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  Artikel: Die vielen Gesichter des Tarot


Die vielen Gesichter des Tarot
© Hajo Banzhaf

Seit den 80er Jahren des 20. Jahrunderts sind immer neue Tarotdecks entstanden und ständig werden es mehr. Wird die bunte Welt der Karten mit jeder dieser Neugestaltungen um eine Facette reicher oder einfach nur kunterbunter? Gewiss sind unter den Hunderten nicht wenige, die nur eine quantiative Erweiterung der Tarotlandschaft bilden, während andere zweifellos eine qualitative Bereichung darstellen, die sehr zu begrüßen ist.

Nach welchen Maßstab lässt sich die Güte eines Kartendecks überhaupt beurteilen? Gibt es Karten, die die Wahrheit sagen, weil sie "richtig" sind, während andere Karten nicht "richtig" sind und den Frager deshalb in die Irre führen? Wohl kaum. Zufallsorakel, zu denen Tarot ebenso wie das I Ging und die Runen gehört, geben Ihre Antwort aus einer zufälligen Konstellation im Frageaugenblick. Diese Aussage zu erkennen, sie zu lesen und richtig zu übersetzen, ist alles, worauf es ankommt. Entscheidend ist also nicht, welches Orakel besser oder schlechter "funktioniert", sondern welche Sprache man spricht, welches Orakel man am besten versteht. Das Gleiche gilt für die verschiedenen Kartensätze, die allesamt ihre eigene Sprache haben. Um sie zu deuten, muss man natürlich die Illustrationen und die Symbolik verstehen, um dann in der jeweils eigenen Bildersprache Antworten auf zuvor gestellte Fragen zu finden.

Wenn man Tarot dagegen als ein Weisheitsbuch aus alter Zeit betrachtet, das uns in den 22 Großen Arkana gleich einem Bildband das Wissen vom Lebensweg des Menschen überliefert, dann macht es wirklich große Unterschiede, mit welchem Tarotdeck man sich befasst. Denn auf dieser Ebene wird sofort ersichtlich, dass diese tiefe Dimension von manchem Neugestalter der Karten nicht erfasst, vielleicht auch gar nicht erkannt wurde und deshalb in diesen Decks natürlich auch vergeblich gesucht würde.

Aber nicht nur die Bilderwelt der Karten ist vielfältig. Je mehr Tarotbücher man liest, um so weniger hat man den Eindruck, dass es sich dabei immer noch um das gleiche Orakel handelt. Zum Teil sind einzelne Deutungen oder Darstellungen derart widersprüchlich, das nicht nur den Tarotneuling gelegentlicher Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Tarotorakels beschleicht. Denn selbst wenn man sorgfältig die Spreu vom Weizen trennt und sich nur an anerkannte Autoren und Experten hält, wird man die unterschiedlichsten Deutungen finden. Aber auch das liegt in der Natur der Sache, denn Einigkeit besteht immer nur über die Oberfläche, die wir alle gleichermaßen sehen können. Tiefe muss dagegen gedeutet werden. Und je tiefer die Symbolik der Karten ist, um so weiter können die Deutungen voneinander abweichen und dennoch richtig sein. Bei einer wirklich tiefen Symbolik, ist nicht einmal mehr die Meinung des Schöpfers das Entscheidende. Denn wenn es sich um Inhalte des kollektiven Unbewussten handelt, die durch den Neugestalter in die Karten geflossen ist, dann kann deren Symbolik weit über das hinausgehen, was dem Schöpfer während seines Schaffens bewusst wurde. Dann ist es, ähnlich wie bei echten Kunstwerken, durchaus rechtens wenn andere darin weit mehr erkennen, als dem Künstler bei seiner Arbeit vorschwebte und bewusst war. Nur dort, wo die Kartendarstellungen einfach ausgedacht wurden, also ein reines Kopfprodukt sind, gibt es keine Tiefe. In diesen allerdings wenig bedeutsamen Fällen hat der Gestalter wirklich das letzte Wort.

Der Hauptgrund für Irritationen liegt vor allem in der irrigen Annahme, dass esoterische Systeme wie Tarot, Kabbala, Astrologie oder das I Ging miteinander austauschbar sein müssten, ebenso wie eine Tarotkarte, gleichgültig aus welchem Deck sie gezogen wird, selbstverständlich die identische Bedeutung haben müsse, wie ihre Entsprechung in einem anderen Deck. Natürlich gibt es viele Parallelen zwischen den verschiedensten Tarots und ebenso zwischen den einzelnen Orakelsystemen. Aber eine exakte Gleichsetzung wäre doch eine Verarmung, denn wenn zwei Tarotdecks oder zwei Orakel wirklich identisch sind, dann ist eines der beiden überflüssig.

Es liegt in der Natur eines Symbols, dass es eine umfassende und damit zumeist mehrdeutige Bedeutung hat. Oftmals ist es gerade dieser Hintergrund, der auch große Kenner der Materie zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen lässt; so zum Beispiel in den Karten der Kleinen Arkana von Arthur Edward Waite und Aleister Crowley. Die Kompetenz dieser beiden Neugestalter in Sachen Tarot steht gewiss außer Zweifel. Dennoch hat etwa ein Viertel der 40 Zahlenkarten in beiden Decks eine komplett andere Bedeutung. Das hat unter anderem damit zu tun, dass im Rider-Tarot alle Vierer-Karten eine Stabilität verkörpern, die nur noch für die Stäbe (Willenskraft) als positiv angesehen wird, bei Kelchen (Gefühle), Schwertern (Verstand) und Münzen (Materie) dagegen als problematisch gilt. Crowley wertet die Vierer-Karten dagegen durchweg (noch) positiv, womit ihre Bedeutung in seinem Deck oft kaum von der Dreier-Karten zu unterscheiden ist. Die Qualität der Vier gleicht gewissermaßen dem Zustand der Sattheit, den man als noch gut oder schon als ein wenig des Guten zuviel deuten kann. Ein ähnlich grundlegenden Unterschied findet man in der Deutung der Zwei Stäbe: Zwei, die Zahl der Polarität in Verbindung mit dem Feuerelement (Stäbe). Stellt man sich dabei zwei Feuerscheite vor, die wie im Crowley-Tarot einander kreuzen, dann werden die Flammen hoch gehen, nimmt man sie dagegen auseinander - wie im Rider-Waite-Tarot -, dann werden die Flammen erlöschen. Beide Aussagen lassen sich also mit der dieser Karte zu Grunde liegenden Symbolik überzeugend verbinden.

Somit können die unterschiedlichen und auch widersprüchlichen Kommentare verschiedener Tarotkenner einen immer umfassenderen Blick auf die Karten eröffnen und zu tieferem Verständnis führen. Je tiefgründiger aber eine Karte verstanden wird, um so treffsicherer und lebendiger lässt sie sich in einer konkreten Situation erfassen und deuten. Denn ebenso wie bei der fremden Sprache helfen auswendig gelernte Texte nur wenig weiter. Wer Tarot gut und flüssig deuten will, muss dessen Bildersprache verstehen und fließend sprechen. Und wie es für das Erlernen einer Sprache günstig ist, immer wieder in das entsprechende Land zu reisen und mit den verschiedensten Menschen zu sprechen, ist es auch beim Tarot außerordentlich hilfreich, die Karten aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet und verstanden zu haben.

Vorwort zum Buch Jana Riley, Tarot - Handbuch der Kartendeutung Neuhausen 2001 (Urania Verlag).

Rider-Waite-Tarot

Crowley-Tarot

Tarot von Marseille

Abb. Rider-Waite® Tarot: © US Games & AGM, www.koenigsfurt-urania.com
Abb. Crowley® Thoth Tarot: © O.T.O & AGM, www.koenigsfurt-urania.com
Abb. Tarot de Marseille: © France cartes

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