Artikel zu Astrologie von HAJO BANZHAF


Feuer, Erde, Luft und Wasser

Eine elementare und ganzheitliche Charakterkunde

Nach antiker Lehre schuf Gott zunächst die vier Elemente, aus denen er dann die gesamte Schöpfung wob. So wie sich ein Wort aus Buchstaben zusammensetzt, sagte man, so besteht alles Erschaffene aus Feuer, Erde, Luft und Wasser. Und da auch wir Geschöpfe sind, besteht ein jeder Mensch aus allen vier Elementen, allerdings in einer jeweils eigenen Mischung. Diese unterschiedliche Verteilung bildet die Basis einer elementaren, ganzheitlichen Charakterkunde, die wir als höchst anschaulich empfinden, weil sie so tief in unserer Sprache verwurzelt ist. Ein jeder weiß, daß ein feuriger, heißer oder heißblütiger Typ sehr temperamentvoll, aber auch ein Heißsporn oder Hitzkopf sein kann, wohingegen jemand, der viel Wind macht, gern abhebt und immer wieder alles aus der Luft greift möglicherweise ein Luftikus ist.
Erde ist natürlich bodenständig und schätzt das Solide (solus = lat. Erde), wohingegen Wasser mal still mal mitreißend ist und jemand, der nahe am Wasser gebaut hat, als rührselig, sensibel und mitfühlend gilt.

Das Besondere an dieser klassischen Typenlehre liegt aber darin, daß sie den Menschen nicht festlegt, also nicht auf einen Typus festnagelt. Sie erweist sich vielmehr als ein dynamisches Modell, bei dem sich der Reifegrad des Menschen nicht zuletzt darin spiegelt, wie sehr er sich um die Entfaltung auch jener Elemente bemüht, die bei ihm nur schwach veranlagt sind oder ihm fehlen; wie sehr er sich also um die Behebung seiner »Fehler« bemüht.

An dieser Stelle aber prallen stets zwei verbreitete astrologische Grundeinstellungen aufeinander. Weitgehende Einigkeit besteht nur darüber, daß sich aus dem Horoskop ablesen läßt, in welcher Mischung die vier Elemente in einem Menschen angelegt sind. Dann aber scheiden sich die Geister. Die einen gehen davon aus, daß das Geburtshoroskop einen Aufgabenplan darstellt, der so gelebt werden soll, wie er vorgefunden wird. Das bedeutet zum Beispiel, daß ein Mensch, in dessen Horoskop das Element Wasser zu fehlen scheint, weil kein Planet und kein sensibler Punkt in einem Wasserzeichen steht, sich in diesem Leben auch nicht mit Wasser auseinandersetzen muß oder soll.

Genau den entgegengesetzten Standpunkt vertreten dagegen diejenigen, die die Lebensaufgabe des Menschen als ein Ringen um Ganzwerdung verstehen, und im Geburtshoroskop die spezielle Anlage eines Individuums sehen, die im Laufe des Lebens so entfaltet und gestaltet werden will, daß anfängliche Fehler und Schwachstellen nach und nach behoben und ausgeglichen werden. Das ideale Lebensziel wäre somit die geeinte Persönlichkeit, die zur Ganzheit gereift ist, weil sie in ihrem Wesen alle vier Elemente zur Entfaltung gebracht hat. Zieht man die Forschungsergebnisse C.G. Jungs hinzu, die er aus seiner Arbeit als Therapeut, aus den Botschaften von Mythen und Märchen und nicht zuletzt aus der Symbolik der Alchemie gewonnen hat, dann geht es in der ersten Lebenshälfte offenbar darum, die drei Elemente zu entfalten, die am stärksten veranlagt sind, während es zur Aufgabe der zweiten Lebenshälfte wird, das »schwer erreichbare Gut« zu heben. Dahinter verbirgt sich psychologisch verstanden das Ringen um das vierte Element, das typischerweise in der ersten Lebenshälfte vernachlässigt wird und so zurück bleibt, daß es dem Menschen weitgehend zu fehlen scheint.

Stimmt man Johannes Kepler zu, der sagte, das Horoskop zeige unsere Anlage und nicht unsere Festlage, dann wird man sich gegen die zuerst beschriebene Annahme stellen müssen, die den Menschen recht deterministisch auf seine »Grundausstattung« festlegt. Aber auch wenn man sieht, welch starke Kräfte den Menschen zur Ganzwerdung drängen, wie oft er in Situationen geführt wird, in denen er das ihm Fehlende lernen könnte, oder wie oft sich gerade Partnerschaften dadurch auszeichnen, daß jeder der beiden die fehlende Seite des anderen verkörpert, und ihm so die permanente Chance bietet, das Fehlende kennenzulernen, wertzuschätzen und nach besten Möglichkeiten zu entfalten, dann scheint viel mehr für die ganzheitliche Sicht der zweiten Annahme zu sprechen.

»Aber wie soll jemand etwas entfalten, das er gar nicht hat?« ist die dann oft gestellte Frage. Ihr liegt die Annahme zu Grunde, daß im Horoskop nur die Zeichenstände von Planeten, Achsen oder sensiblen Punkten bedeutsam seien, daß sich nur daraus die angelegte Elementverteilung ablesen ließe. Häuserstände, vor allem aber Aspekte werden dagegen zumeist völlig übersehen. Dabei können enge Aspekte mit den Herrschern der letzten vier Zeichen des Zodiaks (SCH/JU, STE/SA, WAS/UR, FIS/NE) spürbare elementare Färbungen bedeuten. So kann etwa die gradgenaue Konjunktion aber auch das Quadrat oder die Opposition mit Neptun eine feurige, luftige oder auch erdige Sonne wahrhaft »baden gehen lassen«, das heißt, ihr höchst wässrige Züge verleihen, ebenso wie ein harter Saturnaspekt einer durchaus erdhaften Färbung entspricht. In dieser Vernachlässigung liegt ein großes Manko der verschiedensten Formeln zur Elementenauszählung eines Horoskops. Ein weiteres besteht natürlich darin, daß sie nur die Ausgangssituation aus dem Geburtshoroskop erfassen und diese statisch für das ganze Leben festschreiben, womit sie dem dynamischen Charakter dieser Typenlehre gewiß nicht gerecht werden.

Aus diesen Gründen halte ich es für reizvoll und ratsam, den folgenden Test zu machen, um die individuelle Verteilung der Elemente zu ermitteln. Dabei gehe ich selbstverständlich nicht davon aus, daß ein Fragebogen in jedem Fall zuverlässigere Ergebnisse mit sich bringt als die soeben kritisierten Formeln zur Horoskopauswertung. Der Vorteil liegt vielmehr darin, das das Ergebnis ein gutes Bild vom gegenwärtigen Zustand gibt. Wer den Test vielleicht in ein paar Jahren wiederholt und dann eventuell zu anderen Ergebnissen kommt, kann aus dem Unterschied ablesen, welche Entwicklung er in der Zwischenzeit durchlaufen hat.

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