Geldschneiderei mehr oder minder verkrachter Existenzen. Denn wer ernsthaft sucht, dem bietet sie wirkliche Lebenshilfe, der findet Bücher, Vorträge und Seminare, die zu wahrhaftig tiefen Einsichten verhelfen und die Augen für eine esoterische Sicht der Welt öffnen.

Tarot: Aus Spiel kann Ernst werden

Was mit den verschiedenen Ebenen gemeint ist, mag anhand der Tarotkarten deutlich werden. Auf einer exoterischen Ebene zeigen sie sich in den heutigen Spielkarten, mit denen man unter anderen Tarock spielt. Die esoterische Sicht erkennt dagegen in der Struktur dieser Karten ein offenbar aus älterer Zeit überliefertes Orakelsystem. Dort wo Esoterik als leichte Kost genossen wird, geht man spielerisch damit um und versucht »rein intuitiv« die Bedeutung von Karten zu erfassen, die zu einer bestimmten Frage gezogen wurden. In den wenigsten Fällen kommt dabei mehr heraus als gerade die Antwort, die zuvor durch Wunschdenken in die Karten hinein gelegt wurde. Je ernsthafter man sich aber mit Tarot befaßt, um so tiefer sind die Einsichten, die sich aus dem Kartenorakel gewinnen lassen und um so wertvoller werden seine Ratschläge. Das eigentliche Geheimwissen aber eröffnet sich erst dem, der die Struktur dieser Karten so tief durchdringt, daß er in ihrem Aufbau, ihrer Bildfolge und ihren vielfältigen Querverbindungen den Lebensweg des Menschen gespiegelt sieht, wie er sich auch in der Gralslegende, in der Grundstruktur von Mythen und Märchen, im alchemistischen Werk oder in der Zahlenmystik wiederfindet. Wer Tarot oder eine andere esoterische Richtung auf dieser tiefen Ebene verstanden hat, ist über das Kartenlegen hinausgewachsen. Ihm bietet Tarot in allen wichtigen Lebenssituationen eine wertvolle Orientierungshilfe, ohne daß er sich dazu auch nur eine Karten ziehen müßte.

Damit soll nicht gesagt sein, daß es falsch, frevelhaft oder verwerflich sei, sich auf einer neugierig-spielerischen Ebene mit esoterischen Themen oder Techniken zu befassen. Eher ist es typisch, daß im positiven Sinn aus reinem Spiel plötzlich Ernst wird. Gerade weil etwa Tarot auch in der Hand des Laien zu wirklich verblüffenden Ergebnissen und Aussagen führen kann, ist so mancher über den spielerischen Umgang nachdenklich geworden und hat sich den tiefer liegenden Hintergründen zugewandt.

Esoterik - ein uferloses Thema

Es wäre müßig und würde nur Seiten füllen, wollte man alle Themen, Richtungen und Methoden erfassen und beschreiben, die sich heute esoterisch nennen. Um dennoch einen Überblick über diese Landschaft zu geben, mag folgende Orientierung hilfreich sein.

Esoterik wendet sich natürlich an den ganzen Menschen, den sie als eine Einheit aus Körper, Seele und Geist versteht. Wenn man bedenkt, wie sehr das Abendland seit Jahrhunderten alles Körperliche abgewertet hat, wundert es nicht, daß alle esoterischen Übungen und Methoden, die sich mit diesem Teil unserer Ganzheit befassen, bei uns verloren gingen und erst jetzt wieder aus dem Osten zu uns kommen. Während sich Körpertraining bei uns immer einseitiger zu Leistungssport, Bodybuilding, Schlankheitskult und einer leichtfüßigen Fitneßkultur entwickelt hat, haben die Kampfkünste des Ostens ihren spirituellen Kern, ihr ganzheitliches Menschenverständnis bewahrt. Sicherlich gibt es auch dort unübersehbare Verzerrungen und gerade Begriffe wie Kung Fu oder Karate lassen uns eher an billige Actionfilme im Bahnhofsviertel oder an die martialisch gekleideten Finstermänner ziviler Sicherheitsdienste denken als an spirituelle Übungen. Wer sich aber näher mit diesen Kampfsportarten befaßt, wird bald erkennen, daß es hierbei um mehr geht, als seine überschüssigen Kräfte abzureagieren oder den Nachbarn aufs Kreuz zu legen. Bei uns sind vor allem Aikido (aus Japan) und Tai Ji (aus China) in esoterischen Kreisen als »sportliche« Übung für Körper, Seele und Geist beliebt geworden. Aber auch bei den meditativen Übungen, die vom Osten zu uns kamen, bildet die körperliche Ebene ein wesentlich Bestandteil, sei es im Yoga, im aufrechten und regungslosen Sitzen des Zen, in der Zenkunst des Bogenschießens oder im Tanz der Sufis.

Was der Seele gut tut hat man dagegen auch bei uns nie vergessen, wie sich an der Kunst, vor allem in der Musik erkennen läßt. So nimmt es nicht Wunder, daß heute neben vielen süßlich-seichten Synthesizermelodien vor allem die heilenden Klänge sakraler Musik wieder entdeckt werden. Und an geistiger Nahrung besteht im Abendland ohnehin kein Mangel. Nicht nur Astrologie und Kabbalah bieten hoch komplexe Modelle, mit deren Hilfe sich der Mensch im Leben orientieren kann, auch die Alchemie hat in vielen Jahrtausenden ein so symbolreiches Wissen über tiefgreifende Wandlungsprozesse gesammelt, daß C.G. Jung diese Wissenschaft die Psychologie des Mittelalters nannte.

Zur Einsicht in das eigene Wesen, zur Erkundung der Lebensaufgabe, um den eigenen Standort zu bestimmen, den Weg zu erkennen oder die richtige Entscheidung zu treffen aber bietet die Esoterik seit alters her die Divination, die Erkundung der göttlichen Willens (Divinität = lat. Göttlichkeit). Dazu versucht man mit Hilfe verschiedenster Zufallsorakel die Qualität des Augenblicks zu ermitteln, um darin eine Antwort auf die Frage zu finden, wie das Vorhaben eines Einzelnen sich zum großen Ganzen verhält und ob die Zeit dazu reif ist. Zu den verbreitetsten dieser Methoden gehört heute neben Tarot, das altehrwürdige I Ging und das Runenorakel. Auf letzteres gehen übrigens zwei für die Welt der Bücher höchst bedeutsame Worte zurück: Runen wurden als Stäbchen aus dem Holz der Buche geschnitzt. Wollte der Druide damit das Orakel befragen, mußte er diese »Buchenstäbchen« werfen, um sie dann bei der Deutung der so entstandenen Zufallskonstellation einzeln »aufzulesen«. So gesehen ist das Lesen von Buchstaben reinster Orakelbrauch.

Es gibt keinen sinnlosen Zufall

Für viele Menschen sind diese Orakel gleichbedeutend mit Esoterik und bilden den Hauptgrund ihres Interesses. Zugleich liegt hier aber auch die hauptsächliche Kritik, die der Esoterik entgegengebracht wird. In der Tat ist es für unseren Verstand kaum zu fassen, daß man einer rein zufällig entstandenen Konstellation irgend eine ernsthafte Bedeutung beimessen könnte, zumal man völlig sicher sein kann, daß mit jeder Wiederholung eine andere Konstellation entsteht. Das aber interessiert den esoterisch denkenden Menschen nicht. Für ihn gibt es - neben dem reinen Erfahrungswert - zwei Gründe, diese Zufälle ernstzunehmen. Zum einen besteht für ihn kein Zweifel, daß es sich bei den Orakeln um etwas Irrationales handelt, das man nicht mit rationalen Mitteln messen kann. Während bei einem rationalen Experiment der Beweis durch beliebig häufige Wiederholung erbracht werden kann, sofern der Zufall als Störfaktor ausgeschlossen bleibt, gilt in der irrationalen Welt der Orakel gerade das Gegenteil: einzig signifikant ist der Zufall, eine mögliche oder unmögliche Wiederholung besagt dagegen nichts. Die andere Erklärung geht davon aus, daß Zeit eine Qualität ist und damit jeder Augenblick seine eigene Bedeutung hat. Bedenkt man zudem, daß die ganzheitliche, esoterische Sicht in Frage und Antwort die beiden Pole einer Ganzheit betrachtet, dann versteht man, wieso der Frageaugenblick auch die Antwort enthält. Wenn die Möglichkeit besteht, die Qualität des Frageaugenblicks zu messen, läßt sich daraus auch die Antwort ablesen. Und wo könnte sich die Qualität eines Augenblicks besser offenbaren als in der Konstellation, die dem Menschen in diesem Augenblick zufällt? So gesehen bekommt der Zufall eine völlig neue Bedeutung. Er zeigt die Qualität der Zeit an einem bestimmten Ort. Dieser Gedanke wurde von der »Esowelle« so breitgetreten, daß er in der höchst vereinfachten Form: »Es gibt keinen Zufall!« zur häufigst zitierten Binsenweisheit verkam. Denn natürlich gibt es Zufälle, sogar unendlich viele, aber aus der esoterischen Sicht sind sie bedeutsam. Und so sollte man wohl richtigerweise sagen, daß es keinen sinnlosen Zufall gibt.

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