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  Artikel: Zufall und Zufallsorakel
Zufall und Zufallsorakel
© Hajo Banzhaf
Artikel aus der Tarot & Traumzeitung
Die Nähe zwischen Orakel und Spiel ist kein Phänomen, das sich auf Tarotkarten beschränkt. Auch andere Spiele sind aus alten Orakeln hervorgegangen, wie zum Beispiel das Würfeln, das Auslosen oder das Mikado. Hintergrund ist bei alledem die Überzeugung, daß der Zufall etwas Bedeutsames ist. Die heute oftmals zu hörende Bemerkung »Es gibt keinen Zufall« meint zwar dasselbe, ist aber genaugenommen falsch. Richtiger müßte es heißen, daß es keinen sinnlosen Zufall gibt. Das würde der ursprünglichen Bedeutung dieses im Mittelalter entstandenen Wortes entsprechen, mit dem man seither etwas bezeichnet, das einem Menschen zufällt, also unvorhersehbar zuteil wird. Daß es sich bei Zufällen um reine Willkür, um absurdes Schicksal, um blindwütiges Walten des Lebens handelt, ist ein Standpunkt, den der aufgeklärte Geist schon allein deshalb gern eingenommen hat, weil er sich damit aus der Verlegenheit half, Erklärungen für unerklärliche Phänomene finden zu müssen. Inzwischen aber hat die Bereitschaft, hinter dem Zufall ein bedeutsames Wirken zu vermuten, beachtlich zugenommen. Worum geht es dabei?

Wenn wir das Wissen vom Heilsweg des Menschen, wie ihn die verschiedensten spirituellen Lehren der Menschheit beschreiben, in die Sprache der Psychologie übersetzen, dann liegt unser Lebensziel in der Ganzwerdung, und die Kraft, die jeden von uns dorthin drängt, ist das Selbst. So benannte C.G. Jung das größere Ganze, das sowohl das Bewußte als auch das Unbewußte eines Menschen umfaßt. Da unser Ich als Zentrum des Bewußtseins nur ein Teil dieses Selbst ist – und mit höchster Wahrscheinlichkeit nur ein sehr kleiner Teil – kann es sich natürlich kein umfassendes Bild vom größeren Ganzen machen und deshalb auch nicht mit Bestimmtheit über dessen Natur sprechen. Wir können aber seine Botschaften beachten, die wir in Träumen und Eingebungen empfangen und sein Wirken beobachten, wie es sich in den vielen zufälligen Phänomenen unseres Lebens zeigt. Natürlich gehört hier, ähnlich wie in der subtilen Quantenphysik, der Beobachter zum Experiment. Wer Träume nur für Schäume hält, dem werden sie kaum etwas Sinnvolles sagen können. Wer aber Eingebungen des Unbewußten ebenso wie zufällige Begebenheiten mit freundlicher Aufmerksamkeit studiert, dem wird manch merkwürdige Erfahrung im besten Sinne des Wortes merk-würdig sein.

Mit dieser Betrachtungsweise lassen sich auch Orakel verstehen, die gerade durch ihre zufällige Konstellation eine bedeutsame Aussage machen, auch wenn eine solche Vermutung im krassen Gegensatz zur wissenschaftlichen Betrachtungsweise steht. Und genau hier wird der Vorwurf laut, der im Zusammenhang mit Tarot immer wieder zu hören ist: »Aber wenn man die Karten fünfmal hintereinander legt, dann wird man doch jedesmal durch andere Karten eine andere Antwort bekommen.« Das ist so richtig, wie es falsch ist. Tatsächlich kommen in einem solchen Fall zumeist andere Karten, nur beweist das nichts. Lediglich die rationale Beweisführung beruht auf der Wiederholbarkeit eines Experiments. Dazu ist es notwendig, den Zufall nach allen Regeln der Kunst auszuschließen, und die geplante Versuchsreihe ungestört in einem geeigneten Rahmen, einem abgeschirmten Labor, durchzuführen. Gelingt das Experiment beliebig oft, ist damit der Beweis erbracht. Die Zufallsorakel aber gehören ebenso wie die Träume zur irrationalen Welt und lassen sich deshalb nicht mit rationalen Mitteln messen. Auch ein Traum ist nicht erst bedeutsam, wenn man ihn fünfmal geträumt hat. Ebensowenig lebt ein Zufallsorakel von der Wiederholbarkeit. Während in der rationalen Welt der Zufall als unkalkulierbare Größe und unerwünschter Störenfried gilt, der jedes Experiment durcheinanderbringen kann, erweist er sich in der irrationalen Welt als wichtigster, aussagekräftiger Faktor. Deshalb ist die Konstellation einer ersten und einzigen Kartenlegung bedeutsam, und die Tatsache, daß sie nicht wiederholbar ist, beweist nichts.

Folgen wir der Jungschen Psychologie in der Annahme, daß im Unbewußten Kräfte ruhen, die uns Menschen führen, dann läßt sich Tarot auch als Dialog zwischen dem Bewußten und dem Unbewußten verstehen. Denn ebenso wie andere Erlebnisse und Erfahrungen, die wir machen, vom Unbewußten bewirkt werden, damit wir daraus lernen, an ihnen wachsen und reifen, so treten auch die Ratschläge des Tarots als Botschaften des Unbewußten in unser Leben. Dieser Hintergrund läßt Orakel in einem gänzlich anderen Licht erscheinen und zu einer einzigartigen Quelle der Selbsterkenntnis werden. Damit sie so verstanden werden, ließ schon der Philosoph Thales von Milet zu Beginn des 6. vorchristlichen Jahrhunderts am Tempel zu Delphi die berühmte Inschrift »Erkenne dich selbst« anbringen, um den eigentlichen Sinn aller Orakel deutlich zu machen. Wer diese Botschaften aufnimmt und sich von ihnen führen läßt, wird seinen eigenen, der jeweiligen Individualität entsprechenden Weg gehen und zu sich selbst finden. Wer dagegen das Unbewußte nur als ein magisches Wunderland betrachtet, dessen Zauberkräfte das Ich schamlos ausbeuten darf, um sein grenzenloses Geltungsbedürfnis und seine naiven Glückserwartungen zu stillen, wer damit die Lottozahlen berechnen will oder Tarot als spirituelle Versicherung gegen Unannehmlichkeiten des Lebens betrachtet, wird günstigstenfalls enttäuscht, vielleicht aber auch schlimmen Schiffbruch erleiden. »Jede Annäherung an das Unbewußte aus Nützlichkeitsgründen,« so warnt die Jungianerin Marie-Louise von Franz, »hat destruktive Wirkungen.« Und sie vergleicht diesen Vorgang mit der rücksichtslosen Ausbeutung der Wälder, dem Raubbau an der Natur und dem habgierigen Plündern der Bodenschätze, was alles in allem nur zur Störung des biologischen Gleichgewichts führt. Im Verfehlen der Mitte aber liegt die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Sünde. Vielleicht ist es diese Gefahr, die die Tarotkarten immer wieder als das Gebetbuch des Teufels in Verruf gebracht hat.

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